Wer? Was? Wann? Die wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen

Vorsorge und Früherkennung
Ein Thema, worüber sich die Geister scheiden. Wir haben für Sie die zentralen Informationen und wichtigsten Untersuchungen zusammengefasst. 
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Vorsorge und Früherkennung
Ein Thema, worüber sich die Geister scheiden. Wir haben für Sie die zentralen Informationen und wichtigsten Untersuchungen zusammengefasst. 

 © Getty Images
07.11.2018 - 10:00 Uhr

„Vorsorgen ist besser als Heilen“ – mit diesen Worten werden Vorsorgeuntersuchungen häufig beworben. Mit ihnen hofft man, schwere Krankheiten frühzeitig erkennen und besser heilen zu können. Wir verraten Ihnen, welche Früherkennungsuntersuchungen es für wen gibt. 

Was ist eine Vorsorgeuntersuchung?

Eine Untersuchung wird durchgeführt, um die Ursache für bestimmte Beschwerden zu finden. Bei einer Vorsorgeuntersuchung allerdings werden Menschen untersucht, die keine Symptome einer Krankheit zeigen. Sie hat zum Ziel, Krankheiten in einem sehr frühen Stadium zu erkennen, in dem es noch keine Beschwerden gibt.

Dieser Vorgang wird häufig als „Screening“ bezeichnet. Das kommt vom englischen „to screen“, was aussieben bedeutet. 

Unterscheidung von Vorsorge und Früherkennung

Jedoch gibt es bei den Untersuchungen eine wichtige Unterscheidung zu treffen:

Früherkennungsuntersuchungen sind häufig als „Vorsorge“ bekannt. Man kann allerdings nur bei bestimmten Kriterien von Vorsorge sprechen. Nämlich dann, wenn das Ziel eines Screenings darin besteht, Risikofaktoren oder Vorstufen einer Erkrankung zu erkennen und zu beeinflussen. Das bedeutet, dass man bei einer Vorsorge eine zukünftige Erkrankung aktiv verhindern kann. Bei der Früherkennung sagt der Begriff schon alles: Die Krankheit ist bereits vorhanden. Man entdeckt sie lediglich, bevor irgendwelche Symptome eingesetzt haben.

Ein Beispiel für eine tatsächliche Vorsorgeuntersuchung ist die Darmspiegelung. Dabei können Darmpolypen entfernt werden, die sich manchmal zu Krebs weiterentwickeln können. Die Redakteure von "rbb Praxis" haben sich genauer angeschaut, welche Früherkennungsuntersuchungen es für wen gibt. 

Die wichtigsten Früherkennungsuntersuchungen im Überblick: 

  • Check-Up 35: Ganzkörperuntersuchung
    Wer? 
    Männer und Frauen ab 35 Jahren

    Wann?
    A
    lle zwei Jahre

    Was wird gemacht?
    Zunächst werden der Lebensstil und der Impfstatus erfragt. Danach führt der Arzt verschiedene Untersuchungen durch: Abhören von Lunge und Herz, Messen von Puls und Blutdruck, Abtasten des Bauchraumes, Inspizieren von Bewegungsapparat, Haut und Sinnesorgane. Im Anschluss wird Blut abgenommen und zusammen mit einer Urinprobe ins Labor geschickt.


  • Glaukom-Früherkennung
    Wozu?
    Um Grünen Star festzustellen

    Wer?
    Männer und Frauen ab 40 Jahren, Risikopatienten

    Wann?
    A
    lle zwei Jahre, für Gesunde nicht zu empfehlen

    Was wird gemacht?
    Der Arzt misst den Augeninnendruck, spiegelt den Augenhintergrund und beurteilt den Zustand des Sehnervenkopfes und der Nervenfaserschicht. 

  • Hautkrebs-Screening
    Wer? Männer und Frauen ab 30 bzw. 35 Jahren

    Wann? alle zwei Jahre

    Was wird gemacht? 
    Die Haut wird von Kopf bis Fuß zuerst mit bloßen Auge begutachtet. Fallen bösartige Veränderungen auf, entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe. Diese wird im Labor untersucht. 
  • Doppler-Sonografie der großen Gefäße
    Wer? 
    Männer und Frauen ab 30 Jahren 

    Wann? 
    Bei Beschwerden

    Was wird gemacht? 
    Mithilfe der Doppler-Sonografie kann der Arzt die Richtung und die Geschwindigkeit des Blutflusses darstellen und Engstellen oder Verschlüsse schnell erkennen. 
  • Zahnärztliche Vorsorge
    Wer? 
    Männer, Frauen und Kinder

