Neue Regeln beim Zoll. Wo jetzt hart durchgegriffen wird

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06.08.2014 - 10:00 Uhr

Reisemitbringsel, Laptops aus den USA oder die neueste Mode aus Asien, sind aufgrund der günstigen Preise in anderen Ländern und des günstigen Wechselkurses zum Euro sehr beliebt. Doch aufpassen: Der Zoll hat Höchstgrenzen festgelegt!

Wer bei Auslandsreisen aus Nicht-EU-Staaten dem Kaufrausch nicht entsagen will, kann auch weiterhin weltmeisterlich einkaufen. Aufzupassen ist dann nur bei der Einreise nach Deutschland – der Zoll kann zuschlagen, der Freibetrag ist hier zu beachten. Dieser wurde schon 2009 erhöht. Vorher lag er noch bei einem Wert von 175 Euro Warenwert (pro Person). Alles darüber liegende musste bei der Einreise gegenüber dem Zoll angemeldet und verzollt werden. 

Seit 2009 gelten nun höhere Freibeträge. Wer aus dem Nicht-EU-Ausland mit dem Flugzeug einreist, darf nun Waren im Wert von bis zu 430 Euro pro Person zollfrei einführen. Dieser Freibetrag sinkt auf 300 Euro, wenn man über den Land- oder Seeweg einreist, zum Beispiel aus der Schweiz oder Norwegen. Grundsätzliche Ausnahmen: Kinder unter 15 Jahren haben nach wie vor einen Freibetrag in Höhe von 175 Euro und bestimmte Waren sind in der Menge, nicht im Wert beschränkt (s.u.). Und die zollfreie Einfuhr bis zur Freibetragsgrenze ist nur dann wirklich zollfrei, wenn die eingeführten Waren nicht für gewerbliche Zwecke bestimmt sind. „Zollfrei sind Reisemitbringsel nur, wenn sie für den persönlichen Gebrauch, für Haushaltsangehörige oder als Geschenk mitgebracht werden“, so Arnes Petrick, Sprecher der Bundesfinanzdirektion Nord. 

Vorsicht: Wer bewusst oder unbewusst bei der Einreise den grünen Ausgang wählt und damit die Erklärung abgibt, er habe nichts zu verzollen, und dann doch mit Waren übder den Wertgrenzen erwischt wird, für den kann es ein böses Erwachen geben. Je nach Wert der eingeführten Waren ist zunächst eine Strafsteuer fällig, wenn es hart kommt, wird sogar noch ein Steuerstrafverfahren anhängig.

Zollsprecher Andreas Urbaniak weiß: „Viele Reisende versuchen ihr Glück einfach, im Ausland günstig erworbene Gegenstände einzuschmuggeln, und versuchen sich dann herauszureden, wenn sie erwischt werden...Gutgläubig sein dürfen wir nicht.“

 

Höhere Freibeträge – Höhere Abgaben

 

Nicht nur die Freibeträge sind erhöht worden, auch die Abgaben, die zu zahlen sind, wenn diese Freibeträge überschritten werden. 17,5 Prozent beträgt die pauschale Steuer, aber nur für einen Warenwert bis zu 700 Euro. Früher waren es 13,5 Prozent. Ab 700 Euro wird es dann noch einmal teurer, denn hinzu kommt die Einfuhrumsatzsteuer, die mit noch einmal vollen 19 Prozent zu Buche schlägt. 

Ein Einkauf in günstigen „Shopping-Ländern“ kann so bei der Einreise nachträglich zum teuren Urlaub werden. Es sollte daher genau überlegt werden, wenn man im Urlaub Schnäppchen um Schnäppchen in den Warenkorb legt, inwieweit die Waren immer noch günstig sind, wenn sie mit Zoll und Umsatzsteuer belegt werden. Wenn man zu mehreren unterwegs ist, lassen sich die Waren auch auf die Mitreisenden aufteilen. Vielleicht rutscht man so unter die 700 Euro-Grenze oder gar unter die 430 Euro-Freibetragsgrenze und muss am Ende gar nichts zahlen. 

