Bettwanzen

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von Jutta Pöschl

Herannahende Herbst- und Winterstürme in unseren Breitengraden lassen viele unserer Mitmenschen in wahre Verzückung geraten: denn dann ist die beste Reisezeit für viele wärmere Gefilde. Entspannt und verwöhnt vom wochenlangen Räkeln unter südlicher Sonne, wirken die eisigen heimischen Temperaturen wie ein Schock auf die Heimkehrer. Da helfen nur dicke Pullis, warme Jacken und des Nächtens ein mollig warmes Bettchen.

Juckt und sticht es nach einigen Tagen beim morgendlichen Erwachen, könnte bald der Ausnahmezustand angesagt sein. Zeigen die betroffenen Stellen dann die typischen Reihenstiche, wurden wahrscheinlich Bettwanzeneier oder -larven aus den tropischen Urlaubszeilen importiert. Der immer weiter ansteigende Reiseverkehr in ferne Länder ist für die neuerliche Invasion der lästigen Blutsauger verantwortlich, denn sie reisen einfach im Urlaubsgepäck mit nach Hause.

Die Stiche der klassischen Parasiten sind an einer breitflächigen, kleinfingernagelgroßen Rötung der Haut zu erkennen. Sie lösen oft kleine Blutungen, Quaddeln und nervigen Juckreiz aus, der mit juckreizstillenden Gelen oder Salben behandelt werden muss. Wer das Kratzen im Bereich der Stichstellen nicht unterlässt, kann sich dadurch eine bakterielle Superinfektion zuziehen. Seltene Komplikationen sind Asthmaanfälle, Sehstörungen sowie ein anaphylaktischer Schock.

Nachts spielen sich dramatische Szenen ab: Angelockt durch die Atemluft des Schläfers, werden die hungrigen kleinen Blutsauger aus Wänden, Steckdosen und Fußleisten hervorgelockt. Nicht selten krabbeln Bettwanzen auf der Zimmerdecke und lassen sich von dort auf ihr, im Bett liegendes, ahnungsloses Opfer fallen. Eine schlafraubende Vorstellung für jeden, der sich die kleinen Biester versehentlich als Urlaubs-Souvenir eingepackt hat.

Den Befall einer Wohnung mit Bettwanzen erkennt man auch am spezifischen süßlichen Gestank der Stinkdrüsen, der ihr Revier vor Fressfeinden schützen soll. Zum anderen sind Kottröpfchen auf der Bettwäsche Hinweis auf das sichere Vorhanden sein der Insekten. Die lästigen Insekten kommen besonders häufig in warmen Ländern vor. Die ausgewachsenen weiblichen Wanzen werden bis 8,5 Millimeter lang. Im vollgesogenen Zustand erscheinen sie dunkelbraun. In hungrigem Zustand sind sie unauffällig hellbraun und papierdünn.

Alle Stadien des Entwicklungszyklus dieser Insekten sind nachtaktiv. Weibliche Bettwanzen erreichen ein Alter von bis zu einem Jahr und legen dabei um die 500 Eier. Wanzen lieben Wärme. Je kuscheliger die Umgebungstemperatur, umso schneller schlüpfen die Larven. Die Geschlechtsreife erlangen Bettwanzen nach sechs bis acht Wochen. Ein betroffener Haushalt hat es deshalb oftmals mit einem Massenbefall zu tun. Die äußerst agilen Insekten können in einer Minute bis zu einem Meter zurücklegen und sie können relativ lange hungern. Bei mäßigen Temperaturen können Bettwanzen bis zu sechs Monate ohne Blutnahrung überleben - frostunempfindlich sind die Mini-Vampire noch dazu. Insgesamt umfasst die Familie der Bettwanzen 22 Genera mit 74 Arten. Am liebsten saugen sie Blut bei Vögeln, Fledermäusen und beim Menschen. In Deutschland ist Cimex lectularius von besonderer epidemiologischer und medizinischer Bedeutung.

Eigentlich dachte man die unangenehmen Tierchen wären bei uns schon ewig aus den Matratzen verschwunden. In den vergangenen Jahren wurden die Gesundheitsbehörden jedoch wieder zunehmend mit dem Problem des Bettwanzen-Befalls konfrontiert. Die unerwünschten Besucher sind nicht nur in verwahrlosten Wohnverhältnissen aufzuspüren, wo mangelnde Hygiene die Ursache darstellt. Auch über antiquarische Möbel oder als Mitbringsel eines Tropenurlaubes können die unliebsamen Mitbewohner in die eigenen vier Wände gelangen. Sie existieren häufig, tagsüber unentdeckt, in Stoffen, Tapeten, Verschalungen, Ritzen, Betten, Teppichen oder an Fenstern und Wänden. Zur Vorbeugung sollten Luftschächte, die zu verwandten Nachbarwohnungen führen, mit Kontaktinsektiziden besprüht werden.

Wer feststellt, dass er Bettwanzen in seiner Wohnung beherbergt, sollte schleunigst einen Fachmann zu Rate ziehen. Ohne den Einsatz entsprechender Insektizide wird man die Insekten schlecht wieder los. Die Eier sind oftmals in schlecht zugänglichen Ritzen oder hinter Verschalungen abgelegt worden und lassen sich nicht einmal durch die Vernebelung immer sicher erreichen. Die Blutsauger reagieren in manchen Entwicklungsstadien zudem recht resistent auf die verfügbaren Insektizide. Aus diesem Grund muss der Vorgang mehrmals, mit regelrechten Chemie-Cocktails, wiederholt werden. Wer sich die lästigen Parasiten eingefangen hat, muss möglicherweise mit größeren Aktionen und Verlusten rechnen. Einrichtungsgegenstände wie Sofas, Sessel, Betten oder Kleidung müssen nicht selten verschrottet werden um die lästigen Krabbeltiere wieder loszuwerden.

Tipp:
Versteckte Bettwanzen in Koffer- oder Taschenverschlüssen kann man, vor der Heimreise, ganz einfach durch Hineinhauchen in die Verschlüsse herauslocken. Das enthaltene Kohlendioxid lockt die kleinen Biester aus ihrem Versteck hervor.

Quellen: http://www.hermann-levinson.de/bettwanze.htm ; www.medizin.de

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