Geld sicher anlegen: Welche Alternativen gibt es?

Neben Gold gibt es zahlreiche weitere Sachwerte, die als sichere Geldanlage gelten.
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Neben Gold gibt es zahlreiche weitere Sachwerte, die als sichere Geldanlage gelten.

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Angesichts der europäischen Schuldenkrise weichen Risiken einer neuen Lust auf Substanz und Stabilität: Wo das Vertrauen in Euro, Banken und Politik täglich schwindet, wünschen sich Investoren nachhaltige Wertsteigerung. Noch schnell Gold oder eine Immobilie kaufen? Oder besser alles auf den Kopf hauen, bevor die Inflation mein Geld auffrisst? Panik ist kein guter Ratgeber, und das einzig Verlässliche am klassischen Sparbuch ist, dass es mit Sicherheit arm macht. Welche Sachwerte sind eine Alternative, um Geld sicher anzulegen?

Immobilien – Sachwerte für die Ewigkeit

Richtig ist: Aus der Krise nach dem Ersten Weltkrieg gingen nur Gold und Immobilien ohne nennenswerte Kratzer hervor. Doch garantieren Immobilien auch jetzt Inflationsschutz? Wer hier investiert, kalkuliert mit einem langen Anlagehorizont. Mieten gehen mit der Inflation nach oben – vorausgesetzt, die Nachfrage stimmt, Ihre Immobilie punktet durch attraktive Lage und profitiert von günstigen Krediten. Lukrative Mieten in attraktiver Wohnlage bedeuten dauerhafte Wertsteigerung. Schmales Portemonnaie? Wer vor der Krise kaum fündig wurde, hat es jetzt noch schwerer.

Vielleicht sind offene Immobilienfonds Ihre Alternative? Checken Sie Fonds: Wo wurde investiert und in wie viele Objekte? Wie ist es um Vermietungszeitraum und Zahl der vermieteten Einheiten bestellt? Bei Unsicherheit ist unabhängige Unterstützung, am besten durch mehrere Berater, essentiell: Landen Sie in einem unseriösen Fonds, wird er dichtgemacht, ohne dass Sie an Ihr Geld kommen. Denn Phantasierenditen von 10 % gehören ins Land der Träume; gute 5 % sind, gute Lage vorausgesetzt, realistischer.

Daneben treiben Krisenzeiten so manchen zu kreativen Fragestellungen: Warum nicht möglichst hoch verschulden, da mit wachsender Inflation ja auch meine Schulden entwertet werden? Ja - bei fünfprozentiger Inflation sinkt die Werthaltigkeit eines Kredits schon mal unter Darlehenshöhe. Fakt bleibt allerdings: Auch Schulden wollen einkommensmäßig gestemmt werden - einschließlich Mietausfall oder Leerstand.

Großanleger engagieren sich per Direktbeteiligung oder Kauf von Luxusimmobilien. Außergewöhnliche Objekte mit Preisen im oberen siebenstelligen Bereich werden stabil nachgefragt. Neben der denkmalgeschützten oder nagelneuen Luxusvilla in Toplage liegen Sonderimmobilien wie Schlösser, Burgen und Herrenhäuser sowie Eigentumswohnungen in Metropolen wie New York, Paris oder Moskau im Trend. Im Segment derart gesuchter Objekte wird die Luft extrem dünn, aber Interessenten dieser Preisklasse kümmern sich um aktuelle Konjunkturzyklen im Allgemeinen eher wenig.

Goldblase? Nicht in Sicht

Während Papiergeld im Rahmen ungelöster Schuldenkrisen die Schwindsucht befällt, ist Gold so teuer wie nie - und preist die Inflation mit ein. Nicht ohne Grund kaufen die Zentralbanken derzeit vermehrt Gold zur Optimierung der Mischung ihrer Währungsreserven - allein im dritten Quartal diesen Jahres 148,4 Tonnen.

Als inflationsbereinigtes Allzeithoch prognostizieren Experten 2300 Dollar die Feinunze. Trotz temporärer Schwankungen zeigt sich Gold weniger volatil als andere Rohstoffe. Doch die Endphase des momentanen Aufwärtstrends scheint erreicht.

