Kann man sich wirklich tot arbeiten?

Dauerhafte Überlastung am Arbeitsplatz kann körperliche und psychische Schäden verursachen.
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Dauerhafte Überlastung am Arbeitsplatz kann körperliche und psychische Schäden verursachen.

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Der schockierende Tod des Elite-Studenten macht den deutschen Arbeitnehmern Angst. Wer ist noch von diesem Schicksal bedroht?

Moritz E. war erst 21 Jahre alt und er war ein Muster-Student mit großer Zukunft. Doch die Arbeit trieb ihn in den Tod. Während eines Praktikums bei einer Bank in London soll er sich laut BILD tot gearbeitet haben. "Sich tot zu arbeiten" ist ein geläufiges Sprichwort. In Japan gibt es sogar einen Begriff dafür: "Karoshi". Doch gibt es das wirklich, den Tod durch Überarbeitung?

Wenn Arbeitnehmer ihre Belastungsgrenze ignorieren

Dafür muss erst einmal geklärt werden, was überarbeiten eigentlich bedeutet. Es gibt Menschen, die arbeiten 130 Stunden, pro Woche. Sie arbeiten an sieben Tagen pro Woche und 12 Stunden oder länger am Stück. Schlimmstenfalls ziehen sie das über Jahre durch. Dabei kann es körperlichen und psychischen Überlastungen kommen. Die Risiken einen Herzinfarkt, eine Depressionen oder von der ganzen Sitzerei eine Embolie zu bekommen steigen so enorm. Natürlich steigt dabei auch das Unfall-Risiko. Das Risiko eines tödlichen Unfalls steigt sowohl während als auch außerhalb der Arbeitszeit; Tätigkeiten die höchste Konzentration erfordern wie Autofahren, Fahrradfahren, Snowboarden oder Klettern können zur bei mangelnder Konzentrationsfähigkeit zur Todesfalle werden.

Grundsätzlich gilt: Jeder, der sich über seine persönlichen Leistungsgrenzen hinaus dauerhaft belastet begibt sich in große Gefahr. Das betrifft nicht nur die Arbeit sondern natürlich auch belastende Tätigkeiten außerhalb der Arbeit wie nächtelanges durchfeiern mit viel Alkohol oder Extremsport. Auch im Freizeitbereich werden oft Leistungssteigernde Mittel genommen. Das kann sich rächen. Wer sich dauerhaft überlastet, muss auch mit dauerhaften Folgeschäden an Körper und Psyche rechnen.

Wieviel Arbeit darf mir mein Arbeitgeber zumuten?

Tarifverträge vereinbaren meist eine Arbeitszeit zwischen 35 und 40 Stunden pro Woche. In Ausnahmefällen wie bei vorübergehend hohe Auftragslage müssen auch Überstunden geleistet werden.

Für die meisten angestellten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gilt bundesweit einheitlich das Arbeitszeitgesetz. Demnach darf die werktägliche Arbeitszeit von acht Stunden nicht überschritten werden. Eine Verlängerung auf bis zu zehn Stunden ist nur zulässig, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Die Woche hat sechs Werktage. Da auch der Samstag ein Werktag ist. Somit sind 48 Stunden pro Woche zulässig, in Ausnahmefällen 60 Stunden pro Woche. Die Ausnahmen sind aber nur möglich, wenn die Arbeitszeit über ein halbes Jahr gemessen die 48-Stunden-Grenze nicht überschreitet. Ausnahmen gibt es, z. B. für leitende Angestellte oder Chefärzte. Praktikanten oder einfache Arbeitnehmer fallen jedoch nicht unter diese Ausnahmeregelungen.
Wie viel Zeit muss zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn liegen?

Nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit muss eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden eingehalten werden. In Krankenhäusern, Pflegeheimen, Gaststätten, Hotels, Verkehrsbetrieben, Rundfunk, Landwirtschaft oder in der Tierhaltung sind kürzere Ruhezeiten möglich. Sie müssen jedoch innerhalb von vier Wochen durch eine entsprechend längere Ruhezeit von mindestens zwölf Stunden ausgeglichen werden.

Was kann der Arbeitnehmer tun, wenn er überlastet wird?

Arbeitnehmer, die überlastet werden, sollten Kontakt zu ihrem Betriebsrat oder ihrer Gewerkschaft suchen. Diese können den Ratsuchenden beraten und auf den Arbeitgeber einwirken, um Belastungen zu verringern und sich an die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zu halten.

Der Arbeitnehmer kann auch versuchen, in seiner Freizeit einen Gegenpol zur Arbeitsbelastung zu schaffen. So sollten Büroangestellte nach Feierabend Bewegung suchen. Wer hart körperlich gearbeitet hat sollte geistige Herausforderungen suchen.

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