Darmkrebs ist vermeidbar

Darmkrebs ist vermeidbar
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Darmkrebs ist vermeidbar

20.03.2005 - 23:00 Uhr

Betrachtet man die Zahl der Erkrankungen beider Geschlechter, so ist Darmkrebs die häufigste Krebsart. Jährlich erkranken 66.000 Deutsche daran, 30.000 sterben an dieser Krebsform. Zusammen mit Lungenkrebs ist Darmkrebs die häufigste Todesursache. Doch trotz hervorragender Früherkennungs-Methoden nutzen viel zu wenige die Vorsorge-Untersuchungen. Dies ist umso erschreckender, da Darmkrebs - im Gegensatz etwa zum Lungenkrebs - durch Früherkennung nahezu komplett verhindert beziehungsweise geheilt werden kann.

Das Risiko, im Laufe des Lebens an einem Kolonkarzinom zu erkranken, beträgt vier bis sechs Prozent und ist für familiär vorbelastete Personen zum Teil noch erheblich höher.

Daher ruft die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger gemeinsam mit der Hessischen Krebsgesellschaft anlässlich des "Darmkrebsmonats März 2006" die Bevölkerung auf, die Vorsorgeuntersuchungen zum Schutz vor Darmkrebs unbedingt in Anspruch zu nehmen.

Darmkrebsfrüherkennung rettet Leben
"Diese Präventionsmöglichkeiten werden zu wenig genutzt. Doch sie retten Leben.", so Lautenschläger. Die Bevölkerung soll über die Risiken, die eine Darmkrebserkrankung begünstigen, aufgeklärt und für [LINK "http://www.hessen-gegen-darmkrebs.de/" ]das Thema sensibilisiert werden. Auch junge Menschen mit einem familiär bedingten Darmkrebsrisiko sollen erreicht werden. Die Sozialministerin macht darauf aufmerksam, dass die Darmspiegelung seit 2002 für alle gesetzlich Krankenversicherten ab dem 55. Lebensjahr eine Kassenleistung ist und keine Praxisgebühr anfällt. Bei familiärer Vorbelastung oder ärztlich begründetem Verdacht auf eine Erkrankung werden die Kosten für die Früherkennungsuntersuchung auch schon in früherem Alter von der Krankenkasse übernommen.

Wie entsteht Darmkrebs?
Darmkrebstumore entwickeln sich schrittweise aus zunächst gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut. Diese so genannten Polypen können jahrelang gutartig bleiben, aber sie können auch entarten und sich zu einem bösartigen Tumor entwickeln. Das Tückische daran ist, dass dies meist schleichend und völlig unbemerkt innerhalb von fünf bis zehn Jahren geschieht.

Diese Entwicklung ist durch eine Folge molekuarbiologischer Ereignisse charakterisiert. Eines der ersten Ereignisse in den Zellen der Darmschleimhaut ist hierbei der funktionelle Ausfall eines Tumor-Suppressor-Gens, des APC-Gens (Adenomatöses Polyposis Coli-Gen).

Diese Erbanlage behütet die Zellen vor einer abnormal schnellen Teilung. Fällt diese Funktion aus (bedingt durch Mutation) teilen sich die Zellen schneller, es entsteht zunächst ein kleiner gutartiger Schleimhautpolyp, auch Adenom genannt. In einigen Zellen des Polypen können sich nun weitere genetische Veränderungen ansammeln, die das Zellwachstum beschleunigen.

Die Folge: Der Polyp wächst und kann schließlich die Schleimhaut und Darmwand durchbrechen. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass sich Krebszellen absondern und über die Blutbahn andere Regionen des Körpers erreichen. Hier können sich dann weitere Tumore bilden, die man als Metastasen bezeichnet. Dies ist charakteristisch für einen bösartigen Tumor.

Zur Beschreibung der Krankheitsentwicklung benutzen Ärzte das so genannte „TNM-System“. Sie teilen das Tumorwachstum in mehrere Stadien ein. Dabei werden die Tumorgröße (T), die Anzahl der befallenen Lymphknoten (N für Nodus = Knoten) und das Vorhandensein von Metastasen (M) berücksichtigt.

Folgende Tumorstadien werden unterschieden:
Stadium 0
Tumorzellen sind nur in der oberen Darmschleimhaut zu finden (T=„is“ für „in situ“ = begrenzt). Lymphknoten sind nicht befallen (N=0), Metastasen sind nicht feststellbar (M=0).

Stadium 1
Kleiner Tumor, der sich auf seinen Entstehungsort beschränkt. Befall der Darmschleimhaut (T=1) oder auch der darüber liegenden Muskelschicht (T=2). Lymphknoten sind nicht befallen (N=0), Metastasen sind nicht feststellbar (M=0).

