Gallensteine

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Gallensteine

Von content-it

Geschwätzigkeit kann weh tun. Das ist zumindest der Fall, wenn Gallensteine plappern. Steine, die reden sind nichts Übersinnliches, sondern etwas Medizinisches. So werden Gallensteine bezeichnet, die Beschwerden verursachen. Das ist nämlich nicht immer der Fall. Viele leiden unter steinchengroßen Ablagerungen in der Galle und merken es nicht einmal. Ihre Gallensteine bleiben stumm.

Steinharte Ablagerungen

Galle brauchen wir für unsere Fettverdauung. Produziert wird die Substanz in der Leber. Was nicht verbraucht wird, sammelt sich in der Gallenblase. Die Galle enthält Stoffe (z. B. Cholesterin, Bilirubin, Kalzium), die zu Ablagerungen neigen.

Dazu kommt es, wenn sie in zu hoher Konzentration auftreten. Die reichlich vorhandenen Stoffe kristallisieren sich. Mit der Zeit kommen immer mehr Ablagerungen hinzu, und der Kristall wächst zu einem Stein heran. Dieser kann nur wenige Millimeter (Gries), aber auch kieselsteingroß werden.

Abhängig davon, welche Substanzen sich kristallisieren, unterscheidet man verschiedene Steintypen: Besonders häufig kommen Cholesterinsteine vor, gefolgt von Bilirubinsteinen (Pigmentsteine) und Kalksteinen (verkalkte Cholesterin-Bilirubinsteine).

Risikofaktoren

Erkrankungen:

Einige Krankheiten können die Steinbildung begünstigen, wie Schilddrüsenunterfunktion, Nebenschilddrüsen-Überfunktion, Lebererkrankungen, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Diabetes.

Ernährung:

Wer gerne cholesterinreiche Nahrungsmittel schlemmt (z. B. Meeresfrüchte, Eigelb, Innereien), kann damit die Bildung von Cholesterinsteinen vorantreiben.

Veranlagung:

Gallensteine werden nicht zwangsläufig vererbt. Aber es gibt eine familiäre Veranlagung, die in Kombination mit anderen Faktoren zu einer Bildung von Gallensteinen führen kann.

Übergewicht:

Häufig plagen sich Übergewichtige mit Gallensteinen herum. Ein Gewichtsverlust wäre ratsam. Aber Vorsicht: Die überflüssigen Kilos müssen langsam schmelzen. Eine Radikaldiät kann wiederum eine Steinbildung provozieren.

Säuremangel:

Wer zu wenig Gallensäure produziert, leidet in der Regel unter einem erhöhten Cholesterinspiegel. Das wiederum kann zu einer Kristallisierung des Cholesterins führen.

Zu viel Bilirubin:

Diese Substanz ist ein Gallenfarbstoff, der beim Abbau von rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) entsteht. Bei Erkrankungen, die zu einem vermehrten Abbau der roten Blutkörperchen führen, steigt auch der Bilirubinspiegel an. Das kann wiederum die Bildung von Bilirubinsteinen (Pigmentsteinen) begünstigen.

Zu viel Schleimstoffe:

Diese Stoffe bezeichnet man als "Muzine". Sie werden in den Gallenwegen gebildet und können bei zu hoher Konzentration die Steinbildung fördern.

Unspezifisch bis schmerzhaft

Wie bereits erwähnt, bereiten stumme Gallensteine keine Probleme. Fangen die Steine aber an zu reden, fangen auch die Beschwerden an. Häufig verursachen sie nur uncharakteristische Symptome. Die Patienten klagen z. B. über Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Völlegefühl, Blähungen, Aufstoßen oder Unverträglichkeit von fettigen Speisen. Das sind nicht gerade eindeutige Krankheitsanzeichen. Sie könnten auch die Folge einer einfachen Magenreizung sein. Betroffene ignorieren die Symptome in der Regel und gehen davon aus, dass die Beschwerden wieder aufhören.

Unangenehm wird es, wenn ein Stein im Gallengang oder dem Gallenblasengang stecken bleibt. Das löst eine Gallenkolik mit sehr starken, krampfartigen Schmerzen im rechten Oberbauch aus. Die Schmerzen können sogar bis in Schulter und Rücken ausstrahlen. Bei einigen Patienten wird eine Kolik von Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Schüttelfrost begleitet. Unter Umständen bildet sich eine Gelbsucht (Ikterus) aus.

Gefährliche Komplikationen

Verschließt ein Stein den Gallengang, kann das einen Gallenstau hervorrufen. Dadurch kann die Gallenblasenschleimhaut gereizt und beschädigt werden. Die mögliche Folge ist eine Gallenblasenentzündung (Cholezystitis). Eine akute Infektion kann zu eitrigen Gallenblasenabszessen führen. Das vermehrte Auftreten von Gallenblasenentzündungen begünstigt die Entstehung von Gallenblasenkrebs.

Weitere mögliche Folgeerkrankungen: Gallenwegsentzündung (Cholangitis), Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) und Dünndarmverschluss (Gallensteinileus).

Stein-Therapie

Bei einer akuten Kolik erhält der Patient erst einmal entkrampfende Schmerzmittel und eventuell Medikamente gegen Übelkeit. Übrigens: Eine Wärmflasche auf dem Bauch ist keine gute Idee. Wärme verschlimmert die Beschwerden. Wenn möglich, sollte während einer Kolik nichts gegessen werden. Dieser Rat erübrigt sich eigentlich. Denn Betroffenen steht nicht gerade der Sinn nach Schlemmereien.

Werden die Gallensteine zu redselig, können sie endoskopisch entfernt werden. Dabei wird über einen kleinen Schnitt ein Schlauch in den Bauch geführt. Dadurch werden die Steine entnommen. Damit ist aber nicht die Gefahr gebannt, dass sich neue Steine bilden (Rezidive).

Kleine, nichtkalkhaltige Steine können medikamentös aufgelöst werden. Allerdings besteht auch hier die Gefahr, dass sich Rezidive bilden.

Ähnlich wie Nierensteine können auch kleinere Gallensteine mit Schallwellen zertrümmert werden. Diese Therapie wird hier aber eher selten durchgeführt, da sie mit Risiken verbunden ist.

Häufen sich die Gallensteinbeschwerden, sollte eine operative Entfernung der Gallenblase in Erwägung gezogen werden. Dieser Eingriff wird meist per Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt. Der Vorteil dieser Behandlung ist, dass eine Rezidivbildung sehr unwahrscheinlich ist.

Gesund leben

Wer zu Gallensteinen neigt, muss sein Leben darauf einrichten. Couchpotatoes und Chipsesser dürfen sich über sprechende Steine nicht wundern. Damit es so weit erst gar nicht kommt, sollten Sie ein paar einfache, aber effektive Vorbeugungsmaßnamen beachten:

* Ernähren Sie sich fettarm und ballaststoffreich.

* Wenn Sie zu Cholesterinsteinen neigen, müssen Sie den Verzehr von Cholesterinbomben runterfahren. Das heißt, weniger gesättigte Fettsäuren und tierisches Fett. Zugreifen dürfen Sie unter anderem bei Kartoffeln, Obst, Gemüse, Getreide und Seefisch.

* Essen Sie viel Vitamin C, es wird für die Bildung von Gallensäure benötigt.

* Übergewicht sollte unbedingt reduziert werden. Aber: Keine Radikalkuren. Schnelles Abnehmen kann Gallensteine verursachen.

* Regelmäßiger Sport macht nicht nur gute Laune, sondern senkt auch den Cholesterinspiegel.

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