Echter oder falscher Fünfziger?

Echter oder falscher Fünfziger?
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Echter oder falscher Fünfziger?

 © Hemera
01.01.2006 - 23:00 Uhr

Vorsicht Falschgeld - Verbraucher zu vertrauensselig: Mal ehrlich - wer rechnet schon damit, dass falsche Euros den Weg in die eigene Geldbörse finden? Das sind nur die wenigsten. Otto Normalverbraucher überprüft eher das Haltbarkeitsdatum des Magerquarks als die Echtheit eines 50-Euro-Scheins, der übrigens besonders häufig gefälscht wird. Dabei sind die Folgen unter Umständen gravierend, wenn man Falschgeld wieder in den Verkehr bringt!

So unterscheiden Sie Blüten von echten Euro-Scheinen

  1. Ertastbares Relief
    Aufgrund des Stichtiefdrucks fühlen sich die Abbildungen, die Wertzahlen und die Abkürzungen der EZB auf den Euro-Scheinen erhaben an. Eine Fälschung erkennt man am fehlenden oder nur schwach ausgeprägten Relief. Da dieses Erkennungsmerkmal nicht verlässlich ist - alte abgegriffene Euroscheine haben kein Relief mehr - sollten Sie noch acht andere Merkmale beachten.

  2. Durchsichtregister
    Auf die Vorder- und Rückseite der Euro-Scheine werden unregelmäßige Zeichen aufgedruckt. Im Gegenlicht ergänzen sie sich genau zur vollständigen Zahl des Wertes. Bei einer Fälschung passen die Teile nicht zusammen und die Wertzahl ist nicht passgenau aufgedruckt.

  3. Fluoreszierende Druckfarben
    Auf der Vorderseite der Euro-Scheine erscheint die Flagge der europäischen Union grün mit orangefarbenen Sternen. Die Unterschrift des Präsidenten der EZB erscheint grün, die großen Sterne und die kleinen Kreise leuchten orange. Bei Blüten fehlt die Flagge ganz oder zumindest die fluoreszierenden Druckfarben.

  4. Fluoreszierende Fasern
    In das Papier der Scheine sind Fasern eingearbeitet, die unter UV-Licht in den Farben rot, blau und grün floureszieren. Das Papier selbst leuchtet nicht - im Gegensatz zum Falschgeld. Da die Blüten auf normalem Druckpapier gedruckt wurden, leuchten sie unter UV-Licht, denn das herkömmliche Druckpapier enthält Aufheller. Die fluoreszierenden Fasern fehlen.
  5. Wasserzeichen
    Im Gegenlicht erkennt man bei echten Scheinen das Wasserzeichen und den Wert. Beides ist deutlich zu erkennen.
    Gefälschte Wasserzeichen sind aufgedruckt und erscheinen dunkler als der sie umgebende Bereich.
  6. Sicherheitsfaden
    In der Mitte der Banknoten ist ein Sicherheitsfaden eingearbeitet. Betrachtet man sie im Gegenlicht, dann sieht man eine dunkle Linie, die über die gesamte Breite der Banknote verläuft. Beim genauen Hinsehen erkennt man das Wort "EURO" und die Zahl des Wertes.

  7. Hologrammstreifen auf Spezialfolie
    Bei 5-Euro-, 10-Euro und 20-Euro-Scheinen ist ein silbern glänzender Hologrammstreifen auf der rechten Vorderseite angebracht. Kippt man den Schein, dann sieht entweder das Eurosymbol oder die Wertzahl in wechselnden Farben als Hologramm. Das ist vom Betrachtungswinkel abhängig.
    Es gibt auch Blüten mit Hologrammstreifen. Die Blüte erkennt man aber daran, dass sich der Hologrammstreifen beim Kippen nicht ändert. Je nach Fälschung sieht man auch andere Motive als die Wertzahl oder das Eurosymbol.
  8. Hologrammelement auf Spezialfolie
    Bei Banknoten mit höherem Nennwert als 20 Euro sieht man im rechten Teil der Vorderseite anstatt eines Hologrammstreifens ein Hologrammelement. Beim Kippen des Scheines ist entweder die Zahl des Wertes oder das Architekturmotiv auf der Vorderseite als Hologramm zu erkennen. Das hängt vom Betrachtungswinkel ab.
    Falsche Banknoten erkennt man daran, dass sich das Hologrammelement beim Kippen nicht verändert oder andere Motive als as Architekturmotiv oder die Wertzahl zu sehen sind.