Stadium 2
Größerer Tumor, der in alle Schichten der Darmwand vorgedrungen ist und die äußere Schicht der Darmwand bereits durchbrochen hat (T=3) beziehungsweise eventuell auch andere Organe befallen hat (T=4). Lymphknoten sind nicht befallen (N=0), Metastasen sind nicht feststellbar (M=0).

Stadium 3
Weit fortgeschrittener Tumor. Lymphknoten sind befallen (N=1-2), Metastasen sind nicht feststellbar (M=0).

Stadium 4
Der Tumor hat das umliegende Gewebe erfasst. Es sind bereits Metastasen in anderen Organen wie Leber oder Lunge vorhanden (M=1). Lymphknoten können befallen sein (N=0-2).

Verschiedene Studien weisen auf einen Einfluss von so genannten "Lifestyle-Faktoren" auf das Darmkrebsrisiko hin. So ist häufiger Konsum von rotem Fleisch und tierischen Fetten, Übergewicht, vermehrter Alkoholkonsum und Zigarettenrauchen mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko verbunden. Vor allem die bei der Fleischverdauung als Ausscheidungsprodukt entstehenden Gallensäuren scheinen einen Krebs auslösenden Einfluss auf die Zellen der Darmwand zu haben. Körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung (viel Obst, Gemüse und Ballaststoffe) scheinen dagegen das Risiko zu senken.

Neben fortgeschrittenem Alter gehört eine familiäre Vorbelastung zu den Risikofaktoren
Vor dem 40.Lebensjahr ist Darmkrebs selten, in hohem Alter steigt das Erkrankungsrisiko dann steil an.

Für Personen, mit einen Verwandten ersten Grades (Vater, Mutter, Geschwister), der nach dem 60. Lebensjahr erkrankte, beträgt das Risiko im Laufe des Lebens (Lebenszeitrisiko) an einem Kolonkarzinom zu erkranken zehn Prozent. Ist ein Verwandter ersten Grades vor dem 60. Lebensjahr an einem Kolonkarzinom erkrankt oder sind mehr als ein Verwandter ersten Grades betroffen, so liegt das Lebenszeitrisiko bei über 30 Prozent. Diese familiär gehäuften Kolonkarzinome können auch in jüngerem Alter (vor dem 50. Lebensjahr) auftreten und machen gut 30 Prozent aller Darmkrebserkrankungen aus.

Weitere Risikofaktoren sind das Vorliegen bestimmter entzündlicher Darmerkrankungen und erblicher Darmkrebs.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Darmkrebsrisiko
Zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen werden die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn gezählt. Die Ursachen dieser Erkankungen sind derzeit noch nicht vollständig geklärt. Vieles spricht dafür, dass es sich um Autoimmunerkrankungen handelt, bei der das Immunsystem gegen das körpereigene Gewebe reagiert. Die Colitis ulcerosa befällt ausschließlich den Dickdarm und breitet sich vom Enddarm nach oben hin aus. Die Entzündung bleibt auf die Schleimhaut des Darms beschränkt. Nach zehnjähriger aktiver Colitis ulcerosa steigt das Darmkrebsrisiko auf das bis zu 20-fache der Normalbevölkerung.

Der Morbus Crohn befällt meistens den Dickdarm, kann jedoch im gesamten Verdauungstrakt auftreten. Das Darmkrebsrisiko bei Morbus Crohn ist ebenfalls von der Krankheitsdauer und Aktivität abhängig, scheint jedoch deutlich niedriger zu sein als bei der Colitis ulcerosa.

Erblicher Darmkrebs
Weniger als zehn Prozent aller Darmkrebserkrankungen fallen in die Gruppe der erblichen Kolonkarzinome. Diese Patienten zeichnen sich durch eine angeborene Veränderung bestimmter Gene aus. Ein Beispiel ist die sehr seltene Familäre Adenomatöse Polyposis (FAP), bei der das schon beschriebene APC-Gen vererbungsbedingt ausgefallen ist. Die Patienten entwickeln schon im Jugendalter tausende Dickdarmpolypen, deren Zahl für eine endoskopische Entfernung (Darmspiegelung) viel zu groß ist. Eine operative Entfernung des Dickdarms ist unvermeidbar, da das Risiko bis zum 40. Lebensjahr an Dickdarmkrebs zu erkranken, für diese Patienten bei 100 Prozent liegt.

