Beschäftigung in Deutschland deutlich höher als im OECD-Durchschnitt

Ende 2016 lag die Beschäftigung in Deutschland bei 66 Prozent
der Bevölkerung im Alter von 15 bis 74 Jahren. Dies ist deutlich
höher als der OECD-Durchschnitt von 61 Prozent.
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Ende 2016 lag die Beschäftigung in Deutschland bei 66 Prozent der Bevölkerung im Alter von 15 bis 74 Jahren. Dies ist deutlich höher als der OECD-Durchschnitt von 61 Prozent.

 © Sebastian Kahnert - dpa/AFP
13.06.2017 - 12:40 Uhr

Der deutsche Arbeitsmarkt schneidet im internationalen Vergleich sehr gut ab - hat allerdings auch Schwachstellen: Ende 2016 erreichte die Beschäftigung in Deutschland 66 Prozent der Bevölkerung im Alter von 15 bis 74 Jahren, wie aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Beschäftigungsausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht. Dies sei deutlich höher als der OECD-Durchschnitt von 61 Prozent.

Auch die Einführung des Mindestlohns Anfang 2015 habe den seit sieben Jahren währenden Rückgang der Arbeitslosigkeit nicht unterbrochen. Vielmehr sei bis Ende 2018 ein weiterer Rückgang der Arbeitslosenquote in Deutschland zu erwarten, die dann voraussichtlich weniger als die Hälfte des Vorkrisenniveaus von 2007 betragen werde.

Trotz der "besonders niedrigen Arbeitslosigkeit" und der zunehmenden Zahl offener Stellen sei das Lohnwachstum jedoch verhalten geblieben, stellt die Studie fest. So seien die Einstiegslöhne für Zuwanderer niedrig und viele ältere Arbeitnehmer und Zweitverdiener hätten schlecht bezahlte Minijobs.

Als ausdrückliche Schwächen im Vergleich zum OECD-Durchschnitt nennt der Bericht für Deutschland einen höheren Anteil von Arbeitsplätzen mit starkem arbeitsbedingtem Stress sowie eine große Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen. Letztere sei vor allem darauf zurückzuführen, dass Frauen weniger Arbeitsstunden aufweisen als Männer. Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Vollzeitarbeit empfiehlt die OECD flächendeckende Angebote für die Ganztagsbetreuung von Kindern.

Der Bericht bescheinigt dem gesamten OECD-Raum eine weitere Erholung der Arbeitsmärkte. Die Beschäftigung erreiche langsam wieder das Niveau vor der Weltwirtschaftskrise. Allerdings profitierten nicht alle gleichermaßen von dem Aufschwung, untere und mittlere Löhne stagnieren demnach. Gleichzeitig gehe die Nachfrage nach mittleren Qualifikationen zurück.

"Damit nimmt die Ungleichheit zu, wie auch die Befürchtung, dass Spitzenverdiener übermäßig von den Früchten des Wachstums profitieren", erklärt die OECD. Mit Blick auf die Kritik an der Globalisierung heißt es, der Beschäftigungsbericht habe gezeigt, "dass der technologische Wandel eine weit stärkere Triebkraft hinter der Polarisierung der Arbeitsmärkte" sei "als offene Märkte".

Die Polarisierung der Arbeitsmärkte im OECD-Raum sei etwa zu einem Drittel auf eine Verlagerung der Beschäftigung vom verarbeitenden Gewerbe hin zu Dienstleistungen zurückzuführen. So fänden Fachkräfte aus der Industrie nach einem Jobverlust oft nur schlechter bezahlte Jobs im Dienstleistungssektor. Zwei Drittel der Polarisierung seien auf eine Verlagerung der Nachfrage hin zu Tätigkeiten mit entweder niedriger oder hoher Qualifikation innerhalb der Branchen zurückzuführen.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linkspartei, Jutta Krellmann, bezeichnete die Polarisierung des Arbeitsmarkts als "hausgemacht". "Gute Arbeit und faire Löhne erreicht man nicht, wenn man Deregulierung und Flexibilisierung praktiziert und prekäre Beschäftigungsformen toleriert", kritisierte Krellmann. Stattdessen müsse neben den Mitbestimmungsrechten das soziale Sicherungsnetz ausgebaut werden. Erst wenn die Beschäftigten sich auf beides verlassen könnten, könnten sie schlechte Arbeitsbedingungen ablehnen und Arbeitgeber seien gezwungen, bessere Arbeitsbedingungen anzubieten.

Quelle: 2017 AFP
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