  9. Variable Farbe
    Banknoten mit höherem Nennwert als 20 Euro haben auf der Rückseite ihre Wertzahl mit optisch variablem Farbelement. Beim Drehen oder Kippen wechselt die Farbe von Purpurrot zu Olivgrün oder Braun. Verändert sich die Farbe der Wertzahl auf der Rückseite nicht, dann ist das ein sicheres Anzeichen dafür, dass es sich um eine Fälschung handelt.

Am beliebtesten bei Fälschern sind die Zwei-Euro-Stücke. Nach den Angaben der Deutschen Bundesbank sind 95% aller Münzfälschungen Zwei-Euro-Münzen. Im Jahr 2004 stellte sie insgesamt 51.000 falsche Münzen sicher - dreimal so viel wie im Jahr 2003, in dem ganze 16.500 Falschmünzen aus dem Verkehr gezogen wurden. Die Dunkelziffer wird von Sicherheitsexperten noch höher eingeschätzt, da die Deutsche Bundesbank nur noch stichprobenhaft die Echtheit der Euro-Münzen prüft. Ein deutlicher Rückgang für 2006 wird nicht erwartet.

Fälschungen werden immer besser
Es gibt mittlerweile so gute Fälschungen, bei denen man auf den ersten Blick keinen Unterschied zu den echten Münzen erkennt. Sie sehen aus wie ihre Originale: Sie sind rund, zweifarbig, haben die EU-Landkarte inklusive der zwölf Sterne für die Euro-Länder auf der Vorderseite und auf der Rückseite den Bundesadler. Sogar der Rand ist schraffiert. Im Gegensatz zum Original ist bei der Fälschung der eingravierte Schriftzug "Einigkeit und Recht und Freiheit" unscharf. Der goldfarbene Kern ist etwas dunkler als bei den echten Zwei-Euro-Münzen - doch das kann man nur im direkten Vergleich zwischen Original und Fälschung feststellen.

Deshalb leistet beim Echtheitstest ein Magnet gute Dienste. Nach dem "Leitfaden Münzen" der Deutschen Bundesbank gibt es einen einfachen Magnettest, mit dem auch der Laie falsche von echten Münzen unterscheiden kann. Die Ein- und Zwei-Euro-Münzen haben einen leicht magnetischen Kern. Ihr äußerer Münzring hingegen ist nicht magnetisch. Fälschungen sind entweder nicht magnetisch oder sehr stark magnetisch. Wird der äußere Münzring von einem Magneten angezogen, dann ist das ein sicheres Indiz für eine falsche Münze.

Der hohe Sicherheitsstandard der Euro-Münzen wird durch professionelle Fälscher geknackt. Die Materialien und Methoden sind so gut, "dass selbst Fachleute Schwierigkeiten haben, zwischen echt und falsch zu unterscheiden", so Claus Alpers, stellvertretender Präsident der Deutschen Bundesbank, Hauptverwaltung Hamburg. Nach der Erfahrung von Harald Olschok, Geschäftsführer der Bundesvereinigung deutscher Geld- und Wertdienste lässt sich Falschgeld nur durch aufwändige Geldprüfmaschinen erkennen. Das ist bei den Zählmaschinen im Kassenbereich der Banken nicht immer gewährleistet.

Tatort Osteuropa - fast perfekte Fälschungen
Mit ihren Fälscher-Werkstätten in osteuropäischen Ländern sind die organisierten Blütenfabrikanten mittlerweile in der Lage, fast alle acht wesentlichen Sicherheitsmerkmale täuschend echt zu fälschen.

