Ökostrom-Umlage sinkt - Strompreise könnten dennoch steigen

Windpark «Odervorland» bei Jacbobsdorf in Brandenburg.
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Windpark «Odervorland» bei Jacbobsdorf in Brandenburg.

 © Patrick Pleul
12.10.2018 - 13:16 Uhr

Der Strompreis setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen - ein wichtiger ist die Ökostrom-Umlage. Diese dürfte für 2019 zwar sinken. Es gibt aber Belastungen an anderer Stelle.

Berlin (dpa) - Trotz einer Entlastung bei der Ökostrom-Umlage könnten die Strompreise für Privathaushalte im kommenden Jahr insgesamt leicht steigen. Grund sind vor allem erwartete höhere Netzentgelte und Beschaffungskosten.

Die Abgabe zur Förderung der erneuerbaren Energien (EEG-Umlage) könnte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im kommenden Jahr auf 6,4 Cent je Kilowattstunde sinken. Derzeit sind es knapp 6,8 Cent. Die Höhe der EEG-Umlage wird am Montag offiziell bekanntgegeben. Zuerst hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über die erwartete Senkung berichtet.

Die Umlage finanziert die Ökostrom-Förderung für die Betreiber von Solar-, Windkraft-, Wasserkraft-, Biogas- oder Geothermieanlagen. Alle Stromkunden müssen sie bezahlen, für bestimmte Industriebranchen und Gewerbe gibt es allerdings Rabatte. Die EEG-Umlage ist ein wichtiger Bestandteil des Strompreises, sie macht ungefähr ein Viertel des Strompreise aus. Dazu kommen neben den Netzentgelten aber auch noch Steuern, weitere Abgaben und Umlagen sowie die Produktionskosten.

Bei den Netzentgelten erwarten Verbraucherportale dagegen Steigerungen, etwa bei den lokalen Verteilnetz-Betreibern. Über die Verteilnetze gelangt Strom an die Endverbraucher wie private Haushalte.

Diese Steigerungen könnten Entlastungen bei der EEG-Umlage mehr als aufheben. "Auch wenn die EEG-Umlage laut aktueller Prognosen sinkt, werden die Strompreise vermutlich sogar steigen", sagte der Energieexperte des Verbraucherportals Verivox, Mathias Köster-Niechziol, am Freitag.

Aktuell wiesen die Ankündigungen für rund die Hälfte aller deutschen Haushalte auf leicht steigende Netzentgelte. Gleichzeitig seien die Großhandelspreise deutlich angestiegen. Verivox gehe daher von einer kurz- bis mittelfristigen Erhöhung des durchschnittlichen Preisniveaus von 2 bis 5 Prozent aus. "Das hieße Mehrkosten für einen 3- bis 4-Personenhaushalt von rund 30 bis 40 Euro pro Jahr."

Nach Darstellung des Verbraucherportals Check24 liegen für 60 Prozent der Stromversorgungsgebiete Netznutzungsentgelte für 2019 vor. Diese fallen demnach im Schnitt 3,5 Prozent höher aus als 2018. Die Entlastung bei der EEG-Umlage werde dadurch zu einem großen Teil aufgehoben.

Auch der Energieverband BDEW hatte bereits für die meisten Stromverbraucher in Deutschland im nächsten Jahr mit steigenden Strompreisen gerechnet. Preistreiber beim Strompreis seien höhere Beschaffungskosten. Außerdem machten Steuern, Abgaben und Umlagen inzwischen 54 Prozent des Strmoreises aus. Die Strompreise für private Haushalte seien in den vergangenen zehn Jahren vor allem dadurch deutlich gestiegen, sagte der Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Stefan Kapferer, der Deutschen Presse-Agentur. Kapferer hatte von der Bundesregierung massive Entlastungen beim Strompreis gefordert.

Die mittelständische Industrie sieht ihre Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr. Neben der EEG-Umlage drohten weiter stark steigende Energiewendeumlagen und Netzentgelt, sagte die Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie, Ingeborg Neumann. Die EEG-Umlage für die 95 Prozent nicht entlasteten mittelständischen Industrieunternehmen sei viel zu hoch. Dadurch könnten dringend benötigte Investitionen in stromintensiven Bereichen nicht getätigt werden.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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