Umweltministerium fordert nach Abgastests Erklärungen von Toxikologe Greim

In der Debatte um Schadstofftests an Affen und Menschen hat das
Bundesumweltministerium Erklärungen von dem leitenden Toxikologen
Helmut Greim gefordert.
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In der Debatte um Schadstofftests an Affen und Menschen hat das Bundesumweltministerium Erklärungen von dem leitenden Toxikologen Helmut Greim gefordert.

 © Julian Stratenschulte - dpa/AFP/Archiv
03.02.2018 - 15:52 Uhr

In der Debatte um Schadstofftests an Affen und Menschen hat das Bundesumweltministerium Erklärungen von dem leitenden Toxikologen Helmut Greim gefordert. Staatssekretär Jochen Flasbarth wandte sich Ende Januar schriftlich an Greim in dessen Funktion als Leiter des Forschungsbeirats der mittlerweile aufgelösten Vereinigung EUGT, die die Tests in Auftrag gegeben hatte, wie das Ministerium bestätigte. Greim wiederum kritisierte die Autoindustrie im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" scharf.

"Vor dem Hintergrund Ihrer langjährigen Tätigkeit in zahlreichen nationalen wie europäischen wissenschaftlichen Beratungsgremien sowie zuletzt 2017 als Sachverständiger im Rahmen der Anhörung des Abgas-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags bitte ich um Auskunft darüber, ob und inwieweit Sie als Leiter des Forschungsbeirats der EUGT in die Konzeption der Studien einbezogen waren", schrieb das Ministerium an Greim. Über das Schreiben hatten am Samstag zuerst die Zeitungen "Bild" und "Welt" berichtet.

Gemeint sind mit den Studien sowohl die Abgastests mit Affen in den USA als auch die Versuche an Menschen mit Stickstoffdioxid. Die von VW, BMW, Daimler und Bosch im Jahr 2007 gegründete EUGT hatte die Tests in Auftrag gegeben, sie wurde im Sommer 2017 aufgelöst.

Greim ging mit der Autoindustrie hart ins Gericht, er geht davon aus, dass die Vorstände von den Experimenten wussten: "Dass die Firmen über ihre Vertreter im Vorstand von EUGT über alles informiert waren, ist sicher", sagte er der "Welt am Sonntag". Er gehe auch davon aus, "dass diese Informationen auch bis ganz nach oben weitergeleitet worden sind". Er halte das zuletzt geäußerte Entsetzen der Konzerne über die Tests für "nicht gerechtfertigt", sagte Greim.

Dem Toxikologen war im Jahr 2015 das Bundesverdienstkreuz verliehen worden. Wie ein Sprecher des Bundesumweltministeriums den Zeitungen "Bild" und "Welt" sagte, werde derzeit geprüft, "wie wir uns zu seiner Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz positionieren werden". Greims Antworten seien die "Grundlage für unsere weitere Positionierung".

Der Grünen-Politiker Oliver Krischer forderte die Aberkennung der Auszeichnung. "Es wird Zeit, dass Herr Greim aus dem Kreis der Bundesverdienstkreuzträger entfernt wird", sagte er den Zeitungen. Es sei ein "Unding", dass Union und SPD Greim regelmäßig als Sachverständigen in den Bundestag einladen würden.

Wie das "Handelsblatt" unterdessen unter Berufung auf interne Unterlagen berichtete, sprach sich der frühere Geschäftsführer der EUGT, Michael Spallek, im Detail mit den Juristen von Volkswagen über die Tests an Affen ab. Die Diskussion zwischen dem EUGT in Berlin und den VW-Juristen kreiste demnach vor allem um die Aufstellung der Versuchsreihe. "Meine letzten Gespräche mit den Konzernanwälten konzentrierten sich auf die Umsetzung der Studie und darum, dass Primaten statt Menschen verwendet werden", schrieb Spallek laut "Handelsblatt" in einer E-Mail vom 11. Juni 2013.

Quelle: 2018 AFP
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