Viel Geld sparen bei der Kreditaufnahme: So geht's

Viel Geld sparen bei der Kreditaufnahme: So geht's
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Viel Geld sparen bei der Kreditaufnahme: So geht's

 © Getty Images
27.05.2009 - 22:00 Uhr

Über Geld spricht man nicht. Für viele Verbraucher führt dieses ungeschriebene Gesetz oft dazu, in finanziellen Engpässen alleine den Angeboten verschiedener Kreditgeber zu trauen - und diesen Glauben müssen sie mitunter teuer bezahlen. Denn wie FINANZtest nun in einer aktuellen Umfrage bei verschiedenen Banken herausgefunden hat, können aus einem Zinssatz von 7 Prozent schnell 17 Prozent werden. Grund dafür sind die Zusatzversicherungen, die die Banken den Kunden bei einem Ratenkredit mit andrehen. Das ernüchternde Ergebnis der Umfrage: Die Kreditvergabe hängt oftmals nur vom Wohlwollen des Bankangestellten ab.

4887 Euro sparen bei einem 10000-Euro-Kredit
Im Test wurden 19 verschiedene Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken untersucht, die Konsumentenkredite vergeben. In je drei Filialen der Banken wollten die Tester, allesamt kreditwürdig, einen Kredit in Höhe von 10000 Euro für den Kauf eines Autos aufnehmen. Im Ergebnis kostete der teuerste 10000-Euro-Kredit 4887 Euro mehr als der günstigste.

Beim gleichzeitigen Kauf von Zusatzprodukten reicht der Effektiv-Zins als alleiniges Vergleichskriterium nicht aus!
Dies ergab sich aus dem unterschiedlichen Effektivzinssatz, den die Kreditgeber nannten. Im Effektivzinssatz sind, anders als im Nominalzinssatz, die Gebühren und andere Kosten eingerechnet. Der Kunde kann damit verschiedene Angebote vergleichen. Was der Kunde am Ende allerdings wirklich bezahlen musste, darüber sagte der Effektivzinssatz im Test nichts aus.

Denn dieser Zinssprung liegt an den Versicherungen, den die Banken den Kunden bei einer Kreditvergabe mit andrehen wollen und der im Effektivzinssatz nicht eingerechnet wurde. Die Kreditinstitute lassen sich die Kreditvergabe durch diverse Risikoversicherungen absichern. Falls der Kunde stirbt oder arbeitslos wird, übernimmt die Versicherung die ausstehenden Ratenzahlungen. Der Kunde zahlt für diese Sicherheit, die Bank streicht die Provision ein. Die Kosten für diese Versicherungen werden auf die Kreditschuld aufgeschlagen und die Bank berechnet dann die höhere Ratenschuld. Der Effektivzins allerdings wird nicht neu ermittelt.

Bei den Zusatzprodukten langen vielen Banken richtig zu
Eine einfache Restschuldversicherung, die einspringt, wenn der Kunde stirbt, genügt für die Absicherung oft nicht. Einige Institute wollen erweiterte Versicherung wie gegen Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit. Viele Kunden brauchen diese Zusatzversicherung jedoch nicht und müssen sie zudem auch nur teuer bezahlen. Denn Antragsteller, die bereits eine Risikolebens- oder Kapitallebensversicherung haben, sind im Todesfall oder bei Arbeitslosigkeit ausreichend abgesichert. Und auch wer keine Zusatzversicherungen hat, der sollte sich den Abschluss einer Versicherung bei seiner Bank gut überlegen: Für viele Kunden ist es günstiger, die Versicherung direkt bei einer Versicherungsgesellschaft abzuschließen.

Für wen die Zusatzprodukte günstig sein können
Ausnahme: Raucher oder stark übergewichtige oder kranke Personen. Für sie kann eine Restschuldenversicherung über die Bank günstiger sein als über eine Versicherung. Die Banken verzichten auf eine Gesundheitsprüfung. Versicherungen verlangen dagegen von diesen Kunden oft Risikozuschläge, die die Police verteuern.