Sogar das Hologramm wirkt inzwischen so echt, dass sogar Spezialisten sehr genau hinsehen müssen, um den Unterschied zu erkennen. Den Kippeffekt beherrschen die Fälscher noch nicht. Er ist zurzeit das sicherste Echtheitsmerkmal. Nur bei echten Euroscheinen wechselt die Wertzahl von Purpurrot zu Braun und von Braun zu Olivgrün. Bei Fälschungen ändert sich die Farbe der Wertzahl beim Kippen nicht. Der Kipptest funktioniert bei Scheinen ab 50 Euro.

"Das kann überhaupt nicht passieren". Mehr fiel dem Filialleiter der Hausbank von Ute Naumann nicht ein, als diese am Wochenende einen falschen Fünfziger aus dem Geldautomaten zog und ihm am Montag aufgeregt davon erzählte. Sie hatte Recht - der Fünfzig-Euro-Schein, der heller als die echten Fünfzig-Euro-Scheine aussah, war ein falscher Fuffziger. Pech für sie, dass Falschgeld nicht ersetzt wird. Ihr Geld ist weg.

Läuft alles so, wie es laufen müsste, dann dürften keine Blüten in die Geldautomaten der Banken geraten. Normalerweise funktioniert die Bestückung der Geldautomaten so: Die Werttransporter holen im Auftrag der Banken Geld bei der Deutschen Bundesbank ab. Bei ihr kann man in der Regel sicher sein, dass alle Banknoten echt sind, denn sie prüft sie auch anhand von Sicherheitsmerkmalen, die der Öffentlichkeit unbekannt sind. Dadurch erkennt sie sogar die qualitativ hochwertigen Blüten aus Osteuropa. Theoretisch. In der Praxis sieht das anders aus.

Banken sparen zu Lasten ihrer Kunden
Weil die Banken der Meinung sind, dass sie sparen müssen, lassen sie ihre Geldautomaten auch mal mit ungeprüften Banknoten füttern. Nach den Erkenntnissen von Fritz Griesbauer (Bayerisches LKA München) befüllen sie ihre Geldausgabeautomaten mit Bargeld aus dem eigenen Bestand. Da die Zählautomaten manche Blüte als echt durchgehen lassen, bleiben sie natürlich unerkannt und gelangen so in den Geldautomaten und damit in die Tasche so manches arglosen Bankkunden. Der Kunde hat dann ein Problem: Wenn er merkt, dass er eine Blüte im Portmonnee hat, darf er mit diesem Geld nichts mehr kaufen. Stattdessen muss er sie zur nächsten Polizeistation oder zu einer Bankfiliale bringen, welche die Fälschung dann einziehen und an die Bundesbank weiter leiten. Versucht der Kunde dennoch etwas damit zu kaufen, macht er sich strafbar - es sei denn, er kann glaubhaft machen, dass er die Fälschung nicht als solche erkannt hat. Das dürfte bei den heutigen Fälschungen mit modernster Technik durchaus möglich sein, hängt im Zweifel allerdings vom Urteil des Richters ab.

Eine weitere Falschgeldquelle sind Werttransportunternehmen, die selbst Geldbestände - beispielsweise die Kassenbestände des Einzelhandels einlagern. Da von den Transportunternehmen nicht alle Sicherheitsmerkmale gecheckt werden können, geraten qualitativ hochwertige Blüten in die Geldausgabeautomaten der Banken. Harald Olschok von der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste e.V. sagt in einem Falschgeldbeitrag der Sendung plusminus über die Praxis der Banken: "Sie sparen sich die Kosten durch die Tour (...) Es ist kein Riesenbetrag, aber Sie wissen ja auch, unter welchem Konkurrenzdruck viele Institute heute stehen, sodass zum Teil versucht wird, diese Kosten, die sicher nicht so hoch sind, zu sparen".

Um die Blütenmafia zu stellen, arbeitet das Bundeskriminalamt (BKA) europaweit mit Europol zusammen. Nach ihren Ermittlungen kommen die "meisten Fälschungen aus Osteuropa - insbesondere Litauen, Polen und Bulgarien", so ein BKA-Sprecher im Interview mit dem Hamburger Abendblatt. Der Euro wird deswegen so gerne gefälscht, weil er wegen seines großen Verbreitungsgebiets für Kriminelle attraktiv ist. 450 Millionen Menschen in der EU und den Ländern Mittel- und Osteuropas verwenden den Euro als offizielles oder inoffizielles Zahlungsmittel.