    Wann?
    Erwachsen halbjährlich, Kinder zwischen 3 und 6 Jahren dreimal jährlich

    Was wird gemacht? 
    Der Zahnarzt kontrolliert die Zähne hinsichtlich Karies und Parondontis und entfernt Zahnstein. Außerdem schließt er Erkrankungen im Mund- und Kieferbereich aus. 
  • Professionelle Zahnreinigung
    Wer? 
    Männer und Frauen jeden Alters

    Wann? 
    Bis zu zweimal jährlich

    Was wird gemacht? 
    In einer einstündigen Sitzung wird zunächst der Mund und das Zahnfleisch untersucht. Danach werden die Zahnzwischenräume gereinigt und mittels Ultraschall Zahnstein entfernt. Farbrückstände von Kaffee, Tee oder Zigaretten werden mithilfe eines Mini-Sandstrahlers beseitigt. Im Anschluss folgt noch die Reinigung der Zahnfleischtaschen und das Polieren der Zähne.
  • Stuhluntersuchung 
    Wozu?
    Zur Darmkrebsfrüherkennung

    Wer? 
    Frauen und Männer ab 50 Jahren

    Wann?
    E
    inmal jährlich bis zum 55. Lebensjahr

    Was wird gemacht? 
    Mehrere Tage hintereinander sammelt der Patient Stuhlproben. Dafür streicht er eine kleine Menge Stuhl auf ein Testbriefchen. Insgesamt sechs Stuhlproben werden dann im Labor auf Blutrückstände untersucht. Verborgenes Blut im Stuhl ist eines der Frühwarnzeichen für Darmkrebs. 
  • Große Darmspiegelung (Koloskopie) 
    Wozu?
    Zum Nachweis von Darmkrebs

    Wer
    Frauen und Männer ab 55

    Wann?
    Z
    weimal in 10 Jahren

    Was wird gemacht? 
    Der Arzt führt ein Koloskop in den After ein. Dabei handelt es sich um einen Schlauch, der unter anderem mit einer Lichtquelle und einer Kamera versehen ist. Bei verdächtigen Veränderungen, die der Arzt auf seinem Bildschirm sieht, entnimmt er Gewebeproben. 
  • Rektales Abtasten der Prostata
    Wozu? 
    Zur Früherkennung von Prostatakrebs

    Wer? 
    Männer ab 45 Jahren

    Wann?
    Einmal im Jahr

    Was wird gemacht?
    Der Arzt befühlt die Vorsteherdrüse mit dem Finger durch den After. Außerdem inspiziert er die äußeren Genitalorgane und die Lymphknoten an der Leiste. 

  • Abtasten der Brust
    Wozu?
    Z
    ur Früherkennung von Brustkrebs

    Wer? 
    Frauen ab 30 Jahren

    Wann?
    E
    inmal jährlich

    Was wird gemacht? 
    Beim Abtasten sucht der Arzt nach Verhärtungen, Rötungen, Knötchen oder vergrößerten Lymphknoten. All das kann auf bösartige Zellen in der Brust verweisen.

  • Film-Mammografie der Brust
    Wozu?
    Z
    ur Früherkennung von Brustkrebs

    Wer? 
    Frauen zwischen 50 und 69

    Wann?
    A
    lle zwei Jahre

    Was wird gemacht? 
    Die Brust wird mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. Dadurch möchte man Veränderungen im Brustgewebe und sehr kleine Tumore früh erkennen. 

  • Ultraschall der Brust
    Wozu?
    Z
    ur Früherkennung von Brustkrebs

    Wer? 
    Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, Frauen jeden Alters mit besonders dichtem Brustgewebe

    Wann?
    A
    lle zwei Jahre

    Was wird gemacht? 
    Die Brust wird mit einem Ultraschallgerät untersucht. Das Ziel dabei ist, mithilfe des Ultraschalls Veränderungen im Brustgewebe zu entdecken. Bei dichtem Brustgewebe ist dies die effektivste Methode. 

  • Pap-Test 
    Wozu? 
    Zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs

    Wer? 
    Frauen ab 20 Jahren

    Wann?
    Einmal jährlich

    Was wird gemacht?
    Zunächst werden die Genitalorgane durch die Bauchdecke abgetastet, dann mit dem Spekulum den Gebärmutterhals untersucht. Durch den Abstrich von Schleimhaut kann sie mit dem Pap-Test auf Veränderungen untersucht werden. Dies erfolgt zur Kontrolle auf Krebszellen und Vorstufen. 

