FFP2-Masken unter freiem Himmel - nützlich oder unsinnig?

Eine kurze Begegnung mit Menschen an der frischen Luft ohne
Maske halten Experten für ungefährlich.
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Eine kurze Begegnung mit Menschen an der frischen Luft ohne Maske halten Experten für ungefährlich.

© Kira Hofmann

Manche tragen aus Vorsicht vor dem Coronavirus auch draußen eine Maske. Was in Geschäften und öffentlichem Verkehr Pflicht ist, fällt in Parks und im Wald auf. Ist es trotzdem sinnvoll?

Berlin (dpa) - Wenn die Sonne scheint und die Temperaturen klettern, treibt es die Menschen aus dem Haus. Manche tragen ihre FFP2-Masken zum Schutz gegen das Coronavirus dann auch unter freiem Himmel, selbst wenn sie auf weitläufigen Straßen oder in Parks unterwegs sind.

Dabei ist es dort in den meisten Fällen gar nicht verordnet. Macht es trotzdem Sinn?

BEHAUPTUNG: Wer sich wirklich vor Corona schützen will, muss auch draußen FFP2-Maske tragen

BEWERTUNG: Nicht belegt.

FAKTEN: Bundesweit müssen in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften entweder einfache OP- oder partikelfilternde FFP2-Masken getragen werden. Erstere schützen vor allem den Gegenüber, zweitere zusätzlich auch die Träger selbst.

Schon lange sind sich Experten einig: In Innenräumen ist die Gefahr einer Corona-Infektion wesentlich höher als an der frischen Luft. Dennoch ziehen auch dort manche ihre FFP2-Masken über Nase und Mund.

Das müssen Sie zur Maskenpflicht wissen:

  • Wo kann ich FFP2-Masken kaufen?
    Normalerweise in Apotheken und Drogerien, inzwischen auch bei immer mehr Supermärkten und Discountern. Im Internet lassen sich die Masken auch besorgen.
  • Worauf muss ich beim Kauf achten?
    Auf der Oberfläche jeder einzelnen Maske ist ein Prüfsiegel gedruckt - oder sollte es sein. Das CE-Kennzeichen und die Prüfnorm sind der Nachweis dafür, dass die Maske ein erfolgreiches Nachweisverfahren durchlaufen hat und den Normen der EU entspricht. Es enthält zudem einem vierstelligen Code, der Aufschluss über die Prüfstelle bietet, er kann auf der Webseite der EU-Kommission überprüft werden.
  • Was sind N95- oder KN95-Masken?
    FFP2 ist europäischer Standard, in anderen Ländern gibt es andere Bezeichnungen. In den USA heißt es etwa N95, in China KN95. Letztendlich verbergen sich dahinter vergleichbare Zulassungsanforderungen - ob das bei einer Kontrolle in Bayern derzeit als rechtskonform durchgehen würde, ist allerdings unklar.
  • Wie oft darf man die FFP2-Maske verwenden?
    Vor der Pandemie sind die partikelfiltrierenden FFP2-Masken ("Filtering Face Piece") vor allem im Handwerk zum Einsatz gekommen. Eigentlich handelt es sich dabei um Einwegprodukte, allerdings für eine Acht-Stunden-Schicht. Da sie im Pandemie-Alltag nicht dauerhaft, sondern nur für einen etwa 30-minütigen Einkauf oder eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln eingesetzt werden, kann man sie öfter benutzen. Allerdings müssen sie dafür zwischendurch richtig gelagert und gereinigt werden.
  • Wann muss die Maske getauscht werden?
    Allerspätestens wenn eine FFP2-Maske sichtlich verschmutzt oder beschädigt ist, muss sie ausgetauscht werden.
  • Wie muss die Maske sitzen?
    Um vor einer Infektion zu schützen, müssen die Masken direkt auf der Haut aufliegen, der Bügel auf der Nase muss so angedrückt werden, dass Luft tatsächlich nur noch über die Maske entweichen kann.
  • Ist die Maske auch für Bartträger geeignet?
    Bartträger stehen vor einem Problem: Durch den Abstand zwischen Haut und Maske kann weiterhin Luft ungefiltert ein- und ausströmen. Daher sollten Sie sich überlegen, ihren Bart vielleicht abzurasieren. 
  • Wie setze ich die Maske richtig auf und ab?
    Vor dem Auf- und Absetzen sollten die Hände gewaschen oder desinfiziert werden, damit die Maske nicht durch Erreger kontaminiert wird. Während des Tragens sollte sie weder berührt noch verschoben werden. Beim Absetzen nur an die Fixierungsbänder greifen.
  • Wie bewahre ich die Maske am besten auf?
    Die Maske sollte an einem Haken oder Bügel aufbewahrt und getrocknet werden, ohne andere Gegenstände zu berühren.
  • Reinigungsmöglichkeit 1: Rotationsprinzip
    Die beste Anwendung ist das Rotationsprinzip. Dafür besorgen Sie sich mehrere FFP2-Masken, am besten für jeden Wochentag eine. Wenn die Maske sieben Tage nicht verwendet worden ist, ist sie weitgehend keimfrei und kann wieder verwendet werden. Die Masken, die nach diesem Prinzip aufbewahrt werden, können etwa fünf Mal benutzt werden.
  • Reinigungsmöglichkeit 2: Backofen
    Auch im Backofen lassen sich die Masken reinigen. Dazu lassen Sie die Maske nach dem Tragen erst einen Tag trocknen. Danach erhitzen Sie sie bei 80 Grad für eine Stunde im Backofen bei Ober- und Unterhitze. Die genaue Temperatur ist dabei allerdings sehr wichtig: Temperaturen unter 80 Grad machen den Coronaviren nichts aus, über 80 Grad kann sich die Maske verformen. Es wird ein gutes Backofen-Thermometer empfohlen.

