Leben gegen Geld: höhere Rente für Raucher und Übergewichtige

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Ungesund leben und eine höhere Rente kassieren? Was sich nach einem makaberen Scherz anhört, ist Realität. Aus Großbritannien, wo es derartige Policen schon seit den 90ern gibt, kommen sie jetzt auch vermehrt nach Deutschland.

Wer raucht kann seiner dadurch kürzeren Lebenserwartung vielleicht in naher Zukunft auch etwas Positives abgewinnen: Es gibt mehr Rente von der Versicherung. Das aus Großbritannien stammende Grundkonzept kommt nun auch mehr und mehr nach Deutschland. Die Grundidee hinter den verschiedenen Varianten:

Wer ungesund lebt und dadurch eine geringere Lebenserwartung hat, wird seine Versicherung auf natürliche Weise eher entlasten als gesunde Versicherte. Demzufolge kann man ihm auch mehr Rente zahlen – über einen kürzeren Zeitraum. In Deutschland wird diese Idee nun mehr und mehr umgesetzt, wobei sich bisher drei Varianten ausgebildet haben.

Strenge Einstufung nach Hausarztdiagnose

So berichtet Spiegel Online unter Berufung auf das Magazin DAS INVESTMENT über die liechtensteinische Lebensversicherung Quantum Leben. Die Rentenversicherung heißt "Individualpolice", sie gehört zur Gruppe der "Non-Standard-Annuities". Keine Standard-Berechnungen, sondern individuell berücksichtigte Lebenserwartungen, Risiken und daraus resultierende Rentenhöhen kennzeichnen eine "Individualpolice".

In Deutschland kann man diese Police über die Alternative Investments Deutschland (AID) abschließen. Die Rente wird dabei anhand einer Diagnose des Hausarztes festgelegt. "Auf Basis seines Berichts wird das verbindliche Angebot erstellt", so der AID-Geschäftsführer Rüdiger Vogel. Die Versicherung kann darüber hinaus bestimmte Tests verlangen, um sich sicher sein zu können, auch wirklich einen starken Raucher zu versichern. Bestimmte Nikotin-Tests geben Aufschluss darüber.

Als schwerer Raucher gilt hier nach Angaben von Spiegel Online, wer einen Zigarettenkonsum von mehr als 15 Zigaretten täglich vorweisen kann – mit entsprechenden Nikotinwerten versteht sich. Die Rente kann dann durchaus sehr viel höher ausfallen als bei gesunden Versicherten, bis zur doppelten Höhe.

Extra-Rente bei Krankheit

Eine andere Versicherungsvariante verzichtet auf solche Tests, denn sie greift nur dann, wenn eine Krankheit bereits sichtbar ist. Bei der Extra-Rente der Lebensversicherung von 1871 a.G. (LV 1871) wird drei Monate vor Rentenbeginn ein Gesundheitscheck durchgeführt. Bei entsprechend schlechter Diagnose mit zu erwartender kürzerer Lebenserwartung (durch Diabetes, Bluthochdruck, erlittenen Herzinfarkten, etc.) wird die Rente erhöht.

Diesen Tarif gibt es zwar bereits seit 1999, er wurde allerdings kein Erfolg, weil er als sofort beginnende Rente gegen Einmalzahlung konzipiert worden war. Die Versicherungsberater mussten ihre Kunden also explizit auf die Krankheiten ansprechen – was den Erfolg dieses Modells behinderte. Nun hat man die Extra-Rente in die Basis- und Riesterrente eingebaut, ohne Mehrbeitrag für die Versicherten. LV 1871 Vorstandsvorsitzender Karl Panzer: "Falls die Kunden in 20 oder 30 Jahren krank werden, erhalten sie bei uns auf Wunsch die Extra-Rente".

Spiegel Online nennt das Beispiel eines Herzpatienten, der bei der Lebensversicherung von 1871 eine Rente von 1.119 Euro erhält, normal wären 1.000 Euro. Der knapp 12-prozentige Aufschlag ergibt sich aus der Risikoanalyse des Patienten, der nach einem Herzinfarkt vor drei Jahren mehrere Bypässe gelegt bekam und nun immer noch über Brustschmerzen und Atemnot klagt. Seine Lebenserwartung verkürzt sich statistisch um zwei bis drei Jahre. In einem weiteren Beispiel erhält ein bereits pflegebedürftiger Alzheimer-Patient 1.340 Euro anstatt 1.000 Euro.

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Mehr Geld bei Pflege vor Rentenbeginn

Als dritte Versicherungsvariante einer "Non-Standard-Annuity" Police wird die Pflegerentenoption der Provinzial Nordwest genannt. Wird der Versicherte vor Rentenbeginn zum Pflegefall, greift sie ein. Spiegel Online nennt eine Verdoppelung der Rentenhöhe bei einem 65-jährigen Mann in einem solchen Fall. "Die Pflegerentenoption ist kostenlos, weil sich die zusätzliche Rente durch die geringere Lebenserwartung der Pflegebedürftigen gegenfinanziert", so Vorstand Peter Hanus. "Damit bietet sie einen Schutz für Versicherte, die sich eine eigene Pflegefallabsicherung nicht leisten können."

Wenn man zu einem Pflegefall wird, dann erhält man eine Einstufung in drei Klassen, die von der Pflegeversicherung durchgeführt wird. Die Einstufung richtet sich nach dem Grad der noch selbständig erbringbaren Alltagstätigkeiten, beginnend bei Pflegestufe I. Diese Einstufung wird dem Versicherer vorgelegt und er legt die Höhe der Rente fest.

Autor: jh

Quelle: freenet.de
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