Apple verfehlt Umsatzziele im Weihnachtsgeschäft deutlich

Das iPhone ist das wichtigste Apple-Produkt und brachte zuletzt
rund 60 Prozent der gesamten Erlöse ein.
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Das iPhone ist das wichtigste Apple-Produkt und brachte zuletzt rund 60 Prozent der gesamten Erlöse ein.

 © Richard Drew
03.01.2019 - 16:01 Uhr von Andrej Sokolow, dpa

Apple muss einen seltenen Rückschlag eingestehen: Im wichtigen Weihnachtsquartal verfehlt der Konzern seine Prognose. Das Problem seien vor allem die iPhone-Verkäufe in China gewesen, erklärt Firmenchef Tim Cook. Experten sehen aber auch andere Gründe.

Cupertino (dpa) - Das vergangene Weihnachtsgeschäft ist für Apple deutlich schlechter gelaufen als erwartet. Der iPhone-Konzern senkte die Umsatzprognose für die vergangenen drei Monate auf 84 Milliarden Dollar, während noch im November 89 bis 93 Milliarden erwartet worden waren.

Die kräftige Korrektur gehe vor allem auf die schwächeren iPhone-Verkäufe in China zurück, betonte Konzernchef Tim Cook am Mittwoch. Apple habe die allgemeine wirtschaftliche Abschwächung in dem Land und ihre Folgen unterschätzt. Zu diesem Abschwung habe auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China beigetragen.

Aber auch in einigen entwickelten Märkten seien nicht so viele Nutzer auf neue iPhones umgestiegen wie gedacht, räumte Cook ein. Die betroffenen Länder nannte Apple dabei nicht.

Apple habe im Weihnachtsquartal rund 64 Millionen iPhones verkauft, schätzte die Finanzfirma BTIG. Das wären 18 Prozent weniger als vor einem Jahr. Für das laufende Quartal rechnet BTIG-Analyst Walt Piecyk mit 42,5 Millionen abgesetzten iPhones - ein Rückgang von 19 Prozent.

Die Probleme von Apple in China schüren zugleich insgesamt die Sorge, dass die Konjunkturschwäche auf die Verbraucher-Ausgaben durchschlägt und auch andere internationale Unternehmen trifft, die stark von dem Riesenmarkt abhängig sind. Der von US-Präsident Donald Trump losgetretene Handelsstreit verstärkt dabei die Unsicherheit - auch wenn zum Beispiel Apple-Geräte bisher nicht direkt betroffen sind. Zugleich glauben einige Analysten, dass der Konflikt Verbraucher dazu bringt, aus patriotischer Stimmung eher einheimische Waren zu kaufen.

Das Weihnachtsquartal ist traditionell das lukrativste für Apple. Der Konzern stellte in diesen drei Monaten mehrfach Rekorde bei Umsatz und Gewinn auf. Im Jahr 2017 gab es einen Quartalsumsatz von 88,3 Milliarden Dollar und 20 Milliarden Dollar Gewinn. In China machte Apple damals rund ein Fünftel seines Geschäfts.

Das iPhone ist das wichtigste Apple-Produkt und brachte zuletzt rund 60 Prozent der gesamten Erlöse ein. Schon im laufenden Weihnachtsgeschäft häuften sich die Alarmsignale. Mehrere Medien berichteten, Apple habe die Produktionsaufträge an iPhone-Fertiger gesenkt. Speziell in China sind seit Jahren einheimische Smartphone-Anbieter wie Xiaomi, Huawei oder Vivo auf dem Vormarsch und haben dort auch den weltweiten Marktführer Samsung zurückgedrängt.

Gleichzeitig hatte Apple im vergangenen Jahr noch einmal teurere neue Modelle seines Smartphones herausgebracht. Das günstigste frische Telefon war das iPhone XR, das in Europa ab 849 Euro zu haben ist. Das größere iPhone XS Max kostet in der teuersten Ausstattungsversion 1649 Euro.

Bisher ist unklar, inwieweit die saftigen Preise Verbraucher vom Kauf neuer iPhones abgehalten haben könnten. Die Investmentfirma Needham warf am Donnerstag zumindest die Frage auf, ob die "aggressive Preisstrategie" zu den Schwierigkeiten beitrug. Zugleich dürften die hohen Preise aber auch dafür Sorgen, dass der Umsatz nicht so stark zurückgeht wie die verkauften Stückzahlen.

Analyst Daniel Ives von Wedbush Securities sagte dem Finanzdienst Bloomberg, Apple-Chef Tim Cook stehe vor der Wahl, entweder einzugestehen, dass die Hochpreis-Politik beim iPhone ein Fehler gewesen sei - oder "mit Hochmut" so weiterzumachen wie bisher. Andererseits hatte die Strategie, auf günstige iPhones zu verzichten, Apple in den vergangenen Jahren erst zum profitabelsten Unternehmen der Welt gemacht.

Apple hatte bereits angekündigt, vom Weihnachtsquartal an keine Stückzahlen verkaufter Geräte mehr zu veröffentlichen - was von einigen Marktbeobachtern als Zeichen für eine Abschwächung beim iPhone-Absatz gewertet wurde. Allerdings war es dem Konzern in der Vergangenheit immer wieder gelungen, Skeptiker zu widerlegen.

Apple-Chef Cook verwies jetzt auch darauf, dass Mobilfunk-Anbieter die Subventionen für neue Smartphones heruntergefahren hätten - und sich Verbraucher daran anpassten und seltener die Geräte auswechselten. Apple wolle unter anderem mit dem Rückkauf von iPhones und einer einfacheren Finanzierung gegensteuern. Zudem hätten einige Kunden die Lebenszeit ihrer iPhones mit den günstigeren Angeboten zum Batterieaustausch verlängert. Apple hatte den Preis für den Akku-Wechsel zeitweise stark gesenkt, nachdem bekannt wurde, dass der Konzern die Leistung älterer Geräte mit erschöpften Batterien zum Teil drosselte.

Zugleich seien die Verkäufe mehrerer anderer neuer Produkte wie des iPad Pro, der aktuellen Apple Watch und des Laptops MacBook Air durch Produktionsengpässe gebremst worden, erklärte Cook.

Analysten sahen einen "Silberstreif am Horizont" unter anderem im Anstieg der Erlöse im Dienste-Geschäft auf 10,8 Milliarden Dollar im vergangenen Quartal. Vor einem Jahr waren es 8,5 Milliarden gewesen.

Apple verdient sein Geld traditionell vor allem mit dem Verkauf von Geräten, versucht aber schon seit längerer Zeit, einen stabilen Erlösstrom im Dienstleistungsgeschäft aufzubauen. Dazu gehören zum Beispiel der Online-Speicher iCloud, der Streaming-Service Apple Music und auch der Anteil des Konzerns am Verkaufspreis von Apps. Cook betonte, dass der restliche Umsatz von Apple außerhalb des iPhone-Geschäfts im Jahresvergleich um 19 Prozent gestiegen sei.

Die Apple-Aktie verlor zum US-Handelsstart rund neun Prozent. Auch Papiere von Zulieferern wurden am Donnerstag in Mitleidenschaft gezogen. So fielen Aktien des Halbleiterherstellers Dialog Semiconductor zeitweise um 8 Prozent.

Ausführlichere Zahlen zum Weihnachtsquartal will Apple am 29. Januar veröffentlichen.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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