Frauen und Finanzen

Frauen und Finanzen
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Frauen und Finanzen

 © Getty Images

Frauen sind anders als Männer. Das hat auch die Finanzwirtschaft entdeckt und bietet immer mehr Produkte und Dienstleistungen an, die sich speziell an Frauen richten.

"Das Vermögen der Frau wird durch die Eheschließung der Verwaltung des Mannes unterworfen". So stand es bis 1953 im Bürgerlichen Gesetzbuch. Und noch heute scheinen viele Frauen diesem Gesetz zu gehorchen. Denn für einen Großteil von ihnen sind Geldfragen ein Buch mit sieben Siegeln. Doch es gibt auch eine wachsende Minderheit von "geldaktiven" Frauen.

Geldfragen uninteressant
Das Thema Geld ist für die Mehrzahl der Frauen wenig attraktiv. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung GfK im Auftrag des deutschen Fondsverbands BVI hervor. Jede zweite Frau stimmt danach der Aussage "Mit dem Thema Geldanlagen setze ich mich grundsätzlich sehr ungern auseinander" zu. Bei Männern sind es nur 35 Prozent. Ebenfalls mehr als die Hälfte der deutschen Frauen ist davon überzeugt, dass es derzeit keine Finanzanlage gibt, in die man mit gutem Gefühl für die nächsten zehn Jahre sein Geld anlegen könnte.

Flexibilität und Sicherheit
Bei Frauen spielt nach Meinung des BVI Flexibilität und Sicherheit einer Geldanlage eine größere Rolle als bei Männern. Denn durch Auszeiten für Kindererziehung oder für die Pflege von älteren Familienmitgliedern drohen akute finanzielle Engpässe. Der BVI rät deshalb zum Beispiel die Investition in Rentenfonds oder Offene Immobilienfonds. Denn diese Fondsarten böten hohe Sicherheit und Flexibilität. Gleichzeitig sind die Renditen nicht schlecht: Rentenfonds lagen in den vergangenen Jahren bei sechs Prozent, Offene Immobilienfonds bei rund 4,5 Prozent pro Jahr.

Flexibilität und Sicherheit
Dabei sind Frauen nicht unbedingt ungeschickt, wenn es um Geldanlagen geht. Die Universität von Kalifornien verglich 35.000 Depots und errechnete, dass Frauen im Schnitt 1,4 Prozent mehr Rendite erzielten. Eine Studie der DAB-Bank kam sogar auf fünf Prozent mehr Rendite bei weiblichen Anlegern.

Psychologie des Geldes
Auch die Commerzbank kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Frauen und Finanzen ein zu differenzierendes Thema ist. Das Fazit: Drei Viertel der Frauen beschäftigen sich nicht gerne mit ihren privaten Finanzen. Die Commerzbank-Untersuchung war eine Detailanalyse mit dem Titel "Das Finanzverhalten der Frauen" innerhalb der repräsentativen Studie "Die Psychologie des Geldes." Durchgeführt wurde diese vom Marktforschungsinstitut Sinus Sociovision. Deren Geschäftsführer Wolfgang Plöger erklärt: "Viele Frauen verdrängen ihre persönlichen Geldangelegenheiten regelrecht. Im Vergleich zu Männern zeigen sie weniger Autonomie und Eigenverantwortung. Dass sich Männer und Frauen unterschiedlich verhalten, hat allerdings keine biologischen Ursachen. Erklärungsansätze dafür gibt der Blick in die unterschiedlichen Lebenswelten von Frauen. So beweisen zum Beispiel Frauen mit höherer Bildung beziehungsweise gehobener Position im Beruf, dass geldaktives Handeln keine Domäne von Männern sein muss."

Vier Frauentypen
Die Commerzbank-Analyse hat auf Basis unterschiedlicher Lebenswelten von Frauen vier Einstellungsmuster ermittelt: Die Selbstbewusste (27 Prozent), die Traditionelle (31 Prozent), die Konventionelle (28 Prozent) und die Erlebnisorientierte (14 Prozent). Danach hat jede weibliche Lebenswelt hat ihre typischen Einstellungsmuster, wenn es ums Geld geht. Während die Selbstbewusste eine geldaktive Einstellung hat und sich erfolgreich um ihre Finanzen kümmert, zeigen die anderen Lebenswelten problematische Verhaltensweisen: Die Traditionelle fühlt sich durch die scheinbare Komplexität von Finanzthemen überfordert und neigt unter anderem deshalb zur Passivität. Desinteresse an Finanzthemen ist auch typisch für die Konventionelle. Bei ihr ist der Wunsch nach staatlicher Förderung besonders ausgeprägt. Die Erlebnisorientierte betrachtet Geld hauptsächlich als Mittel, um Konsumwünsche zu befriedigen. Der Gedanke an die finanzielle Zukunft wird dagegen gerne verdrängt.

