Hat das Sparbuch ausgedient?

Ist das Sparbuch nicht mehr zeitgemäß?
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Ist das Sparbuch nicht mehr zeitgemäß?

 © Andre Bonn - Fotolia
23.12.2011 - 10:00 Uhr von Redaktionsservice

Keine Frage - der Ruf des Sparbuchs als akzeptabel verzinster Sicherheitsgarant ist angekratzt. Dennoch besitzt über die Hälfte der Deutschen über 14 Jahre ein Sparbuch, ausgestattet mit einem nostalgisch anmutenden Minizinssatz von unter 1,5 Prozent. Symptom einer unbekümmerten Trägheit, die Banken und Sparkassen freut und sich keinen Deut um eine steigende Inflationsrate (derzeit 2,5 Prozent) schert. Sogar der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) gibt zu: Zur Altersvorsorge eignet sich das Sparbuch nicht.

Warum Sparbücher Sackgassen sind

Ende 2010 parkten mehr als zwei Drittel der Sparsumme deutscher Privathaushalte von 4930 Milliarden Euro auf Sparbüchern, als Sichteinlagen, investiert in Versicherungen oder im Bargeld-Sparstrumpf - glaubt man dem Bundesverband deutscher Banken. Und das ungeachtet der Tatsache, dass das Zinsniveau bereits seit den 90er Jahren vom Geldmarkt entkoppelt ist. Weitergabe steigender Zinsen an Sparbuchbesitzer? Fehlanzeige. Wer clever spart, legt sein Geld langfristig und zu höherer Verzinsung fest - auf dem Sparbuch ist das nur bei Mindestanlagesummen von oft wenigstens 5000 Euro möglich.

Zudem sitzen einmal eingezahlte Beträge auf dem Sparbuch fest: Wer mehr als 2000 Euro im Monat abheben möchte, wird über Vorschusszinsen dafür zur Kasse gebeten. Da löst man besser gleich auf, oder? Nicht so einfach. Kündigen vor Ende der Dreimonatsfrist wird mit Zinssenkungen des ohnehin mageren Zinssatzes bestraft. Gibt es auch Positives? Doch: Über das Sparbuch lernen Kinder und Jugendliche, mit indirekten Geldformen umzugehen; hier erscheinen alle Vorgänge schriftlich und gut nachvollziehbar.

Vorsicht bei scheinbar attraktiven Sparbuchkonditionen, die mit Zinsen über dem Durchschnitt locken: Hier erhält der Kunde neben einem Basiszinssatz von zum Beispiel 1,6 Prozent das Doppelte, sofern er seine Einlage innerhalb von zwölf Monaten um wenigstens 600 Euro erhöht - also 3,2 Prozent. Der Trick: Hat die Falle zugeschnappt, senkt die Bank einfach den Basiszinssatz, ohne dies natürlich ausreichend transparent zu machen. Registriert der Kunde diese Veränderung zu seinen Ungunsten, ist es zu spät - bei vorzeitigem Aussteigen ist der Bonuszinssatz weg. Eine rechtlich fragwürdige Praxis, da kein Kunde den Referenzzinssatz kennen kann, der derart immense Senkungen rechtfertigt. Lobenswert dagegen, aber leider kaum einträglicher: Ethiksparbücher, deren Einlagen unter Berücksichtigung ethischer Grundsätze in nachhaltige Anlageformen investiert werden.

Was Anlagealternativen bringen

Eine Alternative bieten neben Zinssparplänen mit monatlichen Fixbeträgen Tagesgeldkonten mit Verzinsungen über 2 Prozent. Hier ist das Geld einfacher verfügbar. Wer für größere Anschaffungen oder den kommenden Urlaub spart, sollte ein bis zwei Nettogehälter als Tagesgeld anlegen. Winken bessere Renditen, kann man Erspartes jederzeit zu einem Anbieter mit attraktiveren Konditionen verschieben oder in Aktien umschichten. Tagesgeld, ob klassisch oder in Kombination mit einem kostenfreien Girokonto, bietet eine gute Balance zwischen Sicherheit und akzeptabler Verzinsung. Doch Achtung - gern werden Neukunden mit Zinssätzen angelockt, die nach wenigen Monaten wieder absinken.

