So hole ich mir mein Geld vom Finanzamt zurück

So hole ich mir mein Geld vom Finanzamt zurück
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So hole ich mir mein Geld vom Finanzamt zurück

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Jedes Jahr behält der Staat mehrere Millionen Euro zu viel gezahlte Steuern. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich unnötig gezahlte Steuern zurück holen können!

Mit Abschluss des alten Jahres stellen sich viele Arbeitnehmer und selbstständig Tätige die Frage, ob sie zu wenig oder zuviel Steuer gezahlt haben. Während Arbeitnehmer mit Steuerklasse I oder IV (ohne Faktor) auf die Abgabe einer Steuererklärung verzichten können, müssen Angestellte mit anderer Lohnsteuerklasse ebenso wie freiberuflich Arbeitende eine Steuererklärung bis 31.05. bzw. bei Nutzung eines Steuerberaters bis 31.12. beim Finanzamt abgeben. Wer freiwillig eine Erklärung abgibt, kann oft auf eine Rückerstattung der vom Arbeitgeber zuviel abgeführten Lohnsteuer hoffen.

Die Steuererklärung besteht aus den sieben Einkunftsarten: Einkünfte aus selbständiger, aus gewerblicher, aus nichtselbständiger Tätigkeit, aus Land- und Forstwirtschaft, aus Vermietung und Verpachtung und aus Kapitalvermögen sowie sonstige Einkünfte. Dem Finanzamt gegenüber müssen alle Einkünfte offen gelegt werden.

Arbeitnehmer können die Einnahmen aus nichtselbständiger Tätigkeit mit ihren Werbungskosten verrechnen. Wer zur Arbeit pendelt, Bewerbungs- oder Reisekosten erklärt oder Arbeitsmittel und -literarur angeschafft hat, kann auf eine Rückerstattung hoffen, wenn die Werbungskosten den Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 EUR übersteigen. Benötigt wird die Lohnsteuerbescheinigung vom Arbeitgeber und Nachweise der einzelnen Ausgaben.

Unabhängig vom Verkehrsmittel können für Fahrtkosten zur Arbeit 30 Cent pro Entfernungskilometer (Pendlerpauschale) angegeben werden. Bei Dienstreisen und Fahrten zu Bewerbungsgesprächen oder Weiterbildungsveranstaltungen gelten ebenfalls 30 Cent pro Kilometer, jedoch zählen hier Hin- und Rückfahrt. Beruflich veranlasste Telefonkosten, Büromaterial und sogar Computer (nach Anteil der beruflichen Nutzung) können ebenso wie Ausgaben für Fachliteratur und -zeitschriften als Werbungskosten erklärt werden. Auch Beiträge zu Berufsverbänden, für die Kontoführung und private Unfallversicherungen (beruflicher Anteil) fallen in den Bereich der Werbungskosten.
Auch die Kosten für Unterhaltung und Einrichtung eines Arbeitszimmers können abgesetzt werden - Voraussetzung ist, dass dieses den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit darstellt.

Wer selbstständig ist, kann im Rahmen seiner Gewinnermittlung den erzielten Einnahmen die mit der Selbständigkeit verbundenen Ausgaben gegenüberstellen. Dabei wirken Reise- und Fahrzeugkosten ebenso wie gezahlte Mieten, Personalkosten und Aufwendungen für Telefon und Büroausstattung gewinn- und damit steuermindernd.
Ist ein Steuerpflichtiger nur in kleinem Rahmen neben seinem Arbeitsverhältnis freiberuflich tätig, sorgen hohe Freibeträge wie beispielsweise die Übungsleiterpauschale (bis zu 2.100 EUR pro Jahr) für eine geringe Belastung der Zusatzeinkünfte durch die Steuer.

Losgelöst von den Einkunftsarten sind die Vorsorgeaufwendungen, die Sonderausgaben, die außergewöhnlichen Belastungen und die absetzbaren haushaltsnahen Dienstleistungen. Alle Steuerpflichtigen, egal ob Arbeitnehmer oder selbstständig, können in ihrer Erklärung Ausgaben für die Arbeitskosten bei haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerrechnungen angeben. Die Rückerstattung beträgt 20% der Arbeitskosten von maximal 6.000 EUR (Handwerker) bzw. 20.000 EUR (haushaltsnahe Dienstleistungen) unabhängig von der Höhe des persönlichen Steuersatzes.

Vorsorgeaufwendungen sind zum größten Teil Versicherungsbeiträge für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Während der Arbeitgeber diese bis zum Höchstbetrag von 1.900 EUR (Arbeitnehmeranteil) automatisch bei der Lohnsteuerermittlung berücksichtigt, können Selbständige hier bis zu 2.800 EUR Krankenversicherungsbeiträge angeben. Ist der jeweilige Höchstbetrag noch nicht ausgeschöpft, können auch die Prämien für die Arbeitslosenversicherung, private Haftpflichtversicherungen und Risikolebensversicherungen angegeben werden.

Zusätzlich akzeptiert das Finanzamt Vorsorgeaufwendungen für die Altersvorsorge: Rürup- und Riester-Beiträge sowie die Zahlungen an die gesetzliche Rentenversicherung sind teilweise von der Steuer befreit.

Die Sonderausgaben umfassen Renten und dauernde Lasten, Kirchensteuer, Erstausbildungskosten und Unterhaltsleistungen. Auch Spenden und Schulgelder können in dieser Gruppe angesetzt werden.

Außergewöhnliche Belastungen reduzieren die Steuerschuld bei bestimmten Schicksalsschlägen. Übersteigen beispielsweise Arzt- und Medikamentenrechnungen einen von Verdienst und Familienstand abhängigen Prozentsatz des Einkommens, mindern diese das zu versteuernde Einkommen.

Die zu zahlende Steuer wird auf Basis des zu versteuernden Einkommens berechnet: dieses wiederum saldiert alle Einkünfte und Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen und außergewöhnliche Belastungen. Übersteigt die vom Arbeitgeber abgeführte Lohnsteuer oder von einem freiberuflich Tätigen direkt an das Finanzamt überwiesenen Steuervorauszahlungen die nach der Erstellung der Erklärung fällige Steuerschuld, winkt eine Rückerstattung.

Ist die Steuererklärung für das zurückliegende Jahr erledigt, kann man über Maßnahmen zur Reduzierung der Steuerlast für das laufende Jahr nachdenken: eine Erhöhung des Riester-Beitrags (nur Sozialversicherungspflichtige) oder der Abschluss einer Rürup-Rente können das zu versteuernde Einkommen erheblich mindern. Auch die Anschaffung von Arbeitsmitteln (Computer, Drucker, Schreibtische) können - insbesondere bei Selbstständigen und Arbeitnehmern, die eine dienstliche (Mit-)Nutzung nachweisen können - zu einer Steuererstattung im Folgejahr beitragen.

Quelle: freenet.de
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