Lohnt sich der Einstieg angesichts schwindelnder Preishöhen überhaupt noch? Durchaus. Laut einer Studie des World Gold Councils bringt ein Depot mit einem Goldanteil zwischen 3,3 und 7,5 % langfristig mehr Rendite als eines ohne. Vor allem in schlechten Börsenzeiten empfehlen Finanzexperten vom Analysten bis zum Fondsmanager, Geld über einen Goldanteil von 5 bis 15 % als Teil des Anlagemixes abzusichern. Und: Gold ist weltweit akzeptiertes Zahlungsmittel.

Was macht Gold so wertvoll? Seine Seltenheit ist es nicht, vielmehr die existierende Goldmenge, die sich mit 1,5 % pro Jahr im Vergleich zur globalen Geldmenge nur minimal vergrößert. Daneben ist Gold nicht nur teilbar, unzerstörbar und unbegrenzt haltbar, sondern auch günstig in Transport und Lagerung.

Wie kaufen Sie? Entweder in Form goldunterlegter Rohstoffzertifikate, die den Goldpreis unmittelbar reflektieren - so genannte ETCs (Exchange Traded Commodities) - eine Option, schnell und unkompliziert ein- und wieder auszusteigen. Wermutstropfen: Ein Teil der Verkaufserlöse fließt als Abgeltungssteuer an das Finanzamt. Entscheiden Sie sich für ein aus kleineren, mittleren und größeren Produzenten gemischtes Portfolio. Sehen Sie genau hin: Das Zertifikat eines Unternehmens ist nur so gut wie sein Management. Niedrige Förderkosten sind nur ein Beispiel.

Wer sich persönlich am Goldglanz weiden möchte, lässt sich sein physisches Gold (das Kilo gegen gut 200 Euro Gebühr) ausliefern oder kauft direkt beim Edelmetallhändler. Je geringer das Gewicht, desto höher das Agio von bis zu 7 % auf den Goldpreis. Dafür ist dieses Direktinvestment nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist abgeltungssteuerfrei, auch in verschärfter Krise eine Beschlagnahmung nicht zu befürchten - eher werden Goldbesitz und -handel mit Steuern belegt.

Wer kauft sonst noch? Knapp die Hälfte sind Anleger und Spekulanten, die für 25,6 Milliarden Dollar gute 460 Tonnen kauften - 33 % mehr im Vergleich zum Vorjahr.

Das Gold des kleinen Mannes: Silber

Glücklich, wer noch silberhaltige fünf D-Mark Münzen im Sparstrumpf hat. So stieg der Silberpreis zwischen Januar und Dezember 2009 um satte 50 %. Doch nicht zuletzt seine wichtige Rolle in Industrie und Medizin macht Silber konjunkturabhängiger und volatiler als Gold. Die mageren Silberzeiten sind vorüber: Im Januar 2001 auf dem Tiefststand von 3,97 US-Dollar, ist Silber wieder salonfähig. Barren oder Münzen kaufen? Beim Barrenkauf bittet man Sie mit 19 % Mehrwertsteuer zur Kasse, beim Münzkauf mit nur 7 %. Eine Regelung, die seltsame Blüten treibt - in Form imposanter Ein-Kilo-Münzen oder Kilobarren (Münzbarren) mit eingeprägtem Nennwert.

Beliebt auch die Beimischung von Platin und Palladium, mehrwertsteuerfrei und gegen 1,5 % pro Jahr in einem Schweizer Zollfreilager aufbewahrt, inklusive jährlicher Lagerbestätigung und Zinserträgen. Oder als ETFS-Basket, mit Diamantenbeimischung. Daneben steigt der Preis für Industriemetalle durch den wachsenden Bedarf von Schwellenländern - und macht Aluminium, Kupfer, Zink und Nickel als Fondsmixes, aber auch rare Erden wie Rhodium oder Molybdän interessant.

Glänzend verdienen: Diamanten und Edelsteine

Rar und renditestark: Diamanten, gehandelt an einer der 25 Diamantenbörsen wie im belgischen Antwerpen, dem weltweit größten Handelsplatz für Rohdiamanten. Wo unverwechselbare Unikate, klassifiziert nach Herkunft und Bearbeitung, regieren, sind weniger Festpreise als die speziellen vier Cs Thema: Für Carat (Gewicht), Clarity (Reinheit), Color (Farbe) und Cut (Schliff). Daneben wird in Aktien diamantfördernder oder mit Diamanten handelnder Unternehmen wie De Beers, Anglo American, investiert, dem größten Produzenten mit einem Marktanteil von über 40 Prozent. Als Mix mit Kupfer, Nickel, Kohle oder Eisenerz oder als reines Diamanteninvestment.