Tab 1: Die Lieblingsscheine der Fälscher
Euro-Scheine Fälschungen im
1. Halbjahr 2005,
Anteil in %
50-Euro-Schein 67
100-Euro-Schein 14
200-Euro-Schein 7,5
20-Euro-Schein 4,9
10-Euro-Schein 3,9
500-Euro-Schein 1,7
5-Euro-Schein 1

Bulgarien - Zentrum der Blütenmafia

Der falsche "Supereuro" kam aus einer Privatwohnung in Varna am Schwarzen Meer, in der die Täter eine professionelle Fälscherwerkstatt eingerichtet hatten. Hier wurde die Großproduktion gestartet.
Da für Boiko Borissov, Generalsekretär im bulgarischen Innenministerium die Bekämpfung der Falschgeldkriminalität Chefsache ist, ordnete er zahlreiche Durchsuchungen an - auch in Zusammenarbeit mit deutschen Behörden. Eine große Fälscherwerkstatt in Varna am Schwarzen Meer konnte bereits stillgelegt werden. Die Druckmaschine lief noch, als das Einsatzkommando in die Werkstatt eindrang. Druckbögen mit täuschend echten 200-Euro-Scheinen lagen offen herum.

Gesetzeslücke in Bulgarien geschlossen
Die Fälscher von Varna gingen jedoch straffrei aus. Das lag an einer Gesetzeslücke in Bulgarien. Die Fälscher behaupten einfach bei der Polizei, dass sie sich eine Euro-Wandtapete basteln wollten und die Euro-Kunstwerke für den Eigenbedarf seien. Das war in Bulgarien ein ausreichender Grund, um nicht verurteilt zu werden.

Diese Gesetzeslücke wurde im Jahr 2004 durch die Verabschiedung eines neuen Gesetzes zur Bekämpfung der Falschgeldkriminalität durch das bulgarische Parlament geschlossen. Danach ist es verboten, Falschgeld, Farben oder Druckerplatten herzustellen. Die Ausrede mit der Euro-Tapete hat dann ausgedient. Der Täter muss zur Strafe gesiebte Luft atmen und alles, was er zum Fälschen brauchte, wird konfisziert.

Im Spektrum von einem Jahr bis zu 15 Jahren gesiebte Luft atmen muss auch derjenige, der sich auf dem türkischen Schwarzmarkt tütenweise mit falschen Euro-Münzen eindeckt und sie in den Geldkreislauf bringt. In der Türkei kann nämlich auch mit Euros bezahlt werden und aus diesem Grund ist die Türkei für Fälscher attraktiv. Dort wurden bereits erhebliche Mengen an Zwei-Euro-Stücken illegal geprägt.

Gegen die Strafen im 15. Jahrhundert sind diese Strafen human - Falschmünzern blühte zu dieser Zeit die Hinrichtung in siedendem Wasser.

Der Bayrische Rundfunk ist für die Sendung Plusminus Hinweisen aus EU-Sicherheitskreisen nachgegangen, dass in der Türkei sehr viele falsche Zwei-Euro-Münzen hergestellt worden seien. Das Team der Wirtschaftsredaktion reiste nach Istanbul, um der Sache auf den Grund zu gehen. Auf dem großen Bazar von Istanbul erfuhren die Redakteure, dass der Euro nach der türkischen Lira das am stärksten verbreitete Zahlungsmittel ist. Die Verbreitung der falschen Euros ist deswegen so einfach, weil den Einheimischen weder bei den Scheinen noch bei den Münzen die Sicherheitsmerkmale bekannt sind. Erschwerend kommt hinzu, dass die türkischen Behörden nur die Landeswährung kontrollieren und sich an der Überprüfung des Euros gar nicht erst abarbeiten. Auf dem Devisenmarkt werden mehr Euro als Dollar gegen die türkische Lira gehandelt. Die Angst vor Falschgeld geht um - zu Recht: Die Europäische Zentralbank ist in der Türkei nicht für die Qualität des Eurobargeldes zuständig.