 

Sonstige Freimengen

 

Bei bestimmten Produkten gelten die Freimengen nicht in Bezug auf den Warenwert, sondern sind klar nach Menge geregelt. Zigaretten und Alkohol unterliegen dieser Mengenbeschränkung.
Bei Einfuhr aus einem Nicht-EU-Staat (für Reisende älter als 18 Jahre):

 

Tabakwaren

Alkohol

200 Zigaretten

1 Liter Spirituosen

oder

100 Zigarillos

2 Liter Likör

oder

50 Zigarren

4 Liter Wein

oder

250 g Rauchtabak

16 Liter Bier

  

Bei diesen Produkten gelten auch bei Einfuhr aus EU-Ländern Freimengen, wenngleich auch wesentlich höhere als bei Einfuhr aus Nicht-EU-Ländern. So gelten bei Einfuhr aus einem EU-Staat (für Reisende älter als 18 Jahre) die Freimengen von:

Tabakwaren

Alkohol

oder

800 Zigaretten

10 Liter Spirituosen

oder

400 Zigarillos

20 Liter Likör

oder

200 Zigarren

90 Liter Wein

oder

1 kg Rauchtabak

110 Liter Bier

  

Keine Regel ohne Ausnahme: Da die britischen Kanalinseln und auch die Kanaren zwar zur EU, nicht aber zum EU-Steuergebiet für Mehrwertsteuer gehören, werden diese hier behandelt wie Nicht-EU-Länder. Auch für die neuen EU-Mitgliedsländer (das sind die baltischen Staaten, Rumänien und Bulgarien) gilt eine Übergangsregelung bis Ende dieses Jahres, bei der die Freimenge bei 200 Zigaretten liegt.

 

Einfuhr verboten

 

Nicht einführen darf man Lebensmittel aus Nicht-EU-Ländern. Wird der Zoll hier fündig, werden die Lebensmittel der Vernichtung zugeführt. Dabei ist es egal, ob die Verwandten aus der Türkei die leckere Salami mitgegeben haben oder die Einkäufe in Russland auf dem Kaviar-Stand besonders verlockend waren. Die Einfuhr ist verboten.

Ebenfalls verboten ist die Einfuhr von tierischen oder pflanzlichen Produkten, die gegen das Artenschutzgesetz verstoßen: Elefanten-Stoßzähne aus Elfenbein, Krokodilleder oder auch getrocknete Seepferdchen. Gerade in Urlaubszeiten wird versucht, das eine oder andere Souvenir mit nach Deutschland zu bringen. Zollsprecher Andreas Urbaniak:“Die Zöllner müssen in dieser Zeit besonders wachsam sein.“ Wird man bei der Einfuhr von geschützten Tieren oder Teilen davon erwischt, droht ein Strafverfahren. Urbaniak:„Da sind die Gesetze sehr streng.“

Ebenfalls verboten ist die Einfuhr von gefälschten Markenartikeln, vor allem gefälschte Kleidung und Schuhe werden häufig aus dem Urlaub mitgebracht. Hier stellt der Zoll die entdeckten Waren sicher, denn inzwischen hat fast jeder große Hersteller eine sogenannte Grenzbeschlagnahme beantragt, um seine Marke zu schützen.

Um Ärger vorab zu vermeiden, rät Zollsprecher Urbaniak: „Um sich bei der Einreise Ärger zu ersparen, sollte man sich am besten schon vor dem Urlaub informieren, was man unbedenklich ins Land bringen darf und was nicht.“  

 

Vor der Ausreise Mehrwertsteuer zurückholen

 

Um die Mehrwertsteuer nicht doppelt zahlen zu müssen (einmal im Urlaubsland und dann ggf. zusätzlich bei der Einreise in Deutschland), sollten Urlauber während des Urlaubs alle Kaufbelege bis zur Ausreise archivieren. Bei der Ausreise kann man sich dann an den örtlichen Zoll wenden und sich die Mehrwertsteuer der erworbenen Artikel bei der Ausfuhr der Waren erstatten lassen. Dazu sind die Kassenbelege zwingend vorzuzeigen, auf denen die Mehrwertsteuer ausgewiesen ist.

Bei Einreise nach Deutschland würde man – sofern man oberhalb der Freibeträge liegt – die anfallenden gebühren bezahlen. Kassenbelege helfen dem Zoll übrigens, den Wert der Waren zu bestimmen und auch nachzuweisen, dass hier Einfuhrabgaben zu entrichten sind. Sollten keine Kassenbelege vorliegen, kann der Zoll den Wert auch schätzen oder selber ermitteln, zum Beispiel via Internet.

Quelle: freenet.de
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