Lebensversicherungen müssen Geld zurückzahlen

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Neue Urteile stärken die Rechte von Versicherten. Viele können jetzt einen satten Nachschlag kassieren.

Das Landgericht Hamburg hat mit drei Urteilen (AZ.: 324 O 1116/07, 1136/07 und 1153/07 n.rk.) vom 20. November 2009 festgestellt, dass in manchen Lebens- und Rentenversicherungen die Bedingungen zum Rückkaufswert und zum Stornoabzug unwirksam sind. "Das bedeutet für viele Verbraucher, dass sie noch Ansprüche gegen ihren Versicherer haben. Berechtigte Forderungen sollten jetzt schnell geltend gemacht werden", sagt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Geizige Versicherungen

Versicherungskunden, die zwischen Herbst 2001 und Ende 2007 eine Kapital-Lebensversicherung oder eine Rentenversicherung abgeschlossen und wieder gekündigt oder beitragsfrei gestellt hatten, sollten jetzt noch einmal ihre Unterlagen hervorholen. Wurde der Vertrag beitragsfrei gestellt, wenn also die Versicherung formal erhalten bleibt, aber keine Beiträge mehr gezahlt werden, ist wahrscheinlich die Versicherungssumme zu niedrig. Bei einer Kündigung des Vertrages ist von dem Versicherungsunternehmen vermutlich ein zu niedriger Rückkaufswert ausgezahlt worden. "Es ist davon auszugehen, dass es manchem Verbraucher sogar so wie einem Verfahrensbeteiligten in Hamburg ergangen ist, der nach der Kündigung des Vertrages vom Versicherer gar nichts zurückgezahlt bekam", ist Heyer überzeugt.

Branche verschleiert weiterhin

Das Landgericht Hamburg hat nun entschieden, dass die Bedingungen, auf die sich die verklagten Versicherer bei dieser Abrechnung der Verträge berufen haben, unwirksam sind. Ähnliche oder sogar gleiche Bedingungen werden in der gesamten Branche verwendet, so dass auch andere Versicherungsunternehmen von den Urteilen betroffen sind. Das Thema ist für die Versicherer nicht neu. Bereits im Mai 2001 und im Oktober 2005 hat sich der Bundesgerichtshof kritisch zu Klauseln geäußert, die die Berechnung des Rückkaufswertes betreffen. Von der höchstrichterlichen Rechtsprechung waren aber nur Verträge bis etwa Mitte 2001 betroffen. Danach führten die Versicherer schrittweise neue Bedingungen ein. Statt diese nun ausreichend transparent zu gestalten, wurden nach Meinung der Verbraucherschützer erneut Formulierungen verwandt, die dem Verbraucher im Falle einer vorzeitigen Beendigung oder Beitragsfreistellung des Vertrages nicht deutlich genug machen, welche wirtschaftlichen Nachteile damit einhergehen.

Lebensversicherung ein Kombi-Produkt

Lebens- und Rentenversicherungen sind die beliebtesten Geldanlagen der Deutschen. Wenn von einer Lebensversicherung gesprochen wird, ist meist ein eine Kapital-Lebensversicherung gemeint. Diese kombiniert zwei Leistungen. Sie sichert zum einen die Hinterbliebenen ab, wenn der Versicherte stirbt. Das entspricht einer Risiko-Lebensversicherung. Zum anderen wird ein Teil des Beitrags für die Altersvorsorge angespart.

Rentenversicherung: ein Sparvertrag

Eine Rentenversicherung ist eigentlich ein reiner Sparvertrag und keine Versicherung. Dabei gibt es zwei Formen. Bei der Sofortrente wird einmalig ein größerer Betrag in die Rentenversicherung eingezahlt. Damit können ältere Menschen sofort einen Anspruch auf eine monatliche Rentenzahlung erwerben. Bei der aufgeschobenen Rente dagegen wird über viele Jahre monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich  eingezahlt. Die Auszahlung wird aufgeschoben. Meist erfolgt sie ab dem Eintritt ins Rentenalter.

Quelle: freenet.de
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