2012 - was hat sich geändert?

Alles neu in 2012? Seit dem 1. Januar gelten viele neue Gesetze.
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Alles neu in 2012? Seit dem 1. Januar gelten viele neue Gesetze.

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09.01.2012 - 10:00 Uhr von Redaktionsservice

Vorsorge, neue Fristen beim TÜV, Steuerermässigungen: Das erwartet uns 2012

Altersvorsorge

Sie sind Jahrgang 1964 oder jünger? Jetzt wird das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 angehoben - und Sie sind mit dabei. Wer ab 2012 Rente bezieht, muss 64 % davon versteuern; wer ab Januar riestert oder eine Rürup-Rente abschließt, erlebt seinen Zahltag später – nicht mehr am 60., sondern erst am 62. Geburtstag.

Neue Versicherungsverträge sind von der gesetzlich vorgeschriebenen Anpassung des Garantiezinses – also das, was am Laufzeitende garantiert ausgezahlt wird - von 2,25 % auf 1,75 % betroffen, denn dieser liegt aktuell über 60 % des Zehnjahresdurchschnitts der Umlaufrendite der Bundesanleihen. Durch Zinseszinseffekt und über Jahre ein durchaus spürbares Minus. Und wenngleich fondsgebundene Policen nicht betroffen sind, sorgt die Anhebung des Leistungsbeginn-Mindestalters auch hier für Einbußen.

Die Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung gehen nach oben, der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung sinkt minimal: Um 0,3 Prozentpunkte auf 19,6 %. Neu auch die Familienpflegezeit, leider ohne Rechtsanspruch: Wer einen Angehörigen pflegt, arbeitet zwei Jahre halbtags für drei Viertel des Gehalts, anschließend zwei Jahre Vollzeit zum reduzierten Gehalt. Können Arbeitnehmer die Lohnvorleistung (z. B. wegen Berufsunfähigkeit) nicht zurückzahlen, sollen Versicherungen einspringen.

Steuervorteile

Mal Pendlerpauschale von 30 Cent, mal das Bahnticket von der Steuer absetzen, tageweise und nach Gusto? Das geht nicht mehr: Ab 2012 müssen Sie sich festlegen, bei maximal 4500 Euro Werbungskosten. Familien dagegen profitieren auf breiter Front: Kinderbetreuung kann ohne Prüfung von Anspruchsvoraussetzungen wie Ausbildung oder Erwerbstätigkeit vereinfacht als Sonderausgabe zu zwei Dritteln der Kosten und bis zu 4000 Euro pro Kind geltend gemacht werden. Jedes volljährige Kind unter 25 mit eigenem Einkommen darf ab 2012 Kindergeld und (Kapital-)Einkünfte behalten - vor Abschluss der Erstausbildung wird auf Einkommensprüfungen komplett verzichtet. Für alleinlebende Kinder in Ausbildung packt Vater Staat noch einen Freibetrag von 924 Euro oben drauf.

Dennoch - gestiegene Lebenshaltungskosten und Preiserhöhungen bei medizinischer Versorgung wie durch die neue Zahnersatz-Gebührenordnung oder Tariferhöhungen privater Krankenversicherungen fressen so manchen Steuervorteil auf.

Autofahren

Nicht nur steigende Energiepreise liegen Autofahrern 2012 kräftig auf der Tasche: Mit dem 1. April erlebt der TÜV-Prüfbericht einen Relaunch – in Form eines bundeseinheitlichen Mängeltools, Pflichtprobefahrt zur Hauptuntersuchung eingeschlossen - Extras, die die begehrte Plakette natürlich verteuern. Noch können die meisten gelassen bleiben, denn die Neuregelung betrifft nur Erstzulassungen. Positiv: Erscheint man verspätet zur HU, fallen Rückdatierung und Abzug der versäumten Monate künftig weg, die Plakette gilt volle 24 Monate. Mehr als zwei Monate überzogen? Pech gehabt, dann sind 20 % Gebührenaufschlag für eine Ergänzungsuntersuchung fällig.

Für bis zu zwei Kfz einer Klasse nutzbar: die neuen Wechselkennzeichen, Ökoanreiz des Verkehrsministeriums für den Kauf umweltfreundlicher Zweitfahrzeuge mit ermäßigter Versicherungsprämie. Für Stinker über dem Limit von 120 Gramm, die zuletzt zwei Euro pro Gramm CO2-Überschreitung zahlten, wird es noch teurer - die Freimenge sinkt auf 110 Gramm ab. Dieselfahrzeug (bis 3,5 Tonnen) mit Rußpartikelfilter nachrüsten? Gute Idee: Nehmen Sie 330 Fördereuro mit.

Reisen

Alle Jahre wieder - Bahnfahren wird teurer. Und wer per Auto in den Nachbarstaaten kreist, erlebt ab 2012 die europaweite Übermittlung seiner Halterdaten inklusive flächendeckender Vollstreckung von Bußgeldbescheiden. Fluggäste freuen sich über eine eigene Schlichtungsstelle zur beschleunigten, außergerichtlichen Klärung von Streitereien, während Beförderer im Fährverkehr Betroffene zukünftig besser unterstützen und über Verspätungen informieren müssen.

