Deutsche Ökonomen und WTO dämpfen Prognosen

Containerumschlag im Hamburger Hafen.
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Containerumschlag im Hamburger Hafen.

 © Axel Heimken
27.09.2018 - 16:13 Uhr

Die Bedenken waren schon groß, als der US-Präsident höhere Zölle nur andeutete. Inzwischen sind Milliarden-Abgaben in Kraft gesetzt, Experten halten die Risiken für Deutschland und die gesamte Weltwirtschaft für beträchtlich. Und es gibt noch andere Gefahren.

Berlin/Genf (dpa) - Die globalen Handelskonflikte könnten nach Einschätzung von Experten und internationalen Organisationen empfindliche Folgen für die deutsche Wirtschaft und den Welthandel haben. Ökonomen warnen insbesondere vor den Konsequenzen der Zoll- und Abschottungspolitik der USA.

Auch die Welthandelsorganisation (WTO) senkt ihre Wachstumsprognose merklich. In Deutschland nehmen zudem die Risiken für die wichtige Autobranche wegen der Probleme mit dem neuen Abgas-Teststandards WLTP zu.

Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute erklärten am Donnerstag, die US-Zölle hätten bisher nur geringe Auswirkungen gehabt. Sie warnten in ihrem in Berlin vorgestellten Herbstgutachten allerdings zugleich: "Eine Eskalation des Handelskonflikts, die zu erheblichen Zollerhöhungen der USA auf breiter Front führt, dürfte in Deutschland und in Europa eine schwere Rezession auslösen." Zudem bremsen die Streitigkeiten laut WTO das Wachstum des Welthandels.

Die EU könne den Effekt mit Gegenmaßnahmen abmildern - dies werde dann aber zu einem Konjunktureinbruch in den USA führen, so die Institute. Seit dem Jahresbeginn habe sich das internationale handelspolitische Klima "drastisch verschlechtert", schreiben sie Institute - und verweisen auf die Ankündigung und Umsetzung von Strafzöllen durch US-Präsident Donald Trump. "Sie leiteten eine weltweite Spirale hin zu mehr Protektionismus ein." Die betroffenen Handelspartner, allen voran China, reagierten mit Gegenzöllen.

Die Wissenschaftler gehen für 2018 von einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent aus, für 2019 rechnen sie mit einem Plus von 1,9 Prozent. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten sie noch mit Zuwächsen von 2,2 Prozent für das laufende Jahr und 2,0 Prozent für 2019 gerechnet.

Hierzulande dämpfen auch die Schwierigkeiten der Autoindustrie mit der Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard WLTP aus Sicht der Ökonomen das Wirtschaftswachstum. Dies hinterlasse aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der Autobranche "sichtbare Spuren" beim Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im dritten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal laut Prognose nur um 0,1 Prozent zunehmen.

Der Wechsel auf das WLTP-Verfahren, mit dem Abgasausstoß und Verbrauch realistischer ermittelt werden sollen, sorgt etwa für Lieferengpässe. Autohersteller mussten die Produktion drosseln. Ab September dürfen in der EU nur noch Neuwagen verkauft werden, die nach dem neuen Testverfahren zertifiziert sind. Der Aufschwung werde auch insgesamt an Fahrt verlieren, glauben die Forschungsinstitute.

Weltweit machen sich allgemein die US-Strafzölle und die Vergeltungsschritte der davon betroffenen Länder bemerkbar. Die WTO sprach von einer "Eskalation der Spannungen" und senkte ihre Prognose für das Wachstum des Welthandels von 4,4 auf 3,9 Prozent in diesem und von 4,0 auf 3,7 Prozent im nächsten Jahr. "Es ist wichtiger denn je, dass die Regierungen ihre Meinungsverschiedenheiten beiliegen und sich beherrschen", sagte WTO-Generaldirektor Roberto Azevêdo.

Die USA haben in diesem Jahr Zölle auf Solarpaneele, Waschmaschinen, Stahl, Aluminium und die Hälfte ihrer sämtlichen China-Einfuhren verhängt. Betroffen sind unter anderem auch die Europäische Union, Kanada, Mexiko, Südkorea und Indien. Allein gegen China betreffen die US-Zölle inzwischen Waren im Wert von 250 Milliarden Dollar. Die meisten Länder haben Gegenzölle verhängt, auch die EU.

Neben den Zöllen nennt die WTO auch Leitzins-Erhöhungen etwa in den USA als Grund für die trüberen Aussichten. Das könne zu einem Kapitalabfluss aus den Entwicklungs- und Schwellenländern führen. Zudem könnten geopolitische Spannungen die Rohstoffversorgung bedrohen. Die USA haben den ölreichen Iran mit neuen Sanktionen belegt. Namentlich nannte die WTO die Länder nicht. Auch die Umstrukturierung der chinesischen Wirtschaft von einer Investitions- zu einer stärkeren Konsumorientierung sei ein Risikofaktor.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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