Gespenst Schuldenkrise: Wie sicher ist mein Geld?

Die Verbraucher sind verunsicher. Wie sicher ist das Geld trotz des krisenerschütterten Finanzmarktes noch wirklich?
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Die Verbraucher sind verunsicher. Wie sicher ist das Geld trotz des krisenerschütterten Finanzmarktes noch wirklich?

 © K.-U. Häßler
19.12.2011 - 16:00 Uhr von Redaktionsservice

Während sich die Eurokrise weiter zuspitzt, wächst die Angst: Ist mein Geld noch sicher? Jetzt nehmen sich sogar Angstforscher der Sache an - und sprechen in renommierten Online-Magazinen von intelligenten Angstsystemen, die angesichts der Finanzmarktkrise nicht gerade Panik, aber zumindest ein ungutes Bauchgefühl vermelden. Und geben gleichzeitig Entwarnung: Niemand müsse wegen eines sinkenden Dax den Psychiater aufsuchen. Aber vielleicht sind Sie ja, durch ständige Schreckensmeldungen abgestumpft, längst zur Tagesordnung übergegangen? Alle anderen, die lieber Bulle und Bär bei den Hörnern packen, erfahren hier, was wirklich hilft, falls der Nervenarzt versagt.

Die Inflationsangst geht um
Finanzkrisen, Schuldenkrisen, Staatenkrisen - wohin steuert der Euro? Und wie sehen wertstabile Anlagen aus, die Krisen die Stirn bieten? Angesichts der aktuellen Marktsituation entscheidet Ihr Wissensvorsprung darüber, ob Sie Ihr Vermögen erhalten oder Verluste einfahren: Unterziehen Sie Ihre Geldanlagen einer gründlichen Prüfung, um dann sinnvoll vorzusorgen.

Angesichts einer Inflationsrate von 2,4 Prozent ist die Frage erlaubt, welche Geldanlagen überhaupt noch sicher sind. Preisanstiege auf dem Treibstoff- und Strommarkt treiben die Lebenshaltungskosten nach oben, während ein hoher prozentualer Teil von Zinsgewinnen als Inflationsausgleich verpufft: Krisenfeste Investitionen zeichnen sich durch Inflationsschutz aus, weil sie Kapitalerträge oberhalb des Kaufkraftverlusts bieten, also Kaufkraftverluste mehr als nur wettmachen.

Herumgesprochen hat sich das indes nicht: Milliarden Euro parken als kümmerlich verzinste Sparbriefe und Spareinlagen bei Sparkassen und Banken, während Experten wie Stefan Riße, Value Investor und Börsenberichterstatter, bereits den Umbau der Eurozone mit einigen verbleibenden Kernländern prophezeien: Kleine Sparer haben das Nachsehen. Riße rät, neben Immobilien, Gold und ausgewählten Aktien auch inflationsgeschützte Anleihen als Mittel gegen den Kapitalfraß am Realvermögen einzusetzen. Altersvorsorge adé: In 20 Jahren wird der Realwert von 1000 Euro Privatrente auf 673 Euro gesunken sein - und das bereits bei zweiprozentigem Kaufkraftverlust. Noch ärmer, wer sich auf die gesetzliche Rente verlässt - sie wird auf der Basis von 1,5 Prozent Inflationsrate kalkuliert.

Traditionelle Anlageformen - Garanten für Sicherheit?
Kurz: Wo immer mehr Euro in den Wirtschaftskreislauf eintreten, steigt die Inflation und schadet so Ihnen als Sparer mit Langzeitvertrag. Bundesanleihen dagegen gelten landläufig als vergleichsweise sicher, ähnlich wie Immobilien und Wertobjekte. Daneben wird Geld auf Festgeldkonten im Sinne des Kapitalerhalts sicher verzinst - sofern Sie kurze Laufzeiten wählen, um flexibel von steigenden Zinssätzen zu profitieren. Aktuelle Zinsen gleichen kaum die Inflation aus.