Grund dafür ist wohl die Sorge, in eine sogenannte Aerosol-Wolke zu geraten. Diese bildet sich bei allen durch das Ausatmen vor dem Mund und kann bei Infizierten Coronaviren enthalten. Reden Menschen miteinander, dann werden diese Aerosole dem Gesprächspartner quasi ins Gesicht gepustet. Während sich in ungelüfteten Zimmern die Viren sammeln können, wird die ausgeatmete Luft im Freien aber schnell verdünnt und abtransportiert, wie die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) in Köln mitteilt.

"Absolut ungefährlich"

Eine kurze Begegnung mit Menschen an der frischen Luft hält der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, für ungefährlich. Die Menge an Viren, die man im Vorbeigehen womöglich abbekomme, reiche für eine Infektion nicht aus, sagte der Berater der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA jüngst dem Deutschlandfunk Kultur. "Joggen, Laufen, Wandern, Spazierengehen, das halte ich für absolut ungefährlich."

Auch die GAeF gibt in ihrem Positionspapier Entwarnung: "Im Freien finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel statt." Vorsicht sollte man allerdings walten lassen in Gruppen, bei denen keine Mindestabstände eingehalten und/oder keine Masken getragen werden - zum Beispiel bei längeren Unterhaltungen.

Bisher gelten für das Robert Koch-Institut (RKI) Menschen, die auch im Freien ohne jeglichen Schutz länger als 15 Minuten und mit weniger als 1,5 Meter Abstand mit einem Infizierten zusammenstehen als Kontaktpersonen mit "höherem Infektionsrisiko".

Gefahren durch zu langes Tragen

Zu lange eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, kann andererseits durchaus kontraproduktiv sein: weil die feuchte Ausatemluft die Wirksamkeit der FFP2-Masken vermindert. Die GAeF warnt, mit der Zeit verliere das Material seine elektrische Ladung. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schreibt: "Eine durchfeuchtete Maske sollte abgenommen und gewechselt werden."

Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern besteht zudem die Gefahr einer sogenannten Infektionsbrücke zwischen Träger und Umgebung: Bei feuchtem Material könnten auch bei FFP-Modellen etwa durch Husten oder Niesen Tröpfchen von der Außenfläche der Maske in die Umgebung geschleudert werden.

Grundsätzlich sind FFP2-Masken aus Sicht der Hersteller nicht zur Wiederverwendung vorgesehen. Experten der Fachhochschule Münster zufolge, die seit Monaten diese Modelle untersuchen, lassen sich aber auch durch Atemluft durchfeuchtete Masken bis zu fünf Mal aufbereiten - indem man sie etwa mindestens eine Woche lang an der Luft trocknet.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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