Das Falschgeld fällt höchstens den Mitarbeitern in den Wechselstuben oder den Bankangestellten auf, wenn die Qualität des Falschgeldes so schlecht ist, dass es anhand der sichtbaren Merkmale erkannt werden kann. Gute Fälschungen werden deswegen für echte Euros gehalten. Offiziell dürfen in der Türkei nur Euro-Scheine gehandelt werden. Der Handel mit Euro-Münzen ist verboten. Deswegen gibt es sie nur auf dem Schwarzmarkt.

Hüseyin Coktin von der Wechselstube Bülent Döviz berichtete dem Team des Bayerischen Rundfunks: "In der Türkei gibt es viele Euroblüten, sogar sehr viele. Sie stellen ein großes Problem dar. Scheine und Münzen, beides, aber mehr Münzen. Wie hoch da die Herstellungskosten sind, weiß ich aber nicht".

Istanbuler Polizei erfolgreich
Der Istanbuler Polizei gelang es immer wieder Falschgeldstätten auszuheben. Die Täter erwartet eine hohe Gefängnisstrafe. Die Strafen scheinen nicht abzuschrecken, denn das Know-how zum Fälschen der Ein- und Zwei-Euro-Stücke haben auch andere außer den organisierten Fälscherbanden. Das Geschäft mit den falschen Münzen läuft gut. Vor allem Touristen werden auf dem Basar angesprochen und gefragt, ob sie Geld wechseln wollen, natürlich zu besonders günstigen Konditionen. Ein Urlauber gegenüber plusminus: "Ich wurde auf der Straße angesprochen, ob ich zu einem guten Kurs 100 Stück Zwei-Euro-Münzen kaufen wollte. Ich könnte 50 Euro sparen."

Im Türkeiurlaub kann man sich leicht falsche Euro-Münzen einhandeln und sie sogar ungewollt vom Urlaub wieder nach Hause bringen. Man braucht sich nur von jemandem mit krimineller Energie Geld wechseln lassen, der ein Schwarzmarktschnäppchen gemacht hat. Da die Qualität der Ein- und Zwei-Euro-Fälschungen so gut ist, kann Otto Normalverbraucher nicht falsche von den echten Münzen unterscheiden und nicht jeder nimmt einen Magneten mit in die Türkei, um den Echtheitstest zu machen.

Laut einem Test von Plusminus in der Fußgängerzone konnten die meisten Bürger die Fälschungen nicht erkennen, als sie eine falsche und eine echte Münze vorgelegt bekamen. Bekämen sie falsches Wechselgeld an der Kasse, würden sie ahnungslos wieder damit einkaufen.

Wenn falsche Euros schon innerhalb der Eurozone nicht von den echten unterschieden werden können - wie ist die Lage außerhalb von Euro-Land? Dieser Frage ging der WDR abermals für die Sendung Plusminus nach.

Im Kosovo zum Beispiel ist der Euro offizielles Zahlungsmittel. Die UN-Soldaten bestätigen gegenüber den WDR-Redakteuren, dass "jede Menge Falschgeld" im Umlauf sei. Alle interviewten Händler auf dem Markt haben schon Blüten in der Hand gehabt. Allerdings erkennen sie nur die schlechten Fälschungen. Die Banken sprechen offener über das Thema Falschgeld als in Deutschland. Dukagjin Shylemaja von der ProCredit Bank gibt gegenüber dem WDR-Team zu: "Um ehrlich zu sein, die 50er und die 200er sind sehr gut. Es ist wirklich wie echt. Ich selbst habe zum Beispiel einige nicht erkannt".

Das Falschgeldproblem ist im Kosovo so gravierend, weil es dort - wie in der Türkei - keine Institution gibt, die die umlaufende Bargeldmenge prüft. Obwohl der Euro im Kosovo offizielles Zahlungsmittel ist, gehört es nur zu den Aufgaben der Europäischen Zentralbank, innerhalb der Eurozone die Euros auf Echtheit zu überprüfen und das Falschgeld aus dem Geldkreislauf zu nehmen. Für den Kosovo ist sie nicht zuständig.