Unbeeindruckt durch die Finanzkrise steigt der Diamond-Prices-Index weiter - ungeachtet der Tatsache, dass 2009 für Minengesellschaften ein schweres Jahr war, in dem Kredite zur Vorfinanzierung der aufwändigen Produktion ins Wanken gerieten: Für ein Karat werden in Afrika, Russland und Kanada mit brandneuer Hightech 100 Tonnen Erz bewegt.

Angst vor Blutdiamanten? Der Kimberly-Prozess von 2003 unter Beteiligung von 46 Ländern einschließlich der EU schaffte es, diesen Anteil am globalen Handel auf unter ein Prozent zu drücken.

Wer dagegen Edelsteine wie seltene Kaschmir-Saphire oder farbwechselnde Alexandrite, Blue Chips unter den Edelsteinen, vorzieht, entscheidet sich für die Spitze der Preispyramide: Eine Investition für Experten mit langem Atem, Fachwissen und guten Kontakten für den Edelsteinkauf vor Ort. Papiere sind wenigstens fünf Jahre zu halten, weil oft erst die Enkel von Preissteigerungen profitieren - wie bei bestimmten Aquamarinen, deren Preis sich seit den 1970ern verzwanzigfachte.

Wichtig: Nur Edelsteine mit Zertifikat sind ein Investment, doch dann ist das Wertsteigerungspotential größer als das von Diamanten. Solide Investments gesucht? Ab 50.000 Euro.

Anlage mit Leidenschaft - Uhren

Sicher - für eine gut erhaltene Rolex lässt sich immer ein guter Preis erzielen. Doch selektives Investment ohne Sammelleidenschaft und fundierte Kennerschaft ist bei dieser Form der Geldanlage kaum denkbar. Interessiert? Investieren Sie 10 bis 15 % Ihres liquiden Vermögens in Markenuhren als Teil des Sachwertedrittels. Allerdings versprechen nur 20 % aller Luxusuhren echte Wertsteigerungen - innerhalb von zwanzig Jahren und mehr.

Natürlich verträgt auch diese Regel Ausnahmen wie limitierte Sondereditionen, die nach drei Jahren mit Wert-Verdopplung glänzen. Die historischen Raritäten sind zumindest eine inflationsgeschützte Investition, wie über 30 Jahre alte Vintage-Modelle.

Was trennt die Spreu vom Weizen? Eine Uhr in guten Erhaltungszustand mit vielen technischen Raffinessen, allen Papieren, Wartungsnachweis und in Originalbox enthält nur zu 20 bis 25 % echtes Wertsteigerungspotenzial, wie Stücke mit eigenem Manufakturwerk oder so genannten Komplikationen wie Chronograph, Mondphase, Ewigem Kalender und Schlagwerk.

Immer unterliegt der Uhrenmarkt wandelnden Vorlieben der Sammler: Ende der 1980er ein Ladenhüter, erlebte die Rolex Daytona mit Handaufzug eine sensationelle Preisentwicklung, von einstigen 1500 D-Mark auf heute bis zu 50.000 Euro.

Schätzchen auf vier Rädern

Schätzungsweise 500.000 Oldtimer schlafen wohlverwahrt im privaten Besitz. Dabei bieten die richtigen Modelle von Marken wie Porsche, Mercedes-Benz oder Ferrari gute Aussicht auf Werterhalt und Wertsteigerung.

Der Preisindex der HAGI (Historic Automobile Group International), Baby des Investmentbankers Dietrich Hatlapa, zeigte in 2009 einen Anstieg des Porscheindexes von über 17 %, während der Deutsche Oldtimer Index (DOX) seit 1999 einen durchschnittlichen jährlichen Wertzuwachs von 5,7 % ausweist. So war der Mercedes 300 SL Roadster von 1957, dessen Produktion Mercedes 1964 nach Fertigung von nur 1858 Exemplaren einstellte, bei Marktstart für 32.500 D-Mark zu haben. Schon 1996 war dieses Modell mit umgerechnet 130.000 Euro dotiert - um aktuell mit über 480.000 Euro gehandelt zu werden, Topzustand vorausgesetzt. Auch Youngtimer-Preziosen wie der BMW Z1 oder Porsche 968 locken mit Renditen ab 5 % - leichter kann man die Unterhaltskosten seines Schätzchens kaum decken.

