Das Lymphsystem

11.03.2011 - 11:00 Uhr

Behandeln Sie das Lymphsystem gut – es kann Ihr Leben retten .

Sie tun viel für Ihr Herz-Kreislauf-System, Sie treiben regelmäßig Ausdauersport und ernähren sich fettarm? Schön. Sie trinken ein Glas Rotwein zum Abendessen? Toll, bis zu 0,4 Liter am Tag wirken ja schließlich herzschützend. Sie befolgen jede vorstellbare Vorbeugungsmaß­nahme? Besser geht’s nicht.Falsch! Sagt zumindest der angesehene Herzchirurg Professor Gerald Lemole von der Universität in Philadelphia. „Zwar machen Sie alles richtig, doch Sie vergessen einen weiteren Schutzmechanismus für Ihr Herz: das Lymphsys­tem“, sagt der Experte, der in seiner mehr als 35-jährigen Laufbahn tausende Herzoperationen durchgeführt hat. „ Würde jeder mehr auf ein gesundes Lymphsystem achten, gäbe es deutlich weniger Herz­erkrankungen und Infarkte.“
Sie haben keine Ahnung, was das Lymphsystem ist? Willkommen im Club! Zum ersten Mal in ihrem Leben hören die meisten Menschen die Silbe „Lymph“ in Zusam­menhang mit Krebs. Etwa in einem Satz wie: „Sie haben bereits Metastasen in den Lymphknoten.“ Das Negativ-Image hat das lymphatische System aber nicht verdient.
Einfach ausgedrückt ist das Lymphsystem ein Netzwerk von Gefäßen und Knotenpunkten. Wichtige Aufgabe dieses Systems ist es, Stoffwechsel-Abbauprodukte und Krank­heits­erreger aus dem Körper zu filtern und abzutransportieren. Bisher gibt es wenige Untersuchun­gen über den Zusammenhang zwi­schen Lymphsystem und Herzgesundheit. Vieles spricht aber dafür, dass ein intaktes Lymph­system Ihr Herz schützt.
Gefährlicher Stau
Ist der Lymphfluss schwach, bleiben Schadstoffe zu lange im Körper und können bösartige Verände­rungen hervorrufen. „Je länger die Gifte und Stoffwechselprodukte in der Lymphe bleiben, desto höher ist die Gefahr einer Entzündung. Und desto größer ist das Risiko, eine Arteriosklerose zu entwickeln“, erklärt Lemole. Der Herzspezialist vermutet, dass ein starker Lymph­fluss auch den Abbau von Choles­terin beschleunigt. Erklärung: Zusammen mit der Lymphflüssigkeit dringt Cholesterin aus kleinsten Blutgefäßen (Ka­pillaren) in die Lymphgefäße. Staut sich die Lymphe in den Kapillaren, besteht die Gefahr von Cholesterin-Ablagerungen, oftmals Vorläufer eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.
Größter Kanal im Lymph­system ist der so genannte Milchbrustgang (Ductus tho­racicus), der den gesamten Brustkorb durchzieht. Er ist etwa so dick wie ein Bleistift. Fast alle übrigen Lymphgefäße münden in den Ductus thoracicus, dessen Inhalt in die großen Körpervenen fließt. Unser Lymphsystem hat kein Herz – also kann keine Pumpe die Flüssigkeit in Bewegung bringen. Stattdessen halten die Muskel-Kontraktionen die Lymphe im Fluss, selbst kleins­te Bewegungen oder das Atmen reichen aus.
Gesund mit System
Das Geheimnis eines gesunden Lymphsystems besteht
also darin, die Lymphe durch die Kanäle zu befördern und dafür zu sorgen, dass diese Leitungen nicht verstopfen. Das geht leichter, als Sie vielleicht befürchten. Dies sind die geeigneten Methoden:
1. Yoga – ohne Esoterik
Sie denken bei Yoga entweder an übermenschliche Verrenkungen, oder Ihnen steigt sofort der penetrante Duft von Räucherstäbchen in die Nase? Vergessen Sie’s! Denn Yoga ist gut für Sie und Ihr Lymph­sys­tem. Also, ab jetzt gehen Sie nicht in den Lotussitz, um innere Ruhe zu finden. Jetzt tun Sie es, um die verdammte Flüssigkeit in Ihrem Körper durch die Kanäle zu bewegen. Gute Übungen dafür finden Sie auf der nächsten Seite.
2. Den Blasebalg einsetzen
