Aussicht auf Milliarden-Deal beflügelt Bombardier-Aktie

Bombardier: Die Aktien des angeschlagenen kanadischen
Unternehmens gingen in Toronto mit einem Kursplus von mehr als zehn
Prozent aus dem Handel.
Bild 1 von 1

Bombardier: Die Aktien des angeschlagenen kanadischen Unternehmens gingen in Toronto mit einem Kursplus von mehr als zehn Prozent aus dem Handel.

 © Niall Carson

Spekulationen über Spartenverkäufe des schwächelnden kanadischen Bombardier-Konzerns halten die Finanzmärkte schon länger auf Trab. Nun sorgt ein Medienbericht für mächtig Kursbewegung - demnach steht eine milliardenschwere Übernahme schon unmittelbar bevor.

Toronto (dpa) - Medienberichte und Marktspekulationen über einen angeblichen Verkauf des Eisenbahngeschäfts an den französischen Bahntechnikhersteller Alstom haben dem Bombardier-Konzern kräftig Auftrieb an der Börse gegeben.

Die Aktien des angeschlagenen kanadischen Unternehmens gingen in Toronto mit einem Kursplus von mehr als zehn Prozent aus dem Handel. Nach "Handelsblatt"-Informationen aus Industriekreisen will Alstom für sieben Milliarden Euro die gesamte Zugsparte der Kanadier übernehmen. Bombardier Transportation hat nach Angaben des Unternehmens rund 40.650 Beschäftigte, Hauptsitz der Sparte ist Berlin. Insgesamt hat der Bombardier-Konzern, dessen zweites Standbein der Flugzeugbau ist, mehr als 68.000 Mitarbeiter.

Zuvor hatten bereits der Finanznachrichtendienst Bloomberg und französische Medien über Gespräche zwischen den Konzernen berichtet. Anleger spekulieren ohnehin schon länger über Spartenverkäufe. Sprecher von Bombardier und Alstom sagten am Mittwochabend auf Nachfrage, dass sie Marktgerüchte nicht kommentieren würden.

Dem "Handelsblatt" zufolge soll die Übernahme bereits am Donnerstagmorgen bekanntgegeben werden. Zwischenzeitlich sei auch der japanische Zugbauer Hitachi interessiert gewesen. Durch den Deal zwischen Alstom und Bombardier entstehe ein neuer großer Eisenbahntechnikkonzern mit etwa 15 Milliarden Euro Umsatz.

Die Transaktion könnte allerdings auf Widerstand der Kartellbehörden stoßen. Alstom war erst vor einem Jahr an Bedenken der europäischen Wettbewerbskommission mit dem Versuch gescheitert, mit Siemens Mobility zu fusionieren. Die Aufseher stoppten den Zusammenschluss trotz Warnungen vor einer zunehmenden Bedrohung durch chinesische Konkurrenz. 2017 hatte es auch schon Spekulationen gegeben, dass Bombardier und Siemens ihre Zugsparten zusammenlegen könnten.

Bombardier tut sich schon länger schwer. Die Kanadier hatten im vorigen Monat den Kapitalmarkt mit einer Gewinnwarnung schockiert. Hintergrund für die um die Hälfte gestrichene Erwartung an die Gewinnentwicklung im abgelaufenen Jahr ist auch das schlecht laufende Eisenbahngeschäft. Dem französischen Finanzsender BFM zufolge verhandeln Alstom und Bombardier schon seit Wochen über einen Deal.

Alstom hatte zuletzt Aufträge für 3,6 Milliarden Euro erhalten, darunter ein Großauftrag für das Schienennetz der australischen Metropole Perth, wie der Konzern Mitte Januar in Paris mitteilte. Damit verzeichnete das Unternehmen den höchsten Wert in einem Quartal im laufenden Geschäftsjahr. Alstom hat derzeit nach eigenen Angaben rund 36.300 Mitarbeiter in 60 Ländern.

Quelle: dpa-infocom GmbH
Top-Themen
Die Corona-Krise trifft auch den Wohnungsmarkt: Besichtigungen finden nicht mehr statt, Käufer dürften sich aus Sorge ...mehr
Die globale Konjunktur leidet unter dem neuartigen Coronavirus. Unternehmen legen ihre Fabriken still, der Handel stockt.mehr
Der Bund stellt Staatshilfen für Personen bereit, die wirtschaftlich von der Coronakrise betroffen sind: kleine ...mehr
Anzeige