Worauf müssen Sie achten? Neben einer kleinen Auflage schlagen technische Originalität, für die Epoche innovatives Design sowie prominente Vorbesitzer oder eine Rennhistorie positiv zu Buche. Abgestempeltes Scheckheft, eine korrekte Vorbesitzerliste, komplette Zulassungsbescheinigungen und Gutachten renommierter Sachverständiger sind Selbstverständlichkeiten. Schlagen Sie dennoch immer zehn Prozent des Kaufpreises für eventuelle Reparaturen auf, wenn Sie Ihren Autokredit kalkulieren. Gewusst? Auch für Oldtimer gilt die einjährige Spekulationsfrist - die Sie bei Finanzierung via Autokredit aber kaum unterschreiten. Sie nutzen Ihren Oldtimer als Selbstständiger zu wenigstens 50 %? Dann zahlen Sie nur ein Prozent Steuern auf den Bruttolistenpreis.

Liebhaberinvestments: Teppiche und Weine

So beginnen Märchen aus Tausendundeiner Nacht: Es waren einmal ein kleines Auktionshaus in Bayern und ein Perserteppich mit einem Mindestpreis von 900 Euro, der schließlich bei Christie's in London umgerechnet mehr als sieben Millionen Euro erzielte. Grund: Die Provenienz dieses Persers – er war einst im Besitz der französischen Kunstmäzenin Comtesse de Béhague.

Teppichpreise sind auf das Einzelstück zugeschnitten, wie bei antiken, auf Leinen aufgenähten Fragmenten, die Wände nach Gemäldeart zieren. Qualitätskriterien antiker Teppiche sind die Bedeutung innerhalb einer Gruppe, Farbe, Erhaltungszustand, Flor und aktuelle Modeströmung. Teppichinvestments sind Liebhaberinvestments; der US-Markt ist wegen des Iran-Embargos geschlossen, die Ursprungsländer leergekauft. So gibt es Schätzungen zufolge weltweit weniger als 200 authentische Tiger-Teppiche - zum Gegenwert eines Kleinwagens.

Auch wer in Wein investiert, steigt mit Mindestbeträgen zwischen 10.000 und 12.000 Euro großzügig ein. Immer empfiehlt sich der Kauf von Weinen älterer Jahrgänge mit renommierter Qualität, als Magnum- oder Doppelmagnum (1,5 bzw. 3 Liter) oder 12-Flaschen-Gebinde. Wenngleich Bordeaux dominiert, verträgt auch Weininvestment eine gewisse Streuung, angelegt in der Gruppe von Markenweinen der oberen fünf Prozent. Robert Parker, Maryland, Vater der Parker-Punkte und Herausgeber des Wine Advocate, bewegt Märkte mit seiner Skala von 50 (inakzeptabel) bis 100 (außerordentlich). Kaufen Sie also nie Weine mit weniger als 85 Punkten ...

Orientierung gibt auch der Wein-Index Liv ex-100 für Spitzenweine, London, der seit 2005 konstant nach oben weist. Auch deutsche Weine wie die 2000er Riesling Trockenbeerenauslese von Robert Weil aus dem Rheingau kletterten bis 2008 um über 50 Prozent. Wer sich für die Assetklasse Wein entscheidet, ist zudem mit Beimischungen von Antiquitäten und Porzellan gut bedient. Hauptabnehmer ausgesuchter Rotweine französischer Provenienz? Der Ferne Osten und Russland.

Ganz gleich, für welchen Typ Sachwert Sie sich entscheiden - alle vereint der Spaß an Luxusgütern als Geldanlage. Und wo stärkere Schwankungen an Aktien- und Devisenmärkten einen neuen, zukunftsfesten Investitionsmix verlangen, bieten Sachwerte, deren Verzinsung mit der Teuerungsrate steigt, attraktive Geldanlagen. Aber - nehmen Sie sich Zeit, Geldanlagen in Ruhe fein zu justieren: Dieses Segment verlangt ohnehin einen extralangen Atem.

Redaktionelle Beratung: autokredit.de

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