Eine fremdgenutzte Immobilie kaufen? Sinnvoll, wenn eine hohe Inflation realistisch ist. Dagegen spricht, dass die EZB die Zinsen derzeit nicht extrem erhöhen könnte, ohne Griechenland und Italien endgültig das Genick zu brechen. Auf der anderen Seite drücken Banken Schuldnern mit ungünstiger Bonität hohe Zinsen auf; bei fremdgenutzten liegen dieser über den Zinsen für selbstgenutzte Immobilien. Das Preisniveau ist hoch - sollten Sie wirklich jetzt einsteigen und dazu mit Grundsteuern leben, die von klammen Gemeinden permanent erhöht werden?

Nun - Zwangshypotheken wie zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs werden uns hoffentlich erspart bleiben. Entscheiden Sie sich für ein selbstgenutztes Objekt, sollten Sie nicht mehr als die durchschnittliche Kaltmiete der letzten drei Jahre an die Bank leisten. Legen Sie außerdem nicht Ihren aktuell machbaren Zinssatz zugrunde, sondern schlagen einen individuellen Spielraum auf, um sich nicht zu verheben. Fremdgenutzte Immobilien sind laut einer britischen Studie nur dann inflationsfest, wenn sie an einem bestimmten Punkt im Zyklus angekauft und in einer Phase des Wirtschaftswachstums gehalten werden. Natürlich fährt eine Immobilie mit guter Performance Marktmieten ein, die der Inflation vorauseilen. Doch das schaffen nur gefragte Objekte, die langfristige Nutzertrends bedienen. Kaufen Sie ungeachtet solcher Trends, schnappt die Inflationsfalle steigender Vermieterkosten zu. Nun versuchen Sie, die Miete zu erhöhen - ohne einen echten Gegenwert passé. Und kaufen Sie zu teuer, taugt Ihr Objekt ebenfalls nicht als Inflationshedge.

Gold kaufen? Nach jahrelangem, stetigem Anstieg waren bereits die ersten Kursrutsche zu verzeichnen. Sobald die Verkaufswelle losbricht, beschleunigt sich der Preisverfall rapide. Insofern macht es keinen Sinn, sich kursabhängig zu machen, indem man zu große Vermögensanteile in Form eines Edelmetalls anlegt, das nicht einmal Zinsen bringt. Anders Unternehmensanleihen mit bestimmtem Zinssatz, die sich am Markt handeln lassen: Behalten Sie Zinssätze und Rentenkurse immer aktuell im Blick. Vorsicht bei zu hohen Zinssätzen, die auf Ausfallwahrscheinlichkeit und wacklige Bonität des Unternehmens hindeuten. Eine interessante Option sind Wandelanleihen, die zum Kaufzeitende zu Unternehmensaktien werden.

Mit außerbörslichen Beteiligungen (geschlossenen Fonds) umschiffen Sie Börsenschwankungen und erwerben Sachwerte mit Renditen zwischen 5 und 20 Prozent. Warum nicht in Private Equity, ein Wasserkraftwerk oder einen Solarfonds investieren? Allerdings ist der Kapitalfluss hier für Laien und Externe nicht ganz transparent. Weil es kein klassisches Wertpapierkonto gibt, weiß nur der Wirtschaftsprüfer, wie die sprichwörtlichen Aktien stehen: Außerbörsliche Beteiligungen gelten nicht grundlos als Königsdisziplin. Möchten Sie mitmischen, sollten Sie Ihre Investitionen streuen oder zunächst mit Bedacht in kleinerem Umfang investieren.

Alternative inflationsgeschützte Anlagen
Gibt es überhaupt effektiven Inflationsschutz? Und was bringen inflationsgeschützte Geldanlagen? Bei Geldanlagen mit Inflationssicherung sind Zins und Tilgung an die Inflationsrate gekoppelt - ein Schutz gegen inflationsbedingte Kaufkraftverluste. Schon im Spätmittelalter praktizierten italienische Städte erfolgreiche Finanzierungen, indem sie urkundlich verbriefte Anleihen gegen Zins ausgaben.