Versteckte Sicherheitsmerkmale unbekannt
Weder die Bevölkerung noch die Bankangestellten kennen die versteckten Sicherheitsmerkmale der Euro-Banknoten, die 100%ige Sicherheit über deren Echtheit geben. Aus diesem Grund laufen dort und auch in Montenegro immense Mengen an Falschgeld um. Das hat auch Auswirkungen auf das Falschgeldvorkommen in Deutschland - die Anzahl entdeckter Blüten steigt seit der Einführung des Euros stetig an.

Das kann auch dem Verbraucher nicht egal sein, denn er bekommt den Schaden nicht ersetzt, der ihm durch das Falschgeld entsteht. Kommen ihm Scheine etwas komisch vor, bleibt ihm nur die Möglichkeit, zur Polizei zu gehen und sie dort abzugeben. Tut er das nicht und bezahlt wissentlich mit dem Falschgeld, dann macht er sich ebenso strafbar wie die Fälscher.
Für ihn bleibt zu hoffen, dass der Handel und die Banken zuverlässigere modernere Prüfgeräte einsetzen, um auch die "Superblüten" zu erkennen.

Tatort Italien
Auch in Italien sind die Fälscher fleißig - ebenso wie die Polizei. Bei einer Razzia in einer neapolitanischen Falschmünzerei beschlagnahmte die Guardia di Finanza den Prägekopf eines 50-Cent-Stücks mit italienischer Rückseite sowie die Ausrüstung zum Herstellen von Ein- und Zwei-Euro-Münzen. Die Metalle besorgten sich die Täter problemlos auf dem Weltmarkt.

Die Firma Group-four-Securicor ist ein privates Geldbearbeitungsunternehmen. Die Auftragslage ist gut, weil die Bundesbank Münzen nur noch stichprobenartig überprüft. Viele Einzelhändler wollen sich darauf nicht verlassen. Deshalb bringen Geldboten bringen säckeweise deren Euro-Münzen zu Group-four-Securicor. Dass das Misstrauen der Einzelhändler berechtigt ist, zeigt sich daran, dass immer häufiger falsche Euro-Münzen bei den Geldbearbeitern landen.

Die modernen Zählmaschinen der privaten Geldbearbeitungsunternehmen erkennen das Falschgeld und werfen es aus. Florian Kastl von der Sicherheitsfirma G4S Geld- und Wertdienste GmbH erklärt gegenüber Plusminus: "Es ist schwierig im täglichen Umgang mit Geld, vor allem im Einzelhandel, ist eine Kontrolle von Münzgeld, schlichtweg einfach nicht möglich. Die tatsächlichen Fälschungen werden dann später hier bei uns durch die Maschinen erkannt, die verschiedene Komponenten des Münzgeldes prüfen, und dann eben die Fälschungen ausspucken."

Fälschungssichere Euros dank Marburger Forschungsdrang - Bakterienfarbstoff soll es bringen
Der Euro sollte absolut fälschungssicher sein - so wurde es den EU-Bürgern versprochen - doch seit seiner Einführung im Januar 2002 ist die Anzahl der Blüten stetig angestiegen. Das rief die Wissenschaftler der Universität Marburg auf den Plan. Sie haben einen Bakterienfarbstoff isoliert und daraus eine fälschungssichere Farbe entwickelt, die Fälscher nicht nachmachen können.

Das Wunderbakterium heißt "Halobacterium salinarium". Die Macher der Sendung "Abenteuer Erde" wollten es für einen Beitrag ganz genau wissen. Die Wissenschaftsredakteure vom Hessischen Rundfunk besuchen das Labor, um den neuen Farbstoff in der Praxis zu testen. Der Marburger Fünfzig-Euro-Schein wird mithilfe eines High-Tech-Scanners gescannt, aber das Lila kann man nicht vervielfältigen. Der Schein kommt blassgelb aus dem Drucker.

Prof. Norbert Hampp ist zufrieden mit sich: "Die Farbe reagiert auf das Scannerlicht mit einem sofortigen Farbumschlag von lila auf gelb". Mit Scanner, Drucker und Kopíerer können Fälscher keine Blüten mehr produzieren.