Über Geld reden
"Auch wenn das Gesamtergebnis für Frauen alles andere als erfreulich ist, so gibt es dennoch Grund für Optimismus. Die selbstbewusste Frau mit ihrer positiven Einstellung zu Geldthemen zeigt, dass Frauen ihre Finanzen durchaus erfolgreich in den Griff bekommen", kommentiert Dr. Christine Bortenlänger, Vorstand der Bayerischen Börse AG, München und rät: "Meine Empfehlung, nicht nur Frauen, lautet daher: Wir müssen mehr über Geld sprechen und aktiver damit umgehen".

Erhebliche Wissenslücken
Erhebliche Wissenslücken zum Thema Finanzen hatte die Commerzbank zuvor in einer von NFO Infratest durchgeführten Studie aufgedeckt. Danach schnitten Frauen beim Test im Durchschnitt fast durchweg schlechter ab als Männer: Nur 48 Prozent von ihnen konnten mindestens die Hälfte der vorgelegten Fragen zum Thema Geld richtig beantworten. Männern gelang dies immerhin zu 68 Prozent. Hier besteht also noch Informationsbedarf. "Finanzwissen ist doch keine Geheimwissenschaft. Frauen müssen ihre Finanzen stärker selbst in die Hand nehmen. Dann verbessert sich auch ihr Finanzwissen", sagt Dominique Döttling, mittelständische Unternehmerin und Vizepräsidentin des Weltverbandes der Wirtschaftsjunioren.

Finanzenberater für Frauen
Auch Finanzberater(innen) stellen sich auf das unterschiedliche Verhalten von unterschiedlichen Frauen ein. "Berater sollten nicht nur Finanzkompetenz, sondern auch ein Gespür für die individuelle Situation entwickeln. Dies gilt besonders für Frauen, die stärker als Männer dazu neigen, psychologische Barrieren beim Umgang mit den persönlichen Finanzen aufzubauen", sagt Monika Arens von der Commerzbank.

Nur für Frauen
Langsam stellt sich auch die Versicherungsbranche darauf ein, dass bei Frauen ein anderer Beratungsbedarf besteht als bei Männer. Reine "Frauenprodukte" indes haben sich bisher als Flop erwiesen. Sowohl der Fond "Women's World", der in Boss, Dior und Escada investiert als auch besondere Altersvorsorge-Produkte für Frauen finden keinen Markt.

Besonders problematisch: die Altersvorsorge
Eine private Altersvorsorge tut indes not. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Da die Gehälter von Frauen, trotz aller Gleichstellungsbemühungen, zum Teil immer noch geringer sind als die ihrer männlichen Kollegen, erhalten Frauen auch durchschnittlich eine geringere Rente. Häufig sind auch die Einzahlungszeiten kürzer, da die Familienphasen traditionell bei ihnen länger sind. Hinzu kommt, dass Frauen nach der Statistik vier Jahre älter als Männer werden. Ihre Rentenzeit ist also länger. Versicherer sprechen von einem "Langlebensrisiko". Frauen verlassen sich trotz dieser Versorgungslücke sehr häufig auf Staat, gesetzliche Rente und den Partner. Hier bietet sich also eine private Altersvorsorge an. Verheiratete Frauen erhalten noch eine Witwenrente. Unverheiratete in eheähnlicher Gemeinschaften lebende Frauen hingegen nicht. Doch obwohl die meisten Frauen sich dieser Lücke bewusst sind, sorgt nur jeder dritte zusätzlich fürs Alter vor. Beunruhigend ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach im Auftrag der Postbank: Frauen in Deutschland legen monatlich rund 80 Euro weniger für ihre private Altersvorsorge zurück als Männer. "Ein Grund hierfür scheint zu sein, dass fast jede zweite Frau nicht einzuschätzen vermag, wie viel Geld sie zur Sicherung des bisherigen Lebensstandards im Alter aufwenden sollte", sagt die in Köln ansässige Finanz-Fachberaterin und Finanzcoach Carola Feldmann.

Ein weiblicher Blick auf die Wirtschaft
Dass sich hier ein lukrativer Markt für Finanzdienstleister erschließt, ist schon länger bekannt. So bietet der seit 20 Jahren bestehende Kölner Frauenfinanzdienst spezielle Beratung für Frauen an. Die Gründerin und Inhaberin Heide Härtel-Herrmann wurde jüngst mit dem "Innovationspreis für Finanzwirtschaft" ausgezeichnet. Auch ein Verbund von Finanzfachfrauen hat sich mittlerweile gegründet. Ziel dieses Zusammenschluss von Finanzdienstleisterinnen ist es, sich in einer immer noch von Männern dominierten Finanzwelt Gehör zu verschaffen und einen weiblichen Blick auf die Wirtschaft zu öffnen.

Quelle: freenet.de
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