Klöckner will stärkeren Dialog über Landwirtschaft anstoßen

Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und
Landwirtschaft, spricht bei einer Veranstaltung des Bundes der
Deutschen Landjugend auf der Grünen Woche.
Bild 1 von 1

Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, spricht bei einer Veranstaltung des Bundes der Deutschen Landjugend auf der Grünen Woche.

 © Annette Riedl

Es gibt Demos und Gegen-Proteste: Darüber, wie Bauern mit Natur und Tieren umgehen sollen, gibt es zusehends verhärtete Ansichten. Die Bundesregierung startet jetzt Gespräche, die zusammenführen sollen.

Berlin (dpa) - Bundesagrarministerin Julia Klöckner will angesichts des anhaltenden Streits über die Rolle der Landwirtschaft einen stärkeren Dialog anstoßen.

Es gebe die Chance, über gegenseitige Sichtweisen zu reden und dabei vielleicht das eine oder andere Weltbild zu korrigieren, sagte die CDU-Politikerin zum Auftakt einer Diskussionsreihe ihres Ministeriums auf der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin.

Unter dem Motto "Stadt, Land, Du" sind dafür ab 25. März Veranstaltungen in mehreren Städten vorgesehen, die Bauern, Umwelt- und Verbraucherschützer zusammenbringen sollen.

"Weder sind die einen die kompletten Spinner aus der Stadt, noch sind die anderen die Umweltverschmutzer vom Land", sagte Klöckner. Die Branche habe Mehrwert geschaffen, aber die gesellschaftliche Wertschätzung stagniere oder sei sogar gewichen.

Dabei müsse jeder einzelne Landwirt inzwischen mehr als nur die Ernährung sichern, etwa Klimaziele erfüllen und Insekten schützen. Es sei Frustration auf allen Seiten entstanden, es gebe das Gefühl von Parallelwelten. "Ich glaube, dass mit Wissen die Wertschätzung steigt."

Klöckner hatte ein solches "Nationales Dialogforum Landwirtschaft" im Dezember nach einem "Agrargipfel" bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt. Hintergrund ist auch, dass Landwirte seit Monaten mit Traktoren in Städten gegen geplante weitere Auflagen zum Umwelt- und Tierschutz demonstrieren.

Sie fordern außerdem mehr Mitsprache und Wertschätzung für ihre Arbeit. Unmut gibt es auch über geplante erneute Düngebeschränkungen zum Grundwasserschutz auf Druck der EU.

In der Diskussion auf der Grünen Woche wurde unter anderem darüber gesprochen, dass auch landwirtschaftliche Fachsprache Verständnis erschwere. Zudem würden Bauern als einzelne Personen oft positiv eingeschätzt, auch wenn die Branche generell negativ gesehen werde.

Grünen-Agrarexperte Friedrich Ostendorff kritisierte, Zweck von Klöckners Veranstaltung sei nur gewesen, sich in Szene zu setzen und Fortschritt zu propagieren, wo keiner sei. Wie die kommenden Treffen aussehen und welche Ziele konkret damit verbunden sind, bleibe offen.

Quelle: dpa-infocom GmbH
Top-Themen
Die gute Nachricht: Kläger im Diesel-Musterverfahren sollen jetzt doch Geld von VW bekommen. Die schlechte: Konzern ...mehr
Umweltschützer sind gegen die Rodung eines Waldes bei Berlin für das neue Werk des Elektroautobauers Tesla. Jetzt ...mehr
Als die Bundesregierung vor fünf Jahren einen gesetzlichen Mindestlohn einführte, war das in anderen Ländern längst ...mehr
Anzeige