Das "Halobacterium salinarium", lebt in Salzseen. Um in dieser lebensfeindlichen Umgebung überleben zu können, hat es sich ihr angepasst - es produziert ein Enzym, mit dem es direkt aus dem Sonnenlicht Energie erzeugen kann. Dabei wechselt es die Farbe von Lila zu Hellgelb. Diese Fähigkeit, die ihm weiterhilft, wenn es im Salzsee nicht mehr genügend Nahrung findet, erfreut die Marburger Wissenschaftler und lässt Falschgeldproduzenten graue Haare wachsen.

Gentechnisches Verfahren für den Biofarbstoff
In der Natur kann man den Farbumschlag von lila auf gelb mit bloßem Auge nicht erkennen. Die Forscher wendeten ein gentechnisches Verfahren an, um den Farbstoff zu gewinnen und den Zeitlauf für den Farbwechsel zu verlängern. Er wird zu einer druckfähigen Farbe weiterverarbeitet, mit der man außer Banknoten alle Dokumente herstellen kann, die fälschungssicher sein müssen. Den Marburger Euroschein kann man sogar mitwaschen, was recht praktisch für so manchen Junggesellen ist, der vor dem Gang in den Waschsalon vergisst, seine Hosentaschen zu leeren.

Prof. Hampp hat mit seinem Team seit zwei Jahren eine Testreihe durchgeführt. 200 Versuchspersonen bekamen die mit dem Bakterienfarbstoff hergestellten Ausweise. Der Test lief hervorragend: Es gab nur einen einen Ausfall. Ein Ausweis geriet in eine Heißmangel und verlor dadurch seine Funktion.

Mit dem Bakterienfarbstoff ist es sogar möglich, Speichermedien herzustellen. So ähnlich wie bei einer CD lassen sich per Laser digitale Daten direkt auf die Ausweise schreiben. Mehrere MB Speicherplatz pro Quadratzentimeter sind auf diese Weise ohne zusätzliche Speichermedien nutzbar. Auf dem Material kann zusätzlich ein so genannter molekularer Fingerabdruck angebracht werden. Dadurch kann man die Herkunft von Geldscheinen zweifelsfrei bestimmen.

Mittlerweile entwickelten die Forscher ein großes Farbspektrum, sodass man unterschiedlich farbige Designs für Geldnoten, Ausweise oder Führerscheine herstellen kann.

Die Examensurkunden an der Philipps-Universität in Marburg sind neuerdings absolut fälschungssicher. Das ist auch kein Wunder, sie werden jetzt mit der Bakterienfarbe hergestellt.

Trotz der verunsichernden Meldungen brauchen sich Verbraucher in Deutschland keine Sorgen zu machen. Nach Auskunft des Bundesbankexperten Hans Peter Weser kommen auf eine Million echte Banknoten knapp 20 falsche Euro-Scheine. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf (FDP) gegenüber dem SPIEGEL: "Erst wenn einem jährlich 50.000 Banknoten durchs Portemonnaie wandern, ist vermutlich eine falsche dabei."

In Deutschland ist die Blütengefahr an Tankstellen und auf Gebrauchtwagen-Märkten am größten. Es passiert beim Wechseln. Gerade beim Kauf eines Gebrauchtwagens wechseln viele große Scheine den Besitzer. In der Hektik des Alltags nehmen sich weder Kunde noch Händler die Zeit, sich das Geld genauer anzuschauen.

Die Deutsche Bundesbank reagierte auf das steigende Aufkommen von Falschgeld und beschloss ein Präventionskonzept. Nach diesem Konzept werden Kassenkräfte im Einzelhandel von Geld-Experten im Erkennen von Falschgeld trainiert.

Die Europäische Zentralbank sieht die Sache lockerer - erst im Jahr 2010 will sie den Euro mit neuen Sicherheitsmerkmalen aufrüsten.

Quellen:

www.daserste.de/plusminus/

www.sueddeutsche.de

www.spiegel.de/wirtschaft/

www.hr-online.de

www.br-online.de/kultur-szene/quer/

www.abendblatt.de

www.bundesbank.de

Quelle: freenet.de
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