Warum Aktien die bessere Wahl sind

Zu niedrige Zinserträge? Fragen Sie sich, wie risikobereit Sie sind. Generell raten Verbraucherschützer zu langfristigen Anlagen für Zeiträume von nicht mehr als sechs oder sieben Jahren und dazu, besser auf ein halbes Prozent an Zinsen zu verzichten. Leider lassen sich viele Deutsche aufgrund mangelnder Kenntnisse verunsichern - und greifen lieber zum unrentablen Sparbuch. Dabei ist es weit weniger schwer als vermutet, ein Portfolio aufzubauen: Überlegen Sie, wie lang Ihr Anlagehorizont ist - Kursschwankungen gleichen sich über einen langen Zeitraum aus, und weniger als fünf Jahre machen im Vermögensaufbau ohnehin keinen Sinn. Streuen Sie breit, um Schwankungen Ihres Portfolios zu reduzieren und checken Sie Ihren Anlagemix regelmäßig, da sich Anteile aufgrund von Kursänderungen verschieben.

Aktien lohnen: Laut einer Berechnung des Deutschen Aktieninstituts fuhren Aktien und Aktienfonds in den letzten zwei Jahrzehnten Renditen von durchschnittlich 8 Prozent ein. Laut BVI lassen sich bei aktiv gemanagtem Fonds (Achtung: höhere Kosten als beim passiven Indexfonds) mit deutschem Schwerpunkt im Schnitt 7 Prozent p. a. erzielen. Speziell nachhaltig orientierte Investmentstrategien liegen im Trend: Zugehörige Unternehmen setzen z. B. auf Produkte und Rohstoffe aus kontrolliertem Anbau und nachhaltiger Forstwirtschaft. Zudem fördert das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) grüne Investments, und sorgt so für garantierte Einnahmen und beschleunigte Genehmigungsverfahren.

Was nachhaltig orientierte Investmentstrategien auszeichnet

Was genau sind eigentlich "ethische, nachhaltig orientierte Investmentstrategien"? Sie gliedern sich in vermeidende, fördernde und politische Strategien. Vermeidend bedeutet, auf Menschenrechtsverletzungen und Umweltbelastendes zu verzichten. Insofern sind hier entsprechende Produkte, Branchen und Produktionsprozesse ausgeschlossen oder zumindest negativ bewertet. Fördernd heißt, dass veranlagte Gelder in Projekte und Unternehmen fließen, die sich durch ihren ökologischen und sozialen Nutzen für Gesellschaft und Umwelt auszeichnen. Einer der fördernden Investmentansätze ist die Best-In-Class-Strategie, eingesetzt beim Zusammenstellen von Portfolios für nachhaltige Investmentfonds. Nur die Nachhaltigsten Anbieter eines bestimmten Bereiches finden Aufnahme, so dass ethische Maßstäbe an den Wettbewerb angelegt werden. Als Aktionär üben Sie Ihr Stimmrecht aus und konfrontieren die jeweiligen Unternehmen mit ethischen, sozialen und ökologischen Aspekten ihres Handelns.

Wie federn nachhaltig orientierte Investmentstrategien Risiken ab? Unter anderem, indem die Mehrheit ökologisch orientierter Investmentfonds ihre Anlageoptionen über den Sektor der Erneuerbaren hinaus sucht. Einige Hundert nachhaltig ausgerichtete Aktienfonds besitzen derzeit in Deutschland eine Marktzulassung. Portfolios sind global breit aufgestellt und auf bestimmte Technologien fokussiert.