Aktuell existieren inflationsindexierte Anleihen, die die Bundesregierung mengenbegrenzt an Anleger ausgibt, um Zahlungsausfällen gegenzusteuern, wie z. B. Bundesanleihen mit fünf bzw. neun und eine Bundesobligation mit zwei Jahren Restlaufzeit und HVPI-gekoppelt in punkto Verzinsung und Rückzahlung. Steigt das Preisniveau einer spezifischen Betrachtungsperiode, steigt auch der Nennwert, auf den sich der Zinskupon bezieht, womit sich die Zinszahlung erhöht. In den Kurs fließt also die Inflationserwartung mit ein: Je höher diese innerhalb einer Betrachtungsperiode ist, desto teurer wird der Kauf.
Das Problem dabei – mancher Inflationsschutz ist zu teuer erkauft, wenn die reale Entwicklung hinter den gesteckten Erwartungen zurückbleibt. Andersherum vermeiden Sie als Investor die Entwertungen klassischer Anleihen. Realrenditen inflationsindexierter Bundesanleihen liegen unter denen von Bankprodukten (wie Bankeinlagen mit Einlagensicherung oder Anleihen bzw. Inhaberschuldverschreibungen ohne Einlagensicherung).

Daneben bieten Bankanleihen die attraktiveren Konditionen und koppeln entweder nur Nennwertrückzahlung oder Zinszahlung an die Inflationsrate, auf Basis des für die Eurozone geltenden, harmonisierten Verbraucherpreisindexes (HVPI). Höhere Zinsen und attraktive Rückzahlungen sollen Inflationseffekte ausgleichen. Entweder Sie halten diese Börsenpapiere bis Fälligkeit, um die vorberechnete Rendite einzufahren oder arrangieren sich mit Kursschwankungen. Wer kauft, muss alle seit dem letzten Zinstermin aufgelaufenen Stückzinsen und die entsprechende Nennwertanpassung zahlen.

Jeder, der in den kommenden Jahren mit einem spürbaren Inflationsanstieg rechnet, sollte über inflationsgeschützte Anlagen nachdenken - glaubt man Thomas Meyer, Deutsche Bank, der satte vier Prozent prognostiziert. Die Folge: Kapital von Sparern und Anlegern wird immer schlechter verzinst. Entsprechend geht man in der betrieblichen Altersversorgung bereits zu inflationsgeschützten Anleihen über, die langfristige Versorgungsziele ohne kapitalverzehrende Einbrüche sicherstellen.

Wie erkennen Sie eine gute Anleihe? Neben der Bonität des Emittenten spielen Laufzeit und Bewertung der künftigen Markterwartung mit Blick auf die Inflation eine Rolle. Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit setzen, sind zukunftsfester, denn entpuppt sich die Inflationsrate als niedriger als kalkuliert, machen Sie ein schlechtes Geschäft. Stellen Sie also über ein zukunftsfestes Papier sicher, dass Sie kein Geld verlieren. Wird der Wert dann übertroffen - umso besser für Sie.

Innovative inflationsgeschützte Finanzprodukte aus dem Segment Grüne Technologien kombinieren die Planbarkeit festverzinslicher Anlagen mit den Renditechancen variabel verzinslich. Der gewährte Zins liegt über dem EZB-Leitzins und am Ende der Laufzeit erhalten Sie Nennbetrag plus Inflationsausgleich (und eventuell entrichtetes Agio) zurück. So sind Sie als Anleger auf jede Marktsituation vorbereitet. Breit aufgestellt, fahren Sie trotz Inflation Gewinne ein. Die meisten Anlageklassen wie Aktien oder Rohstoffe profitierten schon in der Vergangenheit von inflationären Entwicklungen. Alles, was Sie als Anleger tun müssen, ist, die Zinssensitivität Ihres Portfolios zu senken, d. h. die Kapitalbindungsdauer zu verkürzen. Nutzen Sie Floating Rate Notes, die sich flexibel an zukünftige Zinserhöhungen anpassen, mixen Sie aber um 10 Prozent inflationsgeschützte Anleihen bei.

Guter Durchblick schützt vor Angst

Wer investiert, sollte wissen, was er tut - auch Sie müssen vor vermeintlich komplizierten Vorgängen am Finanzmarkt nicht kapitulieren. Und signalisieren so Ihrem Berater - vielleicht einem Beratungsunternehmen, das aktiv bei der Gestaltung Grüner Projekte vor Ort mitredet? - Ihre Kompetenz. Denn zeitgemäße Kundenberatung richtet sich nicht an dem aus, was Produktanbieter sich vorstellen, sondern an Ihren individuellen Bedürfnissen als Investor.

Mit zusätzlichen Informationen von: www.thomas-lloyd.de

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