Das Tückische am Darmkrebs ist, dass die Anfangsstadien häufig überhaupt keine Beschwerden verursachen. Werden also Krankheitszeichen verspürt, spricht das für ein bereits fortgeschrittenes Krankheitsstadium. Daher sind Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig.

Typische Symptome sind:
- länger anhaltende Bauchschmerzen
- tastbare Veränderungen im Bauchraum,
- Wechsel von Durchfall und Verstopfung,
- Blut im Stuhl: Das können entweder sichtbare Blutbeimengungen im Stuhl (bei 35 Prozent der Patienten) oder unsichtbare (okkulte) Blutbeimengungen (bei weiteren 35 Prozent der Patienten) sein. Letztere werden meist im Rahmen der Routine-Krebsvorsorgeuntersuchung entdeckt.
- geschwollene Lymphknoten in der Leiste,
- Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, die etwa 15 Prozent aller Patienten beschreiben.

Experten raten als sicherste Methode im Kampf gegen Darmkrebs zur Darmspiegelung. 90 Prozent der jährlich neu auftretenden Darmkrebserkrankungen seien damit vermeidbar, sagte Professor Wolff Schmiegel, Darm-Spezialist an der Bochumer Uni-Klinik. Doch trotz hervorragender Früherkennungs-Methoden nutzten nur zwei Prozent der über 50-Jährigen die Vorsorge-Untersuchungen. Als Hauptgrund nannte der Darm-Spezialist unzureichende Aufklärung.

Mit der Darmspiegelung könnten Polypen, die Vorformen des Darmkrebses, entdeckt und gleichzeitig entfernt werden, erklärte Schmiegel, der auch Vorsitzender des Fachausschusses "Krebs-Früherkennung" der Deutschen Krebshilfe ist. Ein Stuhlbluttest hingegen senke das Darmkrebsrisiko nur um 30 Prozent, da dieser Test Krebs nur feststelle, sofern Wucherungen bluteten.

Wie funktioniert die Darmspiegelung?

Bei dieser Untersuchung führt der Arzt einen biegsamen Schlauch (Koloskop) durch den After in den Darm ein. Am Ende des Schlauches befindet sich eine Miniatur-Kamera. Der Arzt kann so über einen Bildschirm direkt das Darminnere sehen. Entdeckt er dort verdächtige Wucherungen, kann er mit einer Drahtschlaufe, die über den Schlauch eingeführt wird, sofort Gewebeproben (Biopsien) entnehmen bzw. die gesamte Wucherung entfernen. Anhand dieser Proben kann er feststellen, ob es sich um Krebs handelt. Die Koloskopie kann ambulant durchgeführt werden. Patienten empfinden die vorher notwendige Darmreinigung. teilweise als unangenehm.

Unzureichende Aufklärung
Die meisten Menschen wüssten nicht, dass seit 2002 die Darmkrebs-Früherkennung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werde. 50- bis 55-Jährige können nach Angaben des Experten jährlich einen kostenlosen Stuhlblut-Test machen, im 56. Lebensjahr haben sie Anspruch auf eine kostenlose Darmspiegelung, die nach zehn Jahren einmal wiederholt wird. Ebenso seien sich viele über die Chancen der Früherkennung nicht bewusst. Im Gegensatz zu Lungenkrebs oder Leukämie sei Darmkrebs frühzeitig erkennbar und vollständig heilbar.

50-Jährigen statt der Stuhltests schon eine Darmspiegelung kostenlos zu ermöglichen, lehnt der Experte ab. Das Risiko einer Darmkrebserkrankung sei in diesem Alter noch zu gering. Allerdings sollten Menschen, deren Familienangehörige bereits an Darmkrebs erkrankt sind, sich mindestens fünf bis zehn Jahre vor dem 50. Lebensjahr untersuchen lassen. Zur Vorsorge gegen Darmkrebs empfiehlt Schmiegel unter anderem eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Körnerbrot sowie Bewegung. Mit gesunder Ernährung könne das Darmkrebsrisiko um 15 bis 20 Prozent gesenkt werden.

Die Wahl der Therapie hängt davon ab, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Zur Einteilung der Krankheitsentwicklung benutzen Ärzte das so genannte „TNM-System“.

Auf Basis dieser Untersuchungsergebnisse wird eine individuelle Behandlungsstrategie festgelegt. Zentraler Bestandteil der Darmkrebsbehandlung ist die Operation mit vollständiger Entfernung des Tumors. Wurde die Erkrankung frühzeitig erkannt, bietet die Operation gute Heilungschancen von nahezu 100 Prozent.

Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, verlagert sich der Therapieschwerpunkt mehr zu den nicht-operativen Maßnahmen, wie der Strahlen- und der Chemotherapie.

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