Gesundheit und Verbraucherschutz

Für 2012 hat sich das Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) hohe Ziele gesetzt: Den gesundheitlichen Schutz der Verbraucher im Sinne ausgewogener und gesunder Ernährung erhöhen, für sichere Lebensmittel und Alltagsgegenstände sorgen, die Landwirtschaft stärken - so stellt Ministerin Ilse Aigner u. a. zusätzliche Mittel für die landwirtschaftliche Sozial- und Unfallversicherung bereit. Was tut sich sonst noch im Gesundheitsbereich?

Ein neues Verbraucher-Informationsgesetz soll Verbraucherrechte klar definieren, etwa, indem sich das BVL ab Dezember 2011 dem 115-Verbund mit einheitlicher Behördenrufnummer anschließt. Außerdem ist das durch die Verbraucherzentralen betriebene Internetportal "Lebensmittelklarheit" gestartet - für mehr Transparenz im Bereich Lebensmittelkennzeichnung.

Wer mit Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) zu kämpfen hat, atmet angesichts der neuen Kennzeichnungspflicht auf. In Italien, Schweden oder den USA schon lange selbstverständlich, blieb in Deutschland bislang unklar, hinter welchen Begriffen sich Gluten als Inhaltsstoffe versteckten. Und waren sie angegeben, dann ohne Mengenangabe oder die Information, ob das Gluten im Herstellungsprozess zerstört wurde. Für Details musste die Datenbank der Deutschen Gesellschaft für Zöliakie (DZG) befragt werden. Auf der anderen Seite kennzeichneten Hersteller Lebensmittel ohne Gluten - wie Mineralwasser oder Obst - als glutenfrei. Eine Irreführung des Verbrauchers, die suggeriert: Glutenfrei ist gesünder.

Diabetiker-Lebensmittel wie Kekse oder Eiscreme sucht man ab dem 1. Januar vergeblich im Regal: Spezielle Vorgaben für diese Lebensmittelgruppe werden gestrichen. Denn nach heutigem Kenntnisstand dürfen auch Diabetiker bis zu 50 Gramm Zucker (nicht pur, sondern in Lebensmitteln) pro Tag genießen, während Produkte mit Zuckeraustauschstoffen weniger Vorteile, als vielmehr einen Großteil mehr Kalorien und Fett als klassische Produkte enthalten. Moderne Diabeteskost ist eine vollwertige Mischkost, wie sie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt.

Süßstoffe mögen Karius und Baktus das Leben schwer machen - wer nach ausgiebigem weihnachtlichem Zuckergenuss in 2012 den Zahnarzt aufsuchen muss, spürt die neue Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) schmerzhaft am eigenen Portemonnaie: Zuletzt 1988 novelliert, nimmt diese nicht nur neue Parodontologie- und Implantologieleistungen auf, sondern lässt auch zahnärztliche Privathonorare um 6 % bzw. 345 Mio. jährlich steigen. Allein 114 Mio. Euro an Zuzahlungen treffen die private Krankenversicherung, 164 Mio. die Privathaushalte.

Weil die Privaten Krankenversicherungen mit Kostensteigerungen von 14 bis 20 % rechnen, gehen die Prämien um bis zu 40 % nach oben. Der Grund sind "geschlossene Tarifgruppen" mit vielen Älteren, für die hohe Arzt- und Behandlungskosten anfallen, ohne dass Altersrückstellungen ausreichen. Die Verbraucherzentralen schlagen Alarm: Zukünftig werden immer mehr Rentner zu Sozialhilfeempfängern. Zum Basistarif wechseln? Hier bleibt man oft auf den nach Privattarif angesetzten Kosten sitzen, doch Privatpatienten sollten sich auf ihren Rechtsanspruch berufen - und in einen günstigeren Tarif unter voller Anrechnung der Altersrückstände wechseln. Sprich, wer einen geschlossenen Tarif hat, kann in einen Neukundentarif mit gleicher Leistung wechseln. Zurück in die Gesetzliche? Über 55 gibt es keinen Weg zurück.

Wo Leistungen über Festzuschuss-Standard benötigt werden, müssen Kassenpatienten zukünftig fast zwei Drittel der Kosten für Zahnersatz, wie z. B. Mehrkosten für eine Vollkrone von 74 Euro, selbst tragen. Laut AOK rechnen Zahnärzte hier über 60 % auf Basis der privaten Gebührenordnung ab. Als Patient sollten Sie also vor jeder Zahnbehandlung von Ihrem Recht auf einen kostenlosen Behandlungsplan Gebrauch machen: Wo Kosten und Leistungen aufgeschlüsselt sind, kann die Versicherung umgehend benennen, welche Kosten Sie selbst schultern müssen.

Verbraucherschutz
Endlich! Auch der Geldverkehr wird schneller: Geldinstitute müssen Online- und Automatenüberweisungen EU-weit innerhalb von 24 Stunden ausführen, vordruckbasierte in zwei Tagen. Schnell handeln muss auch, wer überschuldet ist: Waren Einkommen bis zu einer bestimmten Pfändungsfreigrenze sowie Sozialleistungen und Kindergeld automatisch pfändungssicher, sind sie es ab dem 1. Januar nur noch auf dem P-Konto (Pfändungsschutzkonto) - jedes Geldinstitut ist gesetzlich verpflichtet, ein Girokonto in ein P-Konto umzuwandeln - innerhalb von vier Tagen.

Redaktionelle Beratung: www.pkv-vergleich.de

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