Tuifly-Passagiere haben Anspruch auf Entschädigung wegen Pilotenstreiks 2016

Die Fluggesellschaft Tuifly muss Passagiere, die wegen der
gehäuften Krankmeldungen von Piloten im Oktober 2016 auf ihren
Flieger warten mussten, entschädigen.
Bild 1 von 1

Die Fluggesellschaft Tuifly muss Passagiere, die wegen der gehäuften Krankmeldungen von Piloten im Oktober 2016 auf ihren Flieger warten mussten, entschädigen.

 © Julian Stratenschulte - dpa/AFP/Archiv
17.04.2018 - 10:41 Uhr

Die Fluggesellschaft Tuifly muss Passagiere, die wegen der gehäuften Krankmeldungen von Piloten im Oktober 2016 auf ihren Flieger warten mussten, entschädigen. Die Airline habe den "wilden Streik" wegen einer überraschend angekündigten Umstrukturierung selbst verschuldet und könne sich deswegen nicht auf einen "außergewöhnlichen Umstand" berufen, der sie von der Pflicht zu Ausgleichszahlungen befreie, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH). (C-195/17 u.a.)

Hintergrund der Flugausfälle war die Ankündigung des Managements, dass die Touristiksparten des damaligen Partners Air Berlin und Tuifly zusammengelegt werden sollten. Dies führte laut EuGH dazu, dass sich das Flugpersonal nach einem von den Arbeitnehmern selbst verbreiteten Aufruf während etwa einer Woche krank meldete.

Demnach stieg die Quote krankheitsbedingter Abwesenheiten, die normalerweise bei etwa zehn Prozent lag, auf bis zu 89 Prozent bei den Piloten und auf bis zu 62 Prozent beim Kabinenpersonal. Am Abend des 7. Oktober 2016 teilte das Management von Tuifly der Belegschaft dann mit, dass eine Einigung mit dem Betriebsrat erzielt worden sei.

Dem am Dienstag verkündeten Urteil des EuGH zufolge handelte es sich bei der Aktion aber nicht um "außergewöhnliche Umstände", die Tuifly von Zahlungen wegen großer Verspätung oder Flugannullierungen befreiten. Die Aktion des Personals sei eine Reaktion auf die überraschend ankündigten Umstrukturierungspläne. Zudem sei der Aufruf, sich krank zu melden nicht von den Gewerkschaften ausgegangen, sondern spontan von den Beschäftigten selbst.

Der tourismuspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Markus Tressel, nannte das Urteil ist ein wichtiges Zeichen für einen starken Verbraucherschutz in Europa, Es sollte Tuifly nicht überraschend treffen: "Zuerst Unstimmigkeiten im eigenen Unternehmen provozieren und dann die Kosten auf die Verbraucherinnen und Verbraucher abwälzen wollen – dem hat das Gericht völlig zu Recht einen Riegel vorgeschoben", erklärte Tressel in Berlin.

Quelle: 2018 AFP
Top-Themen
Deutsche Unternehmen sehen sich zu Unrecht durch Abmahnvereine zur Kasse gebeten und fordern daher gesetzliche ...mehr
Die Weltbank bekommt für die Finanzierung von Entwicklungsprojekten deutlich mehr Geld in die Hand. Die ...mehr
Im Streit um die Sanierung bei Opel stellt sich die Regierung in Thüringen auf die Seite der Belegschaft. Am Dienstag ...mehr
Anzeige
Börse
DAX
Name Letzter %
DAX    
MDAX    
TecDAX    
Nikkei 225    
Anzeige
Anzeige
Top-Artikel
Ob großer Familieneinkauf oder die Besorgungen für einen Single-Haushalt: Beim Einkauf lässt sich viel Geld sparen, wenn man günstige Discounter Angebote sucht und Preise vergleicht.mehr
"Ich bin doch nicht blöd" oder "Bin ich schon drin?": Spielen Sie unser Quiz und erraten Sie, welcher Slogan zu welcher Marke gehört! mehr
Eine wichtige Zusatz-Qualifikation: Lernen Sie schnell und einfach das Zehn-Finger-Tippsystem!mehr
Anzeige