Studie: Reallöhne in Europa steigen trotz Aufschwungs nur langsam

Trotz der verbesserten Wirtschaftslage steigen die Löhne in
Europa einer Studie zufolge nur langsam an. 2016 legten die realen
Effektivlöhne im EU-Schnitt um 1,5 Prozent zu, im laufenden Jahr
dürfte der Zuwachs durchschnittlich 0,4 Prozent betragen.
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Trotz der verbesserten Wirtschaftslage steigen die Löhne in Europa einer Studie zufolge nur langsam an. 2016 legten die realen Effektivlöhne im EU-Schnitt um 1,5 Prozent zu, im laufenden Jahr dürfte der Zuwachs durchschnittlich 0,4 Prozent betragen.

 © Bernd Wüstneck - dpa/AFP/Archiv
01.09.2017 - 09:26 Uhr

Trotz der verbesserten Wirtschaftslage steigen die Löhne in Europa einer Studie zufolge nur langsam an. Im vergangenen Jahr legten die realen Effektivlöhne im EU-Schnitt um 1,5 Prozent zu, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Europäischen Tarifbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht. Für das laufende Jahr sehen die Forscher lediglich einen Zuwachs von durchschnittlich 0,4 Prozent.

Deutschland liegt demnach mit einem Reallohnzuwachs von 1,9 Prozent im vergangenen Jahr und prognostizierten 0,8 Prozent für 2017 zwar über dem europäischen Durchschnitt. Angesichts des stabilen Aufschwungs seien die inflationsbereinigten Zuwächse aber auch hier sehr moderat. Der Effektivlohn umfasst das tariflich vereinbarte Gehalt sowie alle zusätzlichen Zahlungen wie Überstundenvergütungen.

Wegen geringer Preissteigerungen in der EU schlugen sich Lohnerhöhungen im vergangenen Jahr den Angaben zufolge fast ungebremst nieder. In diesem Jahr werde die Inflation jedoch aufgrund höherer Energie- und Nahrungsmittelpreise anziehen und damit die reale Kaufkraft der Löhne senken. Die WSI-Analyse geht davon aus, dass Beschäftigte in Italien, Spanien, Großbritannien, Belgien, Finnland und Zypern 2017 sogar mit Reallohnverlusten rechnen müssen.

Die Betrachtung der Reallöhne über einen längeren Zeitraum zeigt der Studie zufolge, dass die Folgen der Eurokrise längst noch nicht überwunden sind. In zehn EU-Staaten liege das Reallohnniveau noch immer unterhalb des Niveaus des Krisenjahrs 2009. Am deutlichsten ist diese Entwicklung demnach in Griechenland, wo die Reallöhne zwischen 2010 und 2017 um fast 23 Prozent gefallen sind.

Lediglich in einigen osteuropäischen Ländern sei es im gleichen Zeitraum zu kräftigen Reallohnzuwächsen gekommen, allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Außerhalb von Osteuropa konnten den Angaben zufolge Schweden (13,7 Prozent), Deutschland (9,8 Prozent), Malta (8 Prozent) und Irland (6,9 Prozent) seit 2010 deutlichere Reallohnzuwächse verzeichnen.

In Deutschland blieb der Anteil der Arbeitseinkommen am gesamten Volkseinkommen - die sogenannte Lohnquote - aber trotz der Lohnzuwächse von 2010 bis 2017 konstant, wie das WSI mitteilte. Die Lohnerhöhungen der letzten Jahre seien also vollständig durch Preis- und Produktivitätssteigerungen gedeckt gewesen. Hinzu komme, dass Deutschland in den 1990er- und 2000er-Jahren einen starken Rückgang der Lohnquote erlebt habe. Die Entwicklung des aktuellen Jahrzehnts habe diesen Trend angehalten, aber nicht korrigiert.

"Die deutsche Lohnpolitik ist damit weit von einer expansiven Ausrichtung entfernt und steht deshalb nach wie vor in der internationalen Kritik", schreiben die WSI-Forscher. Die Lohnquote liefert Aufschluss darüber, wie das Gesamteinkommen einer Volkswirtschaft auf die Arbeitnehmer einerseits und die Bezieher von Unternehmens- und Vermögenseinkommen andererseits aufgeteilt ist.

Quelle: 2017 AFP
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