Frühstücken Sie schon hirngerecht?

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von Jutta Pöschl

Macht essen schlau? Wie Sie Ihr Gehirn auf Hochtouren bringen, verraten wir Ihnen.

Brain-Food am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Das Wichtigste was Ihr Gehirn morgens braucht ist Zucker, sagen Ernährungsexperten. Passt doch denken Sie sich und halten sich ihr Frühstück vor Augen: Einige Löffel voll Marmelade aufs Brötchen, vielleicht noch Schoko-Pops mit Milch und vor allem Kaffee, Kaffee, Kaffee. Gut süß natürlich. Das ist das übliche Standardfrühstück. Klar, Kaffee weckt das Gehirn, denn er schickt mehr Sauerstoff zu den grauen Zellen. Der morgendliche Treibstoff für den Motor sozusagen, er erhöht die Aufmerksamkeit und weckt das Sprachzentrum. Aber das ist leider der falsche Zucker sagen die Forscher. Unser Körper braucht Zucker, der langsam ins Blut geht und nicht den weißen Industriezucker aus Cornflakes und Kuchen. Damit wird der Start in den Tag nichts.

In der Auswahl der Nährstoffe nimmt das Gehirn eine Sonderstellung ein. Während der Rest des Körpers die verschiedensten Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße oder Fette in eine durch die Zellen verwertbare Energieform umwandeln kann, ist der Gehirnmetabolismus auf die Verfügbarkeit von Glukose, also Zucker, als Brennstoff angewiesen. Würden dem Gehirn schlagartig alle verfügbaren Glukosereserven entzogen, müsste es nach wenigen Minuten wegen Energiemangels die Arbeit einstellen. Im Ruhezustand verbraucht das Gehirn eines durchschnittlichen Erwachsenen ungefähr 55 Prozent der im Körper verfügbaren Glukose. Kinder hingegen haben weniger schnell verfügbare Energiereserven als Erwachsene. Deshalb ist die richtige Ernährung bei ihnen besonders wichtig.

Fruchtzucker. Er deckt den Energiebedarf des Gehirns. Er ist gerade morgens wichtig, damit man in Schwung kommt. Am besten wäre deshalb eine große Schüssel Obstsalat. Wer das morgens nicht mag, kann mit sich mit einem Apfel, einer Birne oder einer Banane und einigen Erdbeeren schon viel Gutes tun.

Eiweiß. Nur aus Eiweiß kann der Körper die für mentale Leistungen wichtige Aminosäuren bilden. Trinken Sie daher zum Frühstück zur Deckung Ihres Eisweißbedarfs jeweils ein großes Glas flüssigen Joghurt, Soja-, Dick- oder Buttermilch.

B-Vitamine. halten die Arterien frei und sichern damit auch die Sauerstoffzufuhr unter anderem zum Gehirn, sagen die Mediziner. Vitamin-B-Mangel lässt sich einfach durch Hefeflocken, die man in den Joghurt oder übers Müsli streut beheben.

Omega-3-Fettsäuren. lagern sich an den Außenseiten der Gehirnzellen ab und machen diese elastisch und halten sie jung. Das Gehirn arbeitet effektiver. Wer kann, sollte bereits morgens zum Frühstück etwas Lachs oder Makrele essen, um diese Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren zu sichern. Wer nicht, kann auf Leinsamen zurückgreifen. Streuen Sie einen Teelöffel voll über das Obst und das Müsli.

Flüssigkeit. Zu wenig Flüssigkeit ist schlecht für`s Gehirn, denn das besteht zu etwa 75 Prozent aus Wasser. Nur wenn Sie genug trinken, versorgen Sie Ihr Gehirn ausreichend mit Sauerstoff und Vitalstoffen. Die meisten Menschen beginnen schon morgens damit, ihren Körper austrocknen zu lassen. Zum Frühstück sollten Sie daher gleich ein großes Glas Wasser trinken ? wenn Sie viel Kaffee konsumieren, sogar zwei Gläser.

Das Monats-Special des Internet Edeka-Potals behauptet das zumindest. Stimmt es, dass mit dem richtigen Frühstück die Noten der Schüler besser werden? Können Kinder nach dem morgendlichen Vollkornbrötchen mit ungeteilter Aufmerksamkeit ihren Lehrern lauschen? Immer wieder kann man in der Presse und im Internet lesen, wie wichtig der Verzehr eines gesunden Frühstücks für die schulische Leistungsfähigkeit der Kinder sei. Beruhen diese Behauptungen und Zitate auf wissenschaftlich aussagekräftigen Ergebnissen?

Untersuchungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund (FKE) zeigen, dass 20- 30 Prozent der deutschen Schüler und Schülerinnen morgens kein Frühstück zu sich nehmen. Dabei nimmt die Bereitschaft zu Frühstücken mit dem Alter der Schüler ab. Der im Laufe des Morgens aufkommende Hunger wird mit Schokoriegeln, zucker- und koffeinhaltigen Softdrinks oder schlimmstenfalls Zigaretten bekämpft. Dabei wird das Frühstück nicht umsonst so oft als die wichtigste Mahlzeit des Tages bezeichnet. Es beendet die längste Fastenzeit im Tagesablauf. In der Regel beträgt die Zeit ohne Nahrungsaufnahme zwischen 10 und 13 Stunden. Wird das Frühstück jedoch ausgelassen und der Morgen völlig ohne Nahrungsaufnahme verbracht, kann sich diese Fastenperiode auf 19-20 Stunden verlängern. Dies erscheint den Forschern besonders kritisch, da der Energiebedarf durch die körperliche und geistige Aktivität im Wachzustand deutlich erhöht ist. Während der Nacht befinden sich Körper und Gehirn im Ruhezustand und verbrauchen nur wenig Energie. Mit Beginn der Wachphase wird durch körperliche und geistige Aktivität der Gesamtenergieverbrauch deutlich erhöht.

Das Gehirn isst mit

Das Gehirn stellt das Organ des Lernens dar. Um seine Funktion aufrechterhalten zu können braucht es Energie. Diese wird in Form von Nahrung aufgenommen und durch verschiedene biochemische Abbau- und Umwandlungsprozesse in eine für die Körperzellen verwertbare Energieform umgewandelt. Dabei nimmt das Gehirn eine Sonderstellung ein, die seine Bedeutung für das Überleben und Funktionieren des Organismus widerspiegelt. So macht das etwa 1500g schwere Gehirn eines 75 kg wiegenden erwachsenen Mannes nur etwa 2 Prozent seines Körpergewichts aus. Im Gegensatz dazu verbraucht dieses kleine Organ aber 20 Prozent der Energie die dem Körper zur Verfügung steht. Dies bedeutet, dass der Energiebedarf des Gehirns pro Gewichtseinheit den Verbrauch der gleichen Menge des restlichen Körpergewebes im Durchschnitt um das 10-fache übersteigt. Gehirngerechte Nahrung tut dem ganzen Menschen gut. In jedem Alter.

Quellen: Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund (FKE), Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL), Verlag für die Deutsche Wirtschaft.

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