60.000 Metaller untermauern mit Streiks Forderung nach mehr Lohn und Flexibilität

Vor der Fortsetzung der Tarifverhandlungen der Metall- und
Elektrobranche am Donnerstag hat die IG Metall den Druck auf die
Arbeitgeber erhöht.
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Vor der Fortsetzung der Tarifverhandlungen der Metall- und Elektrobranche am Donnerstag hat die IG Metall den Druck auf die Arbeitgeber erhöht.

 © Guido Kirchner - dpa/AFP/Archiv
09.01.2018 - 15:13 Uhr

Mehrere zehntausend Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie haben bundesweit mit Warnstreiks ihre Forderungen nach mehr Geld und flexiblen Arbeitszeiten untermauert. Wie die Gewerkschaft IG Metall am Dienstag mitteilte, beteiligten sich allein in Nordrhein-Westfalen fast 32.000 Arbeitnehmer an Arbeitskampfmaßnahmen, insgesamt legten bundesweit demnach knapp 60.000 Metaller zeitweilig die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft forderte von den Arbeitgebern, ihren Forderungskatalog "endlich zur Kenntnis zu nehmen".

Von den Streiks betroffen waren insgesamt 280 Betriebe, darunter Werke von Fahrzeugherstellern wie Daimler, BMW und MAN sowie Zulieferer wie Bosch, Schäffler und Continental. Außerdem beteiligten sich Beschäftigte von Siemens und ThyssenKrupp an dem Ausstand. Sie demonstrierten unter anderem für sechs Prozent mehr Lohn sowie für die Möglichkeit einer zeitlich begrenzten 28-Stunden-Woche. Beschäftigte mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen sollen dafür einen teilweisen Lohnausgleich bekommen.

Die große Beteiligung an den Warnstreiks mache deutlich, dass die Beschäftigten mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit wollten, erklärte der Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler. "Die Beschäftigten arbeiten gerne, engagiert und viel. Aber sie wollen auch mal kürzer treten können, wenn es ihre Lebensumstände erfordern." Das Bundesland bildete den Schwerpunkt der Streiks, allein dort legten nach Gewerkschaftsangaben rund 32.000 Beschäftigte die Arbeit nieder.

Der Bezirksleiter in Bayern, Jürgen Wechsler, kündigte an: "Wir werden jetzt von Tag zu Tag die Warnstreikbeteiligung in Bayern steigern." Die Beschäftigten in anderen Betrieben "scharren schon mit den Hufen". Am Dienstag beteiligten sich demnach in Bayern rund 6000 Menschen an den Streiks. Hoch war die Streikbeteiligung unter anderem auch in Baden-Württemberg, im Saarland und in Berlin.

Auch für Mittwoch forderte die IG Metall in einer Reihe von Bundesländern die Arbeitnehmer zum Ausstand auf. "Wir werden kräftig nachlegen und in allen fünf norddeutschen Bundesländern zu Warnstreiks aufrufen", erklärte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Die Äußerungen der Arbeitgeber zeigten, dass sie sich bisher nicht mit den Forderungen der Gewerkschaften auseinandersetzen wollten. "Die Beschäftigten erwarten Arbeitszeiten, die zum Leben passen, und werden dafür weiter Druck machen."

Die Arbeitgeber lehnen insbesondere die Forderung nach der Möglichkeit einer 28-Stunden-Woche bei Lohnausgleich als illegal ab, weil sie eine Ungleichbehandlung gegenüber Beschäftigten, die bereits in Teilzeit sind, bedeute. Die Arbeitgeber hatten in den ersten beiden Verhandlungsrunden zwei Prozent mehr Lohn geboten. Sie fordern zudem, mehr Beschäftigte länger als 35 Stunden einsetzen zu dürfen.

Der Bezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, drohte mit einer Eskalation des Konflikts. Die Arbeitgeber hätten sich beim Thema Arbeitszeit "auf eine komplette Vetoposition zurückgezogen und versuchen, ihre Haltung mit Rechtsgutachten zu untermauern", sagte er dem "Handelsblatt". Sollte am Donnerstag noch immer keine Bereitschaft erkennbar sein, darüber zu reden, "wird die Situation weiter eskalieren". Er hoffe aber, dass die Warnstreiks ein "ausreichendes Signal an die Arbeitgeber sind, ernsthaft mit uns zu verhandeln".

Am Donnerstag werden in Böblingen die Tarifverhandlungen für die mehr als 900.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg in dritter Runde fortgesetzt. Insgesamt zählt die Branche in Deutschland etwa 3,9 Millionen Beschäftigte.

Quelle: 2018 AFP
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