Unterschiedliche Zinsen je nach Kreditwürdigkeit
Doch nicht nur Zusatzversicherungen kommen Kunden teuer zu stehen. Vielen Kunden wird die Kreditvergabe auch dadurch erschwert, dass bei verschiedenen Kreditinstituten der Zinssatz für Ratenkredite in Abhängigkeit zur Kreditwürdigkeit des Antragstellers steht. Kunden in einer finanziell weniger guten Situation zahlen also zusätzlich erhöhte Zinssätze. Kurz gesagt und wie die Verbraucherzentrale 2004 bereits zum Weltverbraucher Tag monierte: Wer arm ist, zahlt auch mehr. Die Kreditwürdigkeit eines Antragstellers überprüfen die Institute dabei mit einer Schufa-Abfrage. Was viele Kunden jedoch nicht wissen: Die Schufa-Nachfrage kann für ihn negative Folgen haben. Wie ein Beratungstest in FINANZtest 1/2006 feststellte, kann die Schufa-Abfrage das so genannte Scoring des Kunden, also seine Kreditwürdigkeit, mitunter für ein ganzes Jahr verschlechtern. Bei mehreren Kreditanfragen wird es für den Kunden dann immer schwieriger, gute Bedingungen für einen Kredit zu bekommen. Im schlimmsten Fall bekommt er sogar überhaupt keinen.

Datenschutz scheint einige Banken nicht zu interessieren
Die Tester von FINANZtest stellten sogar fest: Einige Banken führten ohne ihr Wissen eine Schufa-Abfrage durch - und haben damit gegen den Datenschutz verstoßen. Denn grundsätzlich ist eine Schufa-Abfrage der Bank nur mit Einwilligung des Antragstellers zulässig. Kunden, ohne deren Wissen eine Schufa-Abfrage durchgeführt wurde, können sich an die Beschwerdestelle ihrer Bank, an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (bafin) oder an die Datenschutzbeauftragten der Bundesländer wenden.

Aber nicht nur finanziell weniger gut gestellte Antragsteller haben bei der Kreditvergabe oft die schlechteren Karten stellt die Verbraucherzentrale Hamburg fest:. Immer öfter wird auch älteren Menschen ein Kredit verweigert, und sei es nur in Höhe von einigen hundert Euro.

Vorsicht: Versteckte Kosten
Teure Zusatzversicherungen, finanziell weniger gut gestellte oder ältere Antragsteller: Besonders günstige Zinssätze oder Sonderangebote zahlreicher Kreditanbieter im Internet, auf Flyern oder im Videotext versprechen oft einen schnellen und unproblematischen Geldsegen. Was auf den ersten Blick allerdings verlockend erscheint, muss im Nachhinein oft teuer bezahlt werden. Bei folgenden Angeboten sollten Kunden genauer hinsehen:

Bargeld per Post
Bei Kreditanzeigen mit dem Hinweis "Bargeld per Post" wird der Kredit nicht auf das Girokonto überwiesen, sondern bar per Postanweisung. Diese anonyme Zahlung und den erhöhten Aufwand für den Kreditgeber bezahlt allerdings der Kunde. Bei solchen Angeboten sollten sich Kunden deshalb genau über den Zinssatz und die hierfür entstehenden Kosten informieren.

Kredit ohne Schufa
Bei Kredite mit dem Zusatz "ohne Schufa" führt der Kreditgeber keine Schufa-Abfrage durch, die bei Ratenkrediten jedoch üblich ist. Solche Kredite sind aber durch die fehlende Prüfung und das damit erhöhte Risiko für den Kreditgeber meist deutlich teurer als Ratenkredite mit Schufa-Abgleich.

Bearbeitungsgebühr vor Abschluss
Bei einigen Kreditgebern ist vor Abschluss des Vertrages eine Bearbeitungsgebühr fällig. Ohne diese Zahlung wird der Antrag nicht geprüft und auch nicht bearbeitet. Der Kunde muss demnach für eine Leistung bezahlen, die noch nicht erbracht wurde. Die Zahlung der Bearbeitungsgebühr begründet dabei keinen Anspruch auf Kreditvergabe. Mitunter wird kein Kredit ausgezahlt. Die gezahlte Bearbeitungsgebühr bekommt der Kunde nicht erstattet.

Zwangsversicherung
Einige Kreditgeber verlangen für die Gewährung des Kredites den Abschluss einer Versicherung, zum Beispiel einer Risikolebensversicherung oder Arbeitslosenversicherung. In solchen Fällen spricht man von einer Zwangsversicherung. Die Policen sind oft sehr teuer, insbesondere für ältere Kunden können diese Policen bis zu einem Drittel der gesamten Kreditkosten ausmachen.

