Kosten für Miete und Nebenkosten belasten Deutschlands Großstädter stark

Vier von zehn Haushalten in deutschen Großstädten müssen mehr
als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Das
entspricht etwa 5,6 Millionen Haushalten, wie die gewerkschaftsnahe
Hans-Böckler-Stiftung erklärte.
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Vier von zehn Haushalten in deutschen Großstädten müssen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Das entspricht etwa 5,6 Millionen Haushalten, wie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung erklärte.

© Silas Stein - dpa/AFP/Archiv
13.09.2017 - 09:58 Uhr

Vier von zehn Haushalten in deutschen Großstädten müssen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Das entspricht etwa 5,6 Millionen Haushalten, wie eine am Mittwoch vorgestellte Untersuchung der 77 deutschen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern durch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung ergab. In gut einer Million Haushalte geht sogar mehr als die Hälfte des Einkommens für die Miete drauf.

Die mittlere Mietbelastung in den Großstädten liegt bei 27 Prozent, wie die Studie ergab. Dabei gibt es hohe Unterschiede in den Städten: Während die Mieter in Chemnitz durchschnittlich nur 20,9 Prozent ihres Nettoeinkommens für Miete und Nebenkosten aufwenden müssen und dort auch die Quadratmeterpreise im Vergleich am geringsten sind, liegt die Belastung in Bonn bei 30,3 Prozent. Diesem Spitzenwert nähern sich auch Neuss (30,1 Prozent), Köln (29,3 Prozent), Düsseldorf (29,2 Prozent) und Bremen (29,1 Prozent).

Vergleichsweise weniger ihres Einkommens aufwenden müssen Verbraucher außer in Chemnitz auch in Heidelberg (21,4 Prozent), Wolfsburg (21,9 Prozent) sowie in den ostdeutschen Städten Leipzig, Dresden und Jena (jeweils knapp 23 Prozent).

Die 10 größten Mietrechtsirrtümer im Überblick:

  1. Ein bis zwei laute Partys pro Jahr sind ok
    Das klingt nach einer einfachen Regel, sie gilt aber leider nicht. Im Gegenteil: Grundsätzlich ist die Nachtruhe einzuhalten, und zwar von 22 bis 6 Uhr. Musik und Gespräche darf es dann eigentlich nur in Zimmerlautstärke geben...
  2. Nur Mängel am Wohnhaus selbst berechtigen zu Mietminderung
    Auch Einwirkungen von außerhalb spielen eine Rolle - Die Wohnung muss zwar laut Gesetz einen "Mangel" haben. Das kann aber auch starker Baulärm aus der Nachbarschaft sein oder die Geruchs- und Geräuschbelästigung aus einer Imbissbude...
  3. Der Vermieter darf einen Schlüssel haben
    Nur wenn es ausdrücklich im Mietvertrag steht, kann der Vermieter einen Zweitschlüssel zurückbehalten. Aber auch dann darf er die Mietwohnung in aller Regel nicht betreten. Ohne die ausdrückliche Zustimmung des Mieters wäre das Hausfriedensbruch und strafbar...
  4. Ein Mietvertrag muss schriftlich sein
    Nicht unbedingt, wichtig ist nur, dass man sich über die Wohnung, den Mietbeginn und die Miethöhe einig ist. Sagt der Mieter: "Super, ich nehm` die Wohnung und könnte am 1. November einziehen", genügt als Antwort des Vermieters ein schlichtes "Einverstanden"...
  5. Tierverbot heißt: Jedes Haustier ist tabu
    Eher das Gegenteil ist der Fall - Steht im Mietvertrag ein uneingeschränktes Verbot jeder Tierhaltung, ist diese Klausel laut Bundesgerichtshof unwirksam. Denn sonst dürfte der Mieter nicht einmal kleine Haustiere wie Wellensittiche oder Goldhamster haben...
  6. Der Vermieter kann Untermieter verbieten
    Der Vermieter kann sich nicht grundsätzlich sperren, muss aber informiert werden, wenn außer den im Mietvertrag genannten Personen weitere Bewohner einziehen wollen. Sind das z. B. Geschwister oder der Lebenspartner des Mieters, darf er seine Zustimmung nicht verweigern...
  7. Die Reinigung des Gebäudes gehört immer zu den Nebenkosten
    Zu den anteiligen Betriebskosten zählt zwar die Reinigung des Treppenhauses und anderer Gemeinschaftsräume. Wie bei anderen Posten in der Nebenkostenabrechnung, sollten Mieter aber darauf achten, dass die Eigentümer keine sogenannten Instandhaltungs- oder Reparaturkosten abwälzen...
  8. Präsentiert man drei Nachmieter, kommt man aus dem Mietvertrag
    Das ist ein Gerücht, das sich seit Jahren hält. Richtig ist: Der Vermieter muss den Mieter grundsätzlich nicht aus dem Vertrag entlassen – egal, wie viele Nachfolger er ihm vorstellt...
  9. Nach Ablauf der Kündigungsfrist kann der Vermieter räumen lassen
    So schnell geht es nicht. Weigert sich der Mieter trotz fristgerechter und auch sonst korrekter Kündigung, auszuziehen, muss er zuerst verklagt werden...
  10. Bei Eigenbedarf muss der Mieter raus
    Die Hürden für eine Eigenbedarfskündigung liegen ziemlich hoch. Das gilt selbst dann, wenn der Vermieter die Wohnung für sich oder einen nahen Verwandten braucht. Der Eigenbedarf darf zum Beispiel nicht schon bei Abschluss des Mietvertrags für die Eigentümer "vorhersehbar" gewesen sein...

Die Forscher stellten zudem gravierende Unterschiede zwischen reicheren und ärmeren Haushalten bei der Belastungsquote fest: Während Haushalte mit höherem Einkommen durchschnittlich 17,2 Prozent davon für die Bruttokaltmiete aufwenden müssen, sind es bei den Haushalten an der Armutsgrenze 39,7 Prozent. In 54 der 77 untersuchten Städte müsse zudem durch wachsende Einwohnerzahlen von einem "angespannten Wohnungsmarkt" ausgegangen werden. Für ihre Studie untersuchte die Hans-Böckler-Stiftung Daten des Mikrozensus 2014.

Über Jahrzehnte in Deutschland gepflegte sozialpolitische Ansätze, beim Wohnen "Einkommensunterschiede zu mildern und einen Beitrag zur sozialen Kohäsion zu leisten" hätten sich "weitgehend aufgelöst", erklärte der Soziologe Henrik Lebuhn von der Berliner Humboldt-Universität, Hauptautor der Studie. Die Wohnbedingungen seien damit nicht nur ein "Spiegel bestehender Ungleichheit", sondern trügen auch selbst durch die hohe Mietkostenbelastung zu einer wachsenden Ungleichheit bei.

Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt forderte vor diesem Hintergrund eine "echte Mietpreisbremse, weniger Mieterhöhungsmöglichkeiten und einen gemeinnützigen Wohnungsmarkt". Bezahlbare Mieten seien die Voraussetzung, um überhaupt etwas für die eigene Wohnung ansparen zu können, fügte sie hinzu.

Quelle: 2017 AFP
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