Ist Dehnen Quatsch?

Ist Dehnen Quatsch?
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Ist Dehnen Quatsch?

02.12.2004 - 23:00 Uhr von Jochen Fendt

Jüngste wissenschaftliche Studien haben das Dehnen vor und nach dem Sport in ein neues Licht gerückt. Dehnen nutzt weniger als bislang angenommen.

Jeder macht es, aber kaum einer weiß warum. Das Dehnen der Muskeln zum Aufwärmen vor sportlichen Aktivitäten soll, so die landläufige Meinung, das Verletzungsrisiko minimieren und zur Leistungssteigerung führen. Doch weit gefehlt, wissenschaftliche Studien belegen, dass das Dehnen diese Effekte nicht positiv beeinflusst.
Durch statisches Dehnen (Verweilen in einer Dehnposition) vor Sportarten, die schnelle und maximal kräftige Leistungen verlangen, wie zum Beispiel Sprünge und Sprints, nehme die Leistung sogar ab, erklärt Professor Jürgen Freiwald von der Bergischen Universität in Wuppertal. Ein gedehnter Muskel könne sich in der Folgezeit nicht mehr so schnellkräftig zusammenziehen.

Nach dem Sport verhindert das statische Dehnen nach der Aussage des Sportmediziners zudem die Regeneration der Muskulatur. Auch kann dadurch ein Muskelkater nicht gehemmt werden. Das Gegenteil ist eher der Fall: Durch das Dehnen werden Blutgefäße in der Muskulatur komprimiert und dadurch die optimale Blutversorgung eingeschränkt. Freiwald empfiehlt daher, nach intensiven sportlichen Belastungen auf das Dehnen zu verzichten.

Trotz dieser Erkenntnisse ist ein Dehnen der Muskeln auch weiter sinnvoll. Durch die zivilisatorischen Annehmlichkeiten ist die Umwelt so gestaltet, dass es kaum noch notwendig ist, das mögliche Bewegungsausmaß der Gelenke zu nutzen. So befindet sich auch ein Läufer lediglich in einem mittleren Bewegungsbereich. Weder Fuß, Knie oder Hüftgelenk werden während der Laufbelastung an die Grenzen ihrer Bewegungsmöglichkeit gebracht. Direkt vor dem Laufen macht hier das Dehnen keinen Sinn, als gesonderte Trainingseinheit, zum Beispiel nach dem morgendlichen Aufstehen, aber schon.

Wer nicht dehnt, wird ungelenkig
Wird nämlich das vorhandene Bewegungsausmaß nicht genutzt, führt dies auf die Dauer zu Bewegungseinschränkungen. Mit zunehmendem Alter verstärkt sich dieses Phänomen sogar noch. Dehnübungen führen die Gelenke in eine Endposition und verbessern dadurch das Bewegungsausmaß. Aber auch dynamisches (wippendes) Dehnen ist nicht schädlich und vergrößert das Bewegungsausmaß ebenfalls. Zudem wirkt sich das Dehnen positiv auf die Psyche aus. Es stellt sich ein angenehmes ‚entspanntes' Empfinden, eine psychische Entspannung, ein. Bestes Beispiel hierfür ist das Yoga, das solche Effekte schon seit Jahrhunderten nutzt.

Für jede Sportart bedarf es eines speziellen Aufwärmprogrammes neben dem allgemeinen Aufwärmen. Zunächst sollte eine drei- bis fünfminütige Aktivierung des Herz-Kreislaufsystems mittels mäßig-intensiver Ausdauerbelastung stattfinden. Also beispielsweise lockeres Laufen oder Radeln auf einem Fahrradergometer. Dadurch wird die Muskulatur durchblutet, was sich positiv auf deren Leistungsbereitschaft auswirkt.

Das spezielle Aufwärmen hängt nun von der jeweiligen Sportart ab. So sollten nur die Muskeln, die bei dem jeweiligen Sport ihr maximales Bewegungsausmaß erreichen, kurz (dynamisch oder statisch) gedehnt werden, um sie für diesen Bewegungsbereich vorzubereiten. Des weiteren sollte man sich an schnelle komplexe Bewegungsabläufe mittels spezieller Übungen langsam herantasten, um einen optimale Koordination unter späterer starker Belastung zu haben. Dies kann das Verletzungsrisiko minimieren.

Nach einer intensiven Sportausübung bietet sich anstatt des Dehnens ein lockeres Auslaufen oder Radeln an. So können Abbauprodukte, die durch eine intensive muskuläre Belastung angefallen sind, besser über das Blut abtransportiert werden.

Quelle: freenet.de
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