Restschuldversicherung
Die Restschuldversicherung zahlt die Schulden für den Kunden im Todesfall. Bei kleinen Krediten ist die Police und der erweiterte Schutz wie zum Beispiel Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit aber meist unnötig. Verlangt der Kreditgeber eine Absicherung, können Kunden auf ihre Risikolebensversicherung verweisen oder anbieten, separat eine abzuschließen. Dies ist meist billiger, als die Versicherung direkt bei der Bank abzuschließen. Ist die Restschuldversicherung allerdings obligatorisch, muss die Bank sie in den effektiven Jahreszins einrechnen.

Kosten sind nicht transparent aufgelistet
Nur mit einer detaillierten und umfassenden Aufstellung über sämtliche Zahlungen, Effektivzinsen sowie alle weiteren Kosten kann der Kunde die zu leistenden Zahlungen überschauen und seine Gesamtkosten berechnen. Bei einer fehlenden oder lückenhaften Aufstellung drohen Zusatzkosten. Vor Vertragsabschluss sollten dem Kunden daher alle Informationen über Zahlungs- und Rahmenbedingungen vorliegen.

Effektivzins-Angabe fehlt
Im Angebot ist entweder gar kein Zinssatz angeben oder nur der Nominalsatz. Die Effektivzins-Angabe ist aber gesetzlich vorgeschrieben und für den Kunden sehr wichtig, denn nur der Effektivzins stellt die gesamten Kosten des Kredits auf Jahresbasis dar. Anders als im Nominalzins sind im Effektivzins Gebühren oder andere Kosten mit eingerechnet. Dadurch erhält der Kunde ein genaues Bild seiner Kosten und kann diese gut mit anderen Angeboten vergleichen. Der Kunde sollte deshalb immer auf die Effektivzinsangabe bestehen. Bei fehlender Angabe sollte auf ein anderes Angebot ausgewichen werden.

Checkliste vor Abschluss eines Ratenkredits
Um sich im unüberschaubaren Dschungel der Kreditangebote zurechtzufinden, sollten Sie als Antragsteller vor Abschluss eines Vertrages unbedingt einige Punkte beachten:

  • Grundsätzliches:
  • Wie hoch soll der Kredit sein?
  • Wann brauchen Sie das Geld?
  • Welche Laufzeit soll der Kredit haben?
  • Wie hoch darf die monatliche Rate sein, damit Sie diese Rate während der gesamten Laufzeit Ihres Kredites bezahlen können ohne in einen finanziellen Engpass zu geraten?
  • Müssen Sie Ihren Kredit absichern?

Vergleichen lohnt:
Werbeangebote führen oft in die Irre. Wie bei allen Vertragsabschlüssen gilt insbesondere beim Kreditabschluss: Verschiedene Angebote einholen. Lassen Sie sich ein Angebot machen, dass speziell auf Ihre finanziellen Möglichkeiten und Bedürfnisse zugeschnitten ist. Laufzeit, Konditionen und Kreditsumme müssen bei den verschiedenen Angeboten immer gleich sein. Vergleichen Sie am Besten die Höhe der Monatsraten miteinander, die Zinssätze sagen meist nichts aus. Bestehen Sie auf einen Ratenkredit ohne zusätzliche Versicherung. Holen Sie sich bei Banken auch Angebote für einen einheitlichen Zins für Ratenkredite ein. Wie die Verbraucherzentrale bereits vor Jahren festgestellt hat, sind diese Ratenkredite meist günstiger als Kredite, die nach Bonität vergeben werden.

Vermeiden Sie eine Schufa-Abfrage, diese kann ihre Kreditwürdigkeit verschlechtern.

Kündigung laufender Kredite:
Ratenkredite können in der Regel sechs Monate nach der Auszahlung mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten gekündigt werden. In den meisten Fällen wird dabei allerdings die bei Vertragsabschluss gezahlte Bearbeitungsgebühr von der Bank einbehalten.

Viele Banken versuchen es immer wieder: Sie fordern von ihren Kunden Gebühren, die diese gar nicht zahlen müssen.

Quelle: freenet.de
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