Jobzeugnis richtig deuten

Jobzeugnis richtig deuten
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Jobzeugnis richtig deuten

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In Arbeitszeugnissen gibt es viele versteckte Formulierungen. So werden sie entschlüsselt.

Wenn das Zeugnis endlich schwarz auf weiß auf dem Tisch liegt, wissen viele dann trotzdem nicht, was sie davon halten sollen. Man fragt sich zu recht, müssen Beurteilungen eigentlich so formuliert sein, dass sie nur mit entsprechenden Insiderkenntnissen zu entschlüsseln sind?

Das steht im Arbeitszeugnis
Das Arbeitszeugnis enthält immer Beschäftigungsdauer und Tätigkeitsbeschreibung. Darüber hinaus können Leistungsvermögen, Führungsverhalten und Sozialverhalten beurteilt werden – Merkmale also, auf die heutzutage angesichts zunehmenden Wettbewerbs auf dem Arbeitsmarkt von Arbeitgeberseite her großen Wert gelegt wird. Wen wundert's, wenn da der eine oder andere Arbeitnehmer am liebsten vor das Arbeitsgericht ziehen würde, um eine bessere Beurteilung zu erstreiten.

Gerade um dies auszuschließen, wurden in den letzten Jahren Formulierungen gewählt, die für den Laien kaum noch zu deuten sind eine Art Geheimsprache für Personaler also. Das für Beurteilungen geltende so genannte Offenheitsgebot wurde damit entkräftet. Demnach dürfte es Verschlüsselungen im Arbeitszeugnis eigentlich gar nicht geben. Was allerdings nach wie vor gilt, ist das Wahrheitsgebot.

Wie in der Schule werden im Arbeitszeugnis Noten auf einer Skala von Sehr gut bis Ungenügend vergeben. Sie umschreiben systematisch mit mehr oder weniger festgelegten Begriffen, was der Arbeitgeber von seinem Mitarbeiter tatsächlich hält. Will man die tatsächliche Benotung herausfinden, muss man erst einmal die Systematik erkennen, die dahinter steht, und einen gewissen Sinn für die Logik der Personaler besitzen.

Offensichtliche Mängel werden im Arbeitszeugnis überwiegend verklausuliert dargestellt oder auch ganz weggelassen. Der Arbeitnehmer soll seinen Beurteiler später auf keinen Fall wegen mangelnder Objektivität belangen können. So steht der größte Versager am Ende noch einigermaßen ansehnlich da vor sich selbst zumindest.

Ob es der zukünftige Arbeitgeber genauso sieht ist jedoch fraglich. Die Deutung eines Arbeitszeugnisses lässt auch für eingefleischte Personaler, die den Fachjargon beherrschen, noch genügend Spielraum für die eigene Interpretation.

Die Schlussformel des Zeugnisses
Häufig enthalten Arbeitszeugnisse ein oder zwei verabschiedende Sätze und den obligatorischen Wunsch für eine gute Zukunft. Eine qualifizierte Fachkraft zu verlieren, ist für jeden Arbeitgeber äußerst schmerzhaft und genau das wird hierbei üblicherweise zum Ausdruck gebracht.

An dieser so genannten Schlussformel können Sie also ablesen, wie wertvoll Sie für Ihren Arbeitgeber waren. Der neue Arbeitgeber erfährt darüber hinaus, ob es sich um eine Eigenkündigung oder einen Rausschmiss gehandelt hat. Lediglich bei einem hervorragenden Mitarbeiter werden alle drei Floskeln genannt:

  • Das Bedauern, dass der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt,
  • Der Dank für die geleistete Arbeit und gute Zusammenarbeit,
  • Der Ausspruch guter Zukunftswünsche.

Arbeitnehmer haben gemäß § 630 BGB; vgl. 113 GewO und § 73 HGB nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses das Recht auf ein schriftliches Zeugnis. Es kann ein einfaches Zeugnis sein, das lediglich Dauer und Art der Beschäftigung umfasst, oder aber ein ausführliches, das darüber hinaus auch noch die Leistungen des Arbeitnehmers beurteilt.

Ein Arbeitszeugnis soll das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers begünstigen. Nach dem so genannten Grundsatz des Wohlwollens besteht zudem der Anspruch auf ein mindestens befriedigendes Zeugnis. Wer eine bessere Note erwartet hat, muss belegen, warum er diese Benotung verdient hat. Erhält ein Arbeitnehmer dagegen eine schlechtere Beurteilung, steht der Arbeitgeber unter Beweispflicht.

Gegen eine zu wohlwollende oder zu schlechte Beurteilung spricht in jedem Fall das Wahrheitsgebot. Von Seiten des Beurteilenden sind Fairness und Objektivität angesagt die subjektive Meinung ist absolut tabu.

Sehr gut
...Hat die übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt…

Gut
Zur vollen Zufriedenheit


Befriedigend
Zu unserer vollen Zufriedenheit

Ausreichend
Zu unserer Zufriedenheit

Mangelhaft
Im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit

Ungenügend
Hat sich bemüht, die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer Zufriedenheit zu erledigen

"...Hat alle Arbeiten ordnungsgemäß erledigt" - Arbeit nach Vorschrift, braucht mehr Zeit als andere

"...Wusste sich gut zu verkaufen" - auf Kosten anderer

"... Im Rahmen seiner Fähigkeiten" - allein der gute Wille reicht nicht

"...War mit Interesse bei der Sache" - keine besonderen Vorzüge

"...Trug durch seine Geselligkeit zum guten Betriebsklima bei" viel Spaß, wenig Arbeit, Hinweis auf Alkohol

Was Sie aus dem Schlusssatz herauslesen können:

"...Das Arbeitsverhältnis wurde im gegenseitigen Einverständnis aufgehoben" - dem Mitarbeiter wurde gekündigt

"...Verließ die Firma auf eigenen Wunsch" - ist der Kündigung zuvorgekommen

"...Wir wünschen ihm für seinen weiteren Berufsweg alles Gute" - hat selbst gekündigt

"...Wir bedauern den Verlust des Mitarbeiters und wünschen ihm alles Gute für seinen weiteren Berufsweg" der Arbeitgeber bedauert die Kündigung

"...Wir bedauern den Verlust des Mitarbeiters sehr und wünschen ihm alles Gute für seinen weiteren Berufsweg..."- der Weggang ist ein Verlust für die Firma

Quelle: freenet.de
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