Airberlin-Kunden verlangen wegen Verspätungen Schadenersatz in Millionenhöhe

Aus Ärger über ausgefallene Flüge und Verspätungen verlangen
Kunden der angeschlagenen Fluggesellschaft Airberlin Schadenersatz
in Millionenhöhe.
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Aus Ärger über ausgefallene Flüge und Verspätungen verlangen Kunden der angeschlagenen Fluggesellschaft Airberlin Schadenersatz in Millionenhöhe.

 © Ralf Hirschberger - dpa/AFP
13.06.2017 - 09:49 Uhr

Aus Ärger über ausgefallene Flüge und Verspätungen verlangen Kunden der angeschlagenen Fluggesellschaft Airberlin Schadenersatz in Millionenhöhe. Bei dem auf Fluggastrechte spezialisierten Internetportal Flightright seien "bereits Millionen Euro an Erstattungsansprüchen zusammengekommen", sagte Rechtsanwalt Oskar de Felice dem Berliner "Tagesspiegel" vom Dienstag. Seit Anfang 2017 haben sich nach Angaben von Flightright tausende Airberlin-Kunden an das Portal gewendet, damit dieses gegen Provision eine Entschädigung eintreibt.

Dem Bericht zufolge profitieren auch andere Fluggasthelfer-Portale wie EUClaim oder Fairplane von den Problemen bei der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft. Fairplane verzeichnete demnach von Januar bis Ende Mai 3800 Airberlin-Fälle. Dies sei ein Anstieg um 114 Prozent. Hinzu kämen knapp 1800 Beschwerden gegen den Konzern-Ferienflieger Fly-Niki - 720 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Allein an Kunden von Fairplane zahlte Airberlin demnach in diesem Jahr schon 1,85 Millionen Euro. Das Unternehmen selbst nenne keine Zahlen zur Höhe bereits gezahlter Entschädigungen.

In der Debatte um eine Bürgschaft für die angeschlagene Airline lehnte die Flugbegleitergewerkschaft Ufo Staatshilfen ab. "Von Staatsbürgschaften für Airberlin halte ich in der jetzigen Situation nichts", sagte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies der "Rheinischen Post" vom Dienstag. "Nach Aussagen aller Beteiligten" stehe fest, "dass Airberlin nicht unabhängig bleiben kann und Lufthansa das Unternehmen übernehmen will".

Die Kranichlinie solle daher "einen offenen Dialog mit dem Unternehmen und der Belegschaft" von Airberlin darüber führen, unter welchen Bedingungen eine Integration möglich sei. Dabei müssten die Interessen der Airberlin-Mitarbeiter "vernünftig und sozialpartnerschaftlich" in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften besprochen werden.

Die Airberlin-Beschäftigten dürften nicht zu Tochterfirmen auf Mallorca, in Österreich oder gar Irland abgeschoben werden, kritisierte Baublies. "Das geschieht schon oder wurde angedroht", sagte er der "Rheinischen Post". Staatshilfen seien für ihn nur denkbar, wenn als Vorbedingung jede Art von Tarifflucht ausgeschlossen werde.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Airberlin Möglichkeiten für eine Bürgschaft auslotet. Einem Unternehmenssprecher zufolge stellte die Airline eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrages bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, der Bund beteilige sich an der Prüfung eines möglichen Bürgschaftsantrags. Am Montag sagte eine Sprecherin dazu, eine solche Prüfung werde "einige Wochen bis Monate dauern".

Airberlin steckt seit 2008 in den roten Zahlen, unterbrochen nur von einem kleinen Plus im Jahr 2012. Die arabische Fluggesellschaft Etihad hält 29,2 Prozent an der zweitgrößten deutschen Airline, will diese Beteiligung Medienberichten zufolge aber loswerden. Als möglicher Interessent gilt die Lufthansa - allerdings dürfte ein Zusammenschluss der beiden größten deutschen Fluggesellschaften auf hohe wettbewerbsrechtliche Hürden stoßen.

Quelle: 2017 AFP
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