Flugausfälle und Verspätungen alarmieren Verbraucherschützer

Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller hat
angesichts von Verspätungen und Flugausfällen bei Lufthansa und
Eurowings Konsequenzen gefordert.
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Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller hat angesichts von Verspätungen und Flugausfällen bei Lufthansa und Eurowings Konsequenzen gefordert.

 © Henning Kaiser - dpa/AFP/Archiv
29.06.2018 - 09:58 Uhr

Die steigende Zahl von Flugausfällen und Verspätungen an deutschen Flughäfen schürt die Sorge vor Chaos zur Ferienzeit. Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller forderte angesichts von Ausfällen bei der Lufthansa und ihrer Billigflugtochter Eurowings Konsequenzen. Die Schwierigkeiten dürften sich nicht "zu einem Drama für Verbraucher ausweiten".

Wie das Fluggastrechteportal EUclaim am Freitag mitteilte, wurden in diesem Jahr allein bis zum 20. Juni deutschlandweit 15.571 Flüge gestrichen. 3778 weitere Maschinen hoben erst mit einer Verspätung von mehr als drei Stunden ab. Damit fielen erheblich mehr Flüge aus als im Vorjahreszeitraum: Bis zum 20. Juni 2017 hatte es bei Flügen von und nach Deutschland sowie innerhalb des Landes noch 8826 Annullierungen und 2268 Verspätungen gegeben.

Verbraucherschützer Müller zeigte sich insbesondere wegen massenhafter Verspätungen und Flugausfälle bei Lufthansa und Eurowings alarmiert. Die Lufthansa habe sich zwar entschuldigt, sehe jedoch im gleichen Atemzug die Gründe in Fluglotsenstreiks, Engpässen bei Flugsicherung und Flughäfen sowie im unberechenbaren Wetter. "Hier drängt sich die Frage auf, ob sich Lufthansa mit der Air-Berlin-Übernahme nicht doch verhoben hat", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) dem "Handelsblatt".

Lufthansa sei auch mit dem Ziel zur Air-Berlin-Übernahme angetreten, es besser zu machen, sagte Müller weiter. Nun aber erlebten Verbraucher ein "Déjà-vu": Flugplanänderungen, Verspätungen und Flugausfälle führten nicht nur zu langen Wartezeiten und "erheblichen Unsicherheiten" bei Flugreisenden. Tausende Lufthansa- und Eurowings-Kunden seien gar nicht erst an ihr Urlaubsziel gelangt, in der Ferne gestrandet oder ohne Gepäck angekommen.

Lufthansa müsse nun "schnellstens seiner Entzauberung entgegenwirken", forderte Müller. Dazu gehörten ein stabiler Flugplan, aber auch genügend flugbereite Maschinen und Mitarbeiter. Schon der Sommer im vergangenen Jahr sei für Urlauber wegen der Air-Berlin-Pleite eine "Katastrophe" gewesen.

Das Verbraucherschutzministerium forderte Lufthansa und Eurowings auf, an einem "kundenorientierten Beschwerdemanagement" zu arbeiten. Staatssekretär Gerd Billen sagte dem "Handelsblatt", außergewöhnliche Umstände dürften nicht zur Pauschalbegründung bei Nicht-Zahlung werden.

Billen riet Verbrauchern, ihre Ansprüche einzufordern und sich dafür an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) oder an die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz zu wenden. Das sei unkompliziert und kostenlos.

Die privatrechtlich organisierte SÖP befasst sich seit November 2013 mit Schlichtungen zwischen Fluggesellschaften und ihren Kunden. Voraussetzung ist, dass Passagiere sich zunächst erfolglos beschwert haben. Für Schlichtungen mit Airlines, die nicht der SÖP oder einer vergleichbaren privatrechtlichen Stelle angeschlossen sind, ist die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz zuständig.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings hatte ebenso wie die britische Airline Easyjet viele Strecken der insolventen Air Berlin übernommen; in Deutschland hat Eurowings inzwischen einen Marktanteil von über 50 Prozent. Danach folgen Ryanair mit 18,2 Prozent und Easyjet mit 16,7 Prozent.

Auf Ryanair-Kunden könnten während der Sommerurlaubszeit Streiks der deutschen Piloten zukommen. Bis Ende Juli läuft dazu eine Urabstimmung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die damit ihre Forderung nach Tarifvereinbarungen zu ihrer Vergütung und den Arbeitsbedingungen untermauern will.

Zu einer Geduldsprobe an deutschen Flughäfen können für Reisende indes auch die Sicherheitskontrollen werden. Wie die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf den Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL berichtete, gibt es hierzulande einen deutlich höheren Zeitverlust als bei Kontrollen an Flughäfen im Ausland.

Demnach schleust etwa der Frankfurter Flughafen pro Stunde 80 Passagiere durch eine Sicherheitsspur, München 100, Köln und Hamburg bis zu 110 Reisende. Die Airports in Brüssel-Zaventem und Madrid schaffen allerdings jeweils 200 Passagiere pro Sicherheitsspur, Amsterdam 185 und London-Heathrow mindestens 160 Passagiere.

Quelle: 2018 AFP
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