Lassen Sie sich nicht durch vage formulierte Ausschlusskriterien täuschen - auch Rüstungsfirmen im Portfolio sind keine Seltenheit. Wer z. B. nach NAI (Natur-Aktien-Index) wählt, ist mit eindeutig ökologisch-sozialen Anlagen auf der grünen Seite. Oder Sie nehmen den Global Challenges Index (GCX) in den Blick: Er besteht aus über 50 nachhaltig wirtschaftenden, börsennotierten Unternehmen der Solar- und Windenergiebranche, der Versicherungswirtschaft oder der Automobilbranche. Der GCX wurde u. a. durch die Börse Hannover ins Leben gerufen: Im unabhängigen Beirat sitzen Vertreter des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, der Kirchen und des WWF (World Wildlife Fund) Deutschland. Die Erfüllung der festgelegten Kriterien wird zweimal pro Jahr geprüft. Nicht nur Unternehmen aus Rüstungsindustrie, Gentechnik und Atomenergie, sondern auch Firmen, die gegen Menschenrechte und Arbeitsnormen verstoßen oder durch Korruption oder Bilanzfälschung von sich reden machen, müssen draußen bleiben.

Was nachhaltig orientierte Investmentstrategien bringen

Privatanleger auf der Suche nach der passenden Anlage - nicht ganz einfach. Denn wenngleich der erste Ansprechpartner für nachhaltige Investments die eigene Bank bleibt, finden Sie dort nicht immer Experten für Nachhaltigkeit. Die Verbraucherzentralen dagegen haben ihr Beratungsangebot in dieser Richtung in den letzten Jahren deutlich verbessert - nutzen Sie ruhig das Angebot, deren unabhängigen Rat einzuholen. Eines steht ohnehin fest: Nachhaltige Fonds müssen sich in punkto Rendite keinesfalls hinter klassischen Produkten verstecken. Denn im GCX gelistete Fonds schafften es seit 2001, sich um gute 15 Prozentpunkte besser zu entwickeln als der weltweite MSCI.

Nachhaltige Investmentstrategien optimieren das Risiko-Rendite-Profil: Wer als Investor Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigt, begrenzt des Risiko seines Portfolios. Entsprechend belegt eine aktuelle Studie im Bereich ESG (Environmental, Social and Corporate Governance), dass das Verlustrisiko für den Fall extremer Ereignisse bei Schwellenländer-Aktien von minus 64,6 Prozent p. a. auf minus 38,8 Prozent sinkt, wenn ESG-Faktoren Berücksichtigung finden. Dies ergab ein Vergleich eines entsprechend risikooptimierten Schwellenländer-Portfolios mit dem MSCI-Emerging-Markets-Index. Im Bereich Unternehmensanleihen sinkt das Verlustrisiko im Durchschnitt von minus 8,1 Prozent p. a. auf minus 4,9 Prozent. Basis: Ein Vergleich zwischen einem ESG-optimierten Paket und dem Global-Broad-Market-Corporate-Index von Merrill Lynch.

Nachhaltig orientierte Investmentstrategien lohnen - für Insider ist das nichts Neues: Bereits zwischen 2005 und 2010 konnten sich die in nachhaltige Fonds investierten Mittel laut einer Statistik der European Business School versechsfachen, und allein der Bereich Nachhaltigkeitsfonds von Versicherern wartet mit einer breitgefächerten Vielfalt von über 50 Produkten auf. Immer gilt: Ihr Fonds sollte ein hohes Volumen besitzen; ist er klein, sind die Gebühren pro Anteil recht stattlich. Entscheiden Sie sich für Fonds, die mehrere Jahre Markterfahrung vorweisen können und setzen Sie am besten auf Sektorenvielfalt, damit sich Ihre Entscheidung langfristig auszahlt. Denn: Niemand muss attraktive Renditen dem guten Gewissen opfern. Und schon gar nicht dem "guten, alten" Sparbuch.

Redaktionelle Beratung: http://www.thomas-lloyd.de

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