„Auch eine normale Atmung bewegt die Lymphe durch den Körper“ , so Professor Lemole. „Die Lungen besitzen eine Art Blasebalg-Mechanismus, der den Milchbrustgang massiert und die Lymphe so in Richtung Nacken drückt.“ Tiefes Atmen verstärkt den Effekt. Wenn Sie langsam einatmen, Ihre Lunge so weit wie möglich füllen und dann so kräftig wie möglich ausatmen, sorgt der dramatische Druck­unter­schied in Ihrem Brustkorb dafür, dass alles ins Fließen kommt. „Nur zehn Minuten tiefes Atmen pro Tag helfen schon, Ihre Blutgefäße zu schützen“, erläutert Lemole.
3. Ausdauernd gesund
Dass Sport gesund ist, haben Sie als Leser dieses Magazins ja eventuell schon vermutet. Ist Ihnen aber je der Gedanke gekommen, dass Sie damit auch Ihr Lymphsystem trainieren? Ist aber so. Denn die Kontraktion der Muskeln bewegt die Lymphe, ebenso wie das schnellere Schlagen Ihres Herzens und die schnellere Atmung. Viele Menschen at­men beim Ausdauertraining jedoch nicht tief genug ein – also immer schön aus dem (Waschbrett-)Bauch heraus.
4. Hände hoch!
Einige Experten schieben die Langlebigkeit von Dirigenten auf ihren Spaß an der Arbeit oder die Wirkung der Musik. Professor Lemole ist dagegen der Meinung, das Dirigieren selbst sei das wahre Geheimnis. Arme hoch und damit we­deln – das öffnet den Brustkorb, erlaubt den Lungen, sich zu weiten, und dehnt sogar
direkt den Milchbrustgang. 3 Sie trauen sich nicht zu, ab und zu eine Beethoven-CD oder die No Angels zu dirigieren? Ersatzweise hilft auch Skilanglauf dabei, Ihre Arme auf die nötige Höhe zu bringen. Oder Rudern, Klimmzüge oder lange Schwimmzüge.
5. Auf dem Sprung
Wenn man hüpft, kann dies die Lymph­flüssigkeit eben-falls in Schwung bringen. Der Bewegungsimpuls hilft der Lymphe, leichter aus Beinen und Armen in Richtung des Herzens zu gelangen. Zudem verstärkt die Änderung der Schwerkraft den Blutfluss. Die beste Übung? Rebounding. Auf Deutsch: Trampolinspringen. Die konventionelle Medi­zin ist zwar noch skeptisch, was die gesundheitlichen Vorzüge von Rebounding angeht. Doch Anhänger der alterna­ti­ven Medizin glauben schon lange fest daran. Kleine Trampolins passen übrigens in jedes Wohnzimmer. Sollten sich die Unter-Mieter beschweren, geben Sie ihnen einfach diesen Artikel zu lesen (verstecken Sie ihn aber besser vor denen, die über Ihnen wohnen).
6. Haltung zeigen
Ihre Mutter hat immerzu an Ihrer schlechten Haltung herumgenörgelt? Schicken Sie ihr sofort einen großen Blumenstrauß und seien Sie ihr fortan für immer dankbar. Denn eine halb militärische Haltung – Schultern zurück und Kopf hoch – öffnet ebenfalls Brustkorb und Nackenbereich. Und das bringt Ihre Lymphe … aber das wissen Sie ja schon.
7. Streicheleinheiten
Viele Formen der Massage und Be­rührungstherapie, etwa die Fuß­reflexzonen-Massage oder Shi­at­su, steigern den Lymph­fluss deutlich. „Das Geheimnis ist, den Druck zu erhöhen, wenn man in Richtung Herz drückt, und ihn zu verringern, wenn man vom Herzen weg streicht.“ Sehr effektiv sind Na­ckenmassagen, da 30 Prozent der Lymphknoten hier liegen.
8. Ab ins Bett!
Alles zu anstrengend? Sport ist wichtig, aber unser Lymphsystem braucht auch Ruhe. Die Schwerkraft hemmt den Fluss der Lymphe von den Füßen zum Milchbrustgang. Während des Schlafens muss Ihr Lymphsystem nicht dagegen ankämpfen. Die Folgen von Schlafmangel und Stress sind auch aus einem anderen Grund schlecht fürs Lymph­system und damit fürs Herz: Stresshormone wie Adrenalin verengen die Lymphkanäle.
9. Lachen Sie darüber!
Sollte Sie das alles nicht überzeugt haben, lachen Sie einfach über diesen Artikel. Aber möglichst herzhaft, denn das massiert ganz nebenbei Ihren Milchbrustgang – auch wenn Ihnen das vielleicht vollkommen egal ist.

Quelle: 2011 Men’s Health – Rodale-Motor-Presse GmbH & Co. KG
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