Merkel: Digitalisierung kann im Kampf gegen Hunger helfen

Kanzlerin Angela Merkel spricht neben Landwirtschaftsministerin
Julia Klöckner auf der Internationalen Grünen Woche 2019.
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Kanzlerin Angela Merkel spricht neben Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf der Internationalen Grünen Woche 2019.

© Christoph Soeder
18.01.2019 - 19:38 Uhr

Mit dem Bilderbuch-Hof hat Landwirtschaft nicht mehr viel zu tun. Bauern arbeiten heute hoch technisiert. Auf der Grünen Woche betont die Bundeskanzlerin die Chancen, nennt aber auch Handlungsbedarf.

Berlin (dpa) - Roboter in Ställen, präzises Düngen, genauere Wetterprognosen: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet Verbesserungen für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung und den Umweltschutz durch eine stärkere Digitalisierung der Landwirtschaft.

Sie sei "viel mehr Chance, als dass sie uns Angst machen muss", sagte Merkel am Freitag bei einer internationalen Agrarministerkonferenz auf der Grünen Woche in Berlin.

Nötig sei aber auch ein Rahmen, der Rechtssicherheit und Gerechtigkeit bringe, sagte Merkel. Sie verwies unter anderen auf den Schutz und das Eigentum von Daten. Damit Landwirte neue Möglichkeiten nutzen könnten, müsse eine digitale Infrastruktur aufgebaut werden. "Da haben wir in Deutschland auch noch viel zu tun." Es gehe dabei um ein möglichst schnelles Anschließen an das schnelle Internet.

"Wir alle erleben, dass in den ländlichen Regionen das rein marktwirtschaftlich nicht funktioniert, sondern wir brauchen hier auch staatliche Unterstützung." Merkel machte deutlich, dass solche Zugänge allein für die Bauernhöfe nicht reichten, sondern auch bis auf die Felder gebraucht würden.

Bei der Grünen Woche dreht sich seit Freitag alles um Ernährung und Landwirtschaft. Die weltgrößte Agrarmesse öffnete am Vormittag für das Publikum, bis zum 27. Januar werden 400 000 Besucher erwartet.

Dabei standen zum Auftakt auch Probleme von Entwicklungsländern im Blickpunkt. Dort müsse die Lebensmittelproduktion gesteigert werden, sagte Merkel. Nötig seien bessere Marktzugänge und Kredit-Möglichkeiten. Zugleich müssten neue Wege gefunden werden, um Umweltnachteile zu vermeiden. Dafür sei internationale Zusammenarbeit wichtig. "Wer glaubt, er kann das für sein Land alleine lösen und dabei andere über den Tisch ziehen, der wird grauenhaft scheitern."

Merkel wies auch auf Umweltprobleme der Landwirtschaft hin. Der Artenschwund sei weltweit "ein riesiges Thema, auch bei uns in Deutschland". Auf eine nachhaltige Landwirtschaft komme es auch für den Klimaschutz an. Es sei aber besonders für die Tierhaltung "nicht so ganz einfach", die Kohlendioxid-Emissionen (CO2) zu reduzieren.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller mahnte einen stärkeren weltweiten Kampf gegen Kinderarbeit an. "Wir bauen unseren Wohlstand noch viel zu oft auf dem Rücken der Menschen in Entwicklungsländern auf", sagte der CSU-Politiker. Kinderarbeit ist in vielen Ländern Alltag, etwa beim Anbau von Kakao, Nüssen und Gewürzen.

Müller sagte, sollte eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen nicht ausreichen, komme 2020 eine gesetzliche Regelung gegen entsprechende Produkte im Handel. "Schaut nicht nur auf die Politik, tut selbst etwas", rief Müller den Messebesuchern zu. "Kauft keine Produkte, in denen Kinderarbeit steckt."

Für Supermarktkunden ist das aber nicht immer einfach zu erkennen. Siegel des so genannten fairen Handels und Bio-Kennzeichnungen setzen zwar voraus, dass die Händler Kinderarbeit ausschließen. Oft erfassen die Siegel aber nur einen kleinen Teil des Sortiments.

Mit 1750 Ausstellern aus 61 Ländern ist die Beteiligung an der Grünen Woche laut Veranstalter so groß wie nie. Am Samstag wollen in Berlin anlässlich der Messe Tausende für mehr Tier- und Naturschutz in der modernen Landwirtschaft demonstrieren. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) lädt zu einer internationalen Agrarministerkonferenz.

"Landwirtschaft geht uns alle an", sagte Klöckner beim Eröffnungsrundgang. Die Messe bringe städtische Sichtweise und ländliches Kraftzentrum zusammen. Landwirte kamen auch mit Sorgen zur Messe. Immer mehr Äcker im Osten geraten aus Sicht des Deutschen Bauernbunds in die Hand von Kapitalanlegern. "Die Bauern können da gar nicht mithalten", sagte Verbandspräsident Kurt-Henning Klammroth. Der Verband vertritt Familienbetriebe. Spekulanten setzten auf Rendite durch steigende Bodenpreise.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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