Hartz IV: Arm in Rente

Hartz IV: Arm in Rente
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Hartz IV: Arm in Rente

 © Getty Images

Altersarmut droht vor allem westdeutschen Arbeitslosengeld-II-Empfängerinnen.. Das hat eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) jetzt gezeigt.

Die gesetzliche Rente reicht kaum aus, um eine angemessene Altersvorsorge zu erhalten. Besonders betroffen: Frauen, die Arbeitslosengeld-II beziehen.

Weiblich, alt, arm
Ältere Arbeitslosengeld-II-Empfängerinnen in Westdeutschland sind besonders vom Risiko späterer Altersarmut betroffen. Sie weisen die mit Abstand kürzesten Beitragszeiten zur Rentenversicherung auf und haben meist auch nur geringe Beiträge eingezahlt, zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nach Einschätzung des Instituts dürften sie mehrheitlich keine existenzsichernde eigenständige Alterssicherung erreichen und daher im Alter auf das Einkommen des Partners oder ergänzende Sozialhilfe angewiesen sein.

Osten vor Westen
Dagegen sind derzeit ältere Arbeitslose in Ostdeutschland noch am wenigsten von Altersarmut bedroht. Sie profitieren von den jahrzehntelang stabilen Erwerbsbiographien in der ehemaligen DDR. Bei den nachrückenden ostdeutschen Jahrgängen steige jedoch die Gefahr, dass die schwierige Arbeitsmarktlage dort größere Lücken in die Alterssicherung reißt, schreibt die Arbeitsmarktforscherin Christina Wübbeke.

ALG II-Beiträge gering
Für Empfänger des Arbeitslosengeldes II (ALG II) werden nur geringe Beträge in die gesetzliche Rentenversicherung abgeführt. Mit zunehmender Arbeitslosigkeitsdauer wächst deshalb auch das Risiko, im Alter arm und auf Sozialhilfe angewiesen zu sein.

Nicht alle arm
Größtenteils haben die über 50-jährigen ALG-II-Empfänger im Laufe des Erwerbslebens lange genug Beiträge in die Rente eingezahlt, um im Ruhestand nicht Sozialhilfe beziehen zu müssen. Die meisten Beitragsjahre erreichen die älteren ALG-II-Empfänger in Ostdeutschland. Sie dürften daher von Altersarmut am wenigsten bedroht sein. Anders als bei den westdeutschen ALG-II-Empfängern gibt es hier auch keine ausgeprägten geschlechtsspezifischen Unterschiede ? eine Folge der hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen in der DDR.

Risiko Frau
Soweit sie nicht ausreichend über ihren Partner abgesichert sind, haben westdeutsche ältere ALG-II-Empfängerinnen das mit Abstand höchste Risiko, auch im Alter arm zu sein. Bei ihnen verbinden sich kurze Beitragsdauern häufig mit niedrigen Arbeitsentgelten aufgrund von Teilzeitarbeit und geringen Stundenlöhnen.

Ost-West-Unterschiede nehmen ab
Bei den nachrückenden Jahrgängen der unter 50-Jährigen schwindet der Vorteil der stetigen DDR-Erwerbsbiographien. ?Damit dürfte künftig insbesondere im Osten das Risiko der Altersarmut steigen, wenn sich die Arbeitsmarktlage dort nicht grundlegend und dauerhaft verbessert?, stellt die IAB-Forscherin Wübbeke fest. Zum einen sinke das allgemeine Rentenniveau in der gesetzlichen Rentenversicherung weiter, zum anderen würden die veränderten Wirtschafts- und Arbeitsmarktbedingungen insbesondere in Ostdeutschland dazu führen, dass zumindest die heute 40- bis 50-jährigen ALG-II-Empfänger längere Phasen ihres Erwerbslebens hindurch arbeitslos, versicherungsfrei erwerbstätig oder im Niedrigeinkommensbereich beschäftigt sein werden.

Riester nutzen
Dieser Effekt werde dadurch verstärkt, dass das Sozialrecht die individuellen Beitragsausfälle durch Arbeitslosigkeit heute weniger stark ausgleicht als früher. Auf der anderen Seite könnten aber die Ansprüche aus Riester-Verträgen und anderen Formen der Altersvorsorge bei den jüngeren Jahrgängen steigen. Dass sich Riester-Verträge lohnen, scheint sich herum gesprochen zu haben. Die Zahl der neu abgeschlossenen Riester-Verträge lag nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) im ersten Halbjahr 2007 mit rund 914.000 Policen leicht über dem bereits hohen Niveau des Vorjahres (882.000) lag. Die Riester-Rente profitiert weiter davon, dass einschließlich Zulagen mittlerweile bis zu 1.525 Euro pro Jahr eingezahlt werden können. Viele Bürger könnten nach Angaben des GdV über einen Riester-Vertrag so heute nennenswerte Teile ihrer Altersvorsorge durchführen. Auch ALG-II-Empfänger könnenn sich dies zunutze machen. Eine Förderung ist bereits ab 60 Euro im Jahr möglich.

Ohne Eigenleistung keine Riester-Leisung
Die volle staatliche Zulage, 154 Euro Grundzulage und 185 Euro pro Kind ab 2008, gibt es nur, wenn der Versicherte einen so genannten Mindesteigenbeitrag beisteuert. Dieser Beitrag ist jeweils abhängig von den im Vorjahr erzielten rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkünften. Für die Jahre 2006 und 2007 beläuft sich der Mindesteigenbeitrag auf drei Prozent der erzielten Einkünfte abzüglich der staatlichen Zulage.

Wer so wenig verdient, dass sein errechneter Mindesteigenbeitrag geringer ist als der so genannte Sockelbetrag in Höhe von 60 Euro, oder wer im Jahr zuvor gar kein Einkommen erzielt hat, muss mindestens den Sockelbeitrag zahlen, um die volle Zulage zu erhalten. Da sich dies gerade Geringverdiener nicht immer leisten könnten, ergibt sich die kuriose Situation, dass diese mit ihren Steuern die Riester-Anteile für die mitbezahlen, die sich eine Riester-Rente leisten können.

Autor: Richard Lamers

Quelle: freenet.de
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