SAP rüstet sich mit teurer Übernahme gegen die US-Konkurrenz

Unternehmenszentrale von SAP in Walldorf. Foto: Uwe
Anspach
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Unternehmenszentrale von SAP in Walldorf. Foto: Uwe Anspach

 © Uwe Anspach
12.11.2018 - 15:38 Uhr von Marco Engemann, dpa-AFX

Nach einem Milliardengeschäft zu Jahresbeginn wollte sich SAP eigentlich auf kleinere Übernahmen verlegen. Nun schlägt der Softwarekonzern aber erneut in ganz großem Stil zu, um sich einen großen Konkurrenten vom Hals zu halten.

Walldorf (dpa) - Europas größter Softwarekonzern SAP legt im Wettlauf mit der Konkurrenz noch einmal nach und leistet sich einen weiteren milliardenschweren Zukauf.

Für das US-Unternehmen Qualtrics, das eigentlich bald an die Börse gehen wollte, legt SAP 8 Milliarden US-Dollar (rund 7 Mrd. Euro) auf den Tisch, wie der Dax-Konzern in der Nacht zum Montag ankündigte. Es ist die zweite Milliardenübernahme in diesem Jahr, mit der SAP-Vorstandschef Bill McDermott gezielt im Revier des US-Rivalen Salesforce wildert - und es ist in Euro gerechnet die teuerste des Konzerns überhaupt.

Qualtrics ist spezialisiert auf das Sammeln von Kunden-, Mitarbeiter- und Produktdaten. Unter anderem sollen Webseitenbesucher so schneller wiedererkannt werden, um ihnen gezielt Produkte anbieten zu können. Vor allem die Verbindung mit Daten aus dem eigenen Unternehmen verheiße gutes Geschäft für die Kunden, sagte McDermott.

SAP hatte sich eigentlich auf kleinere Übernahmen konzentrieren wollen, nachdem der Konzern Anfang des Jahres bereits 2,4 Milliarden Dollar für Callidus ausgegeben hatte. Dieses Unternehmen bietet vor allem Vertriebsmitarbeitern die Möglichkeit, vor Ort beim Kunden Angebote zu erstellen - was eine Domäne des großen Konkurrenten Salesforce ist.

"Wir hätten niemals gedacht, dass wir Qualtrics bekommen könnten", sagte McDermott und verwies auf einen "massiven" Markt mit einem Volumen von mehr als 44 Milliarden Dollar, den man mit Qualtrics beackern könne. Analysten der NordLB etwa nannten den Kaufpreis für die Übernahme von Qualtrics allerdings "recht sportlich".

Im Kampf mit dem großen Cloud-Konkurrenten Salesforce hat der seit 2014 allein amtierende Vorstandschef McDermott die Schlagzahl in diesem Jahr merklich erhöht. Bei Cloudsoftware geht es um Programme, die die Nutzer über das Internet abrufen und die vorwiegend über ein Mietmodell bezahlt werden - was den Umsatz gleichmäßig verteilt und damit langfristig planbar macht. Salesforce ist Branchenprimus in der Cloud - SAP hat insgesamt die Nase vorn bei Software für Unternehmen, also inklusive fest installierter Programme auf den Rechnern der Kunden.

McDermott war es, der zusammen mit Co-Chef Jim Hagemann Snabe nach dem Amtsantritt 2010 den Konzern auf die heute so schnell wachsende Cloudsoftware trimmte, weil den Walldorfern mittelfristig die Wachstumschancen wegzubrechen drohten. Seitdem hat der Konzern für Dutzende Milliarden in dem Geschäft zugekauft und seine eigene Kernsoftware ebenfalls in die Cloud gebracht.

Mit 8 Milliarden ist Qualtrics in Dollar gemessen zwar etwas billiger als das 2014 gekaufte Unternehmen Concur, ein Hersteller von Reisekostensoftware. Da der Euro damals aber mehr wert war, lag der umgerechnete Kaufpreis unter den 7 Milliarden Euro für Qualtrics, die SAP bar zahlen will. Die Übernahme soll im ersten Halbjahr 2019 abgeschlossen sein.

Die zugekaufte Firma erwarte für das Gesamtjahr 2018 über 400 Millionen Dollar Umsatz und zukünftige Wachstumsraten von über 40 Prozent, hieß es.

McDermott stellte in Aussicht, dass Gesamtumsatz und operatives Ergebnis von SAP nach der Übernahme nun prozentual zweistellig wachsen würden, das operative Ergebnis dabei etwas schneller als der Umsatz. Die Prognose für den Konzern will Finanzchef Luka Mucic anpassen, wenn der Deal abgeschlossen ist. Die erwähnten Wachstumsraten würden aber vorerst nur für ein paar Quartale gelten.

Dem Finanzchef kommt entgegen, dass Qualtrics mit seinen Cloudangeboten profitabel ist und der Anteil dessen, was vom Umsatz am Ende übrig bleibt, höher ist als bei SAP selbst. Das SAP-Management hatte den Anlegern versprochen, diese Marge in diesem Jahr erstmals seit 2013 wieder zu steigern. Wegen Investitionen in die Cloud war sie in den vergangenen Jahren unter Druck gekommen.

Da Salesforce im Wesentlichen nur die schneller wachsenden Cloudangebote anbietet, könnte das 1999 gegründete Unternehmen SAP auch beim Gesamtumsatz einholen. Noch sind die Größenverhältnisse aber eindeutig: SAP machte vergangenes Jahr mit Software on- und offline 19,5 Milliarden Euro Umsatz, davon 3,8 Milliarden in der Cloudsparte. Salesforce brachte im Geschäftsjahr 2017/18 (Ende Januar) umgerechnet rund 9 Milliarden Euro Umsatz auf die Waage, davon mehr als 90 Prozent mit der Cloud.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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