  • HPV-Test
    Wozu?
    Z
    ur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs

    Wer? 
    Frauen ab 30 Jahren

    Wann?
    A
    lle fünf Jahre

    Was wird gemacht?
    Wie beim Pap-Test wird ein Abstrich der Schleimhaut gemacht. Die Zellen werden im Unterschied dazu danach ins Labor gebracht. Dort wird deren DNA auf Hp-Viren hin untersucht. 

  • Chlamydien-Screening
    Wozu? 
    Chlamydien können bei Frauen schwere Entzündungen auslösen und Krebs bedingen

    Wer? 
    Frauen bis 25 Jahren

    Wann?
    J
    ährlich

    Was wird gemacht?
    Es wird eine Urinprobe abgegeben. Diese wird dann auf Chlamydien-Bakterien untersucht. 

Vorteile von Früherkennungsuntersuchungen

Der Nutzen solcher Untersuchungen liegt hauptsächlich darin, dass früh erkannte Krankheiten in vielen Fällen besser behandelbar sind. Damit stehen die Chancen zur Heilung oftmals besser. 

Vorteile wie Nachteile müssen dennoch für jede Vorsorge- oder Früherkennungsmaßnahme einzeln abgewägt werden. Je nach Methode und durchgeführten Studien können sich andere Ergebnisse ergeben.

Risiken von Früherkennungsverfahren

Eine regelmäßige Teilnahme an Früherkennungsverfahren kann nicht vor einer Krankheit schützen. Das funktioniert nur bei speziellen Vorsorgeuntersuchungen.

Durch die Früherkennung können Krankheiten in ihren Vorstufen erkannt werden. Jedoch ist dadurch nicht geklärt, ob sich die Vorstufe zur Krankheit weiterentwickelt oder ungefährlich bleibt. Viele Menschen, die eine potentielle Diagnose erhalten, lassen sich im Anschluss weiter behandeln. Auch solche, bei denen sich in Zukunft gar keine Krankheit entwickelt hätte. Durch die Früherkennung erfolgt dann eine sogenannte Überdiagnose.

Darunter versteht man die Diagnose einer Erkrankung, die sich ohne die Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte. Sie hätte keine Beschwerden ausgelöst. Zwar sind Überdiagnosen keine Fehldiagnosen, dennoch ist es fraglich, ob eine Behandlung überhaupt nötig ist. Vor allem bei schweren Krankheiten wie Krebs ist die Überdiagnose sehr belastend und führt häufig zu Übertherapien. Ohne eine Früherkennungsuntersuchung könnte man sich diesen unnötigen Einschnitt ins Leben ersparen. Denn wie oft wir „krank“ sind und wieder gesund werden, ohne etwas davon mitzubekommen, wissen wir nicht.

Auch der Vorgang der Untersuchung kann Schaden anrichten. So belasten Röntgenuntersuchungen den Körper mit Strahlung. Bei Darmspiegelungen können Blutungen oder (selten) schwere Verletzungen entstehen.

Was die gesetzliche Krankenkasse zahlt

Der Nutzen einer Früherkennungsmaßnahme muss immer größer sein als ihr Schaden. Nach diesem Prinzip gehen auch die gesetzlichen Krankenkassen vor. Sie bezahlen in der Regel nur die Untersuchungen, deren Nutzen erwiesenermaßen den Schaden übersteigt.

Dagegen gibt es zusätzlich die Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Bei solchen Früherkennungsverfahren fehlen in der Regel aussagekräftige Untersuchungen, ob der Nutzen größer als der Schaden ist. Aus diesem Grund übernimmt sie die Krankenkasse nicht.

Entscheidung dafür oder dagegen

Bevor Sie sich für oder gegen eine Früherkennungsuntersuchung entscheiden, müssen Sie sich folgendem bewusst werden: Die Tests sind nie zu 100 % treffsicher. Ein positives Testergebnis bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie tatsächlich erkrankt sind. Lassen Sie sich dadurch nicht verunsichern.

Wenn Sie sich mit der Thematik beschäftigen, ist es ratsam, sich von einem Experten beraten zu lassen. Gemeinsam können Sie Vorteile und Nachteile abwägen. Dafür benötigt es wissenschaftlich fundierte und vor allem neutrale, objektive Informationen. Nur so können Sie gewährleisten, dass Ihre Gesundheit im Fokus steht und keine ökonomischen Gründe.

Informationen und Entscheidungshilfen zur Früherkennungsuntersuchung können Sie auch bei einigen Krankenversicherungen finden. 

Quelle: freenet.de
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