Geteiltes Echo bei Gewerkschaften auf Vorstoß zum kostenlosen Nahverkehr

Die Oberbürgermeister von fünf Städten treffen sich am Montag
mit Beamten der Bundesregierung in Bonn, um über Maßnahmen zur
Reduktion der Stickoxid-Belastung zu sprechen.
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Die Oberbürgermeister von fünf Städten treffen sich am Montag mit Beamten der Bundesregierung in Bonn, um über Maßnahmen zur Reduktion der Stickoxid-Belastung zu sprechen.

 © Marcel Kusch - dpa/AFP/Archiv
14.02.2018 - 07:14 Uhr

Die von der Bundesregierung ins Gespräch gebrachte Idee eines kostenlosen Nahverkehrs stößt bei Gewerkschaften auf ein geteiltes Echo. Verdi-Chef Frank Bsirske sagte dem "Handelsblatt" vom Mittwoch, er halte das für eine "hervorragende Initiative". Das helfe sowohl der Umwelt als auch den Bürgern.

Kritisch äußerte sich hingegen der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner. Er zeigte sich im Gespräch mit der Zeitung skeptisch, dass die erwogene Maßnahme das Problem schlechter Luft in den Städten löse. Heute seien Zugausfälle, Verspätungen und übervolle Züge zu Stoßzeiten die Regel. "Das ermuntert niemanden, das Auto stehen zu lassen, selbst wenn die Fahrt mit dem Nahverkehr nichts kostet", sagte Kirchner dem "Handelsblatt".

Nötig sei ein attraktiver Nahverkehr, sagte Kirchner. Für ein leistungsfähiges Angebot, beispielsweise mit Platzreservierung und Serviceleistungen im Zug, würden Fahrgäste auch bezahlen. Insofern gehe die derzeitige Diskussion in die falsche Richtung.

Die Gewerkschafter bezogen sich auf einen am Dienstag bekannt gewordenen Brief dreier Bundesminister an die EU-Kommission. Darin schlagen sie als eine von mehreren möglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in deutschen Städten einen kostenlosen Nahverkehr vor, um die Zahl der Privatautos zu reduzieren.

Aus Köln kamen positive Signale zu dem Vorstoß. Umweltdezernent Harald Rau sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", nötig seien weniger Autos in den Städten. Wäre der öffentliche Nahverkehr kostenlos, würde er auch attraktiver werden. Dazu müssten jedoch zunächst die Netzwerke ausgebaut werden, deshalb sei das eher eine mittel- bis langfristige Lösung, sagte Rau. Die Überlegungen des Bundes seien aber ein Zeichen, die Kommunen nicht länger mit dem Problem alleinzulassen.

Der Chef der Kölner Verkehrs-Betriebe und des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, Jürgen Fenske, zeigte sich ebenfalls erfreut: "Endlich erkennt auch die Bundesregierung die Schlüsselrolle des öffentlichen Nahverkehrs für Luftreinhaltung und Klimaschutz", sagte er der Zeitung.

Quelle: 2018 AFP
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