Ist Kiffen gefährlich?

Ist Kiffen gefährlich?
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Ist Kiffen gefährlich?

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Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk (SPD), schlägt Alarm: Immer mehr junge Leute kiffen "und sind praktisch den ganzen Tag 'breit'". Cannabis sei die einzige illegale Droge, bei der in den vergangenen Jahren das Durchschnittsalter der Erstkonsumenten gesunken sei: Habe es 1993 noch bei 17,5 Jahren gelegen, so betrage es aktuell 16,4 Jahre. Insgesamt nehmen circa 450.000 Frauen und 1,2 Millionen Männer die Droge in ihren verschiedenen Formen zu sich. Damit hat sich der Konsum in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Doch verbergen sich hinter dem regelmäßigen Gebrauch tatsächlich Gefahren? Und gibt es einen "gesunden" Konsum?

Cannabis, Marihuana, Gras, Haschisch, Shit, Pot oder Dope sind die Begriffe für die meistkonsumierte Droge überhaupt. Allein in Deutschland nehmen rund 450.000 Frauen und 1,2 Millionen Männer die Droge in ihren verschiedenen Formen zu sich. Die mittlere Altersspanne konsumierender Erwachsener liegt zwischen 18 und 29 Jahren, wobei die gewohnheitsmäßigen Dauerkonsumenten etwa 23 Jahre alt sind. Der Konsum ist in Deutschland legal, der Besitz aber illegal. Da mit der Illegalität viele Menschen kriminalisiert werden und der kontrollierte Einsatz in der Medizin und auch als Rauschmittel erschwert wird, gibt es eine langjährige Debatte über die Legalisierung der Droge.

Zur Klärung der Begriffe
Hanf oder Cannabis ist die Bezeichnung für die Hanfpflanze. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter Hanf oft nur der Faserhanf gemeint, der zur Papier- und Stoffherstellung gebraucht wird. Mit Cannabis wird der THC-haltige Joint gemeint. Marihuana nennt man die getrockneten weiblichen Blütenstände, Blätter und Stängel, die als Gras geraucht werden. Haschisch, Dope, Pot oder Shit ist gepresstes Cannabis-Harz.

Wirkung von Cannabis
Die Wirkstoffe in der Hanfpflanze sind die Cannabinoide, die untereinander wechselwirken:

  • Tetrahydrocannabinol (THC): Hat eine stark psychoaktive Wirkung. Es wirkt stimulierend, Pulsfrequenz steigernd, halluzinogen, beruhigend und Schmerz lindernd und kann Brechreiz lindern.
  • Cannabidiol (CBD): Hebt die stark psychoaktive Wirkung von THC auf und kann somit angstlösend und beruhigend wirken. Auch wirkt es schmerzhemmend, leicht antibiotisch, anti-epileptisch und Augeninnendruck senkend.
  • Cannabinol (CBN): Wirkt leicht psychoaktiv und halluzinogen, Augeninnendruck senkend, beruhigend, anti-epileptisch und Pulsfrequenz verringernd.
  • Cannabichromen (CBC): Unterstützt die schmerzhemmende Wirkung von THC und wirkt beruhigend und antientzündlich.

Insgesamt enthält die Hanfpflanze ungefähr 60 wirksame Inhaltsstoffe. Neben den genannten Stoffen gibt es noch viele weitere Cannabinoide, sowie ätherische Öle mit unterschiedlicher Wirkung.

An Zelloberflächen des gesamten Organismus gibt es Anandamid-Rezeptoren, an die das körpereigene Anandamid andockt, um verschiedenste Wirkungen hervorzurufen. Im Gehirn befinden sich diese Rezeptoren vor allem in der Hirnrinde, den Basalganglien, dem Hippocampus und dem Kleinhirn.

Cannabis beeinflusst diese Prozesse im Gehirn
Cannabinoide, Inhaltsstoffe der Cannabispflanze, können an diese Rezeptoren andocken und die Wirkung blockieren. Durch Andocken in Kleinhirn und den Basalganglien kommt es zu einer Beeinflussung der Motorik. Zeitgefühl und Konzentration werden durch ein Andocken an Rezeptoren der Hirnrinde beeinflusst. Durch Andocken im Hippocampus wird unter Anderem die Gedächtnisleistung beeinflusst.

Wirkung auf die Psyche
Während Marihuana eher euphorisierend wirkt, wirkt Haschisch eher dämpfend. Cannabis wirkt stimmungsmodulierend je nach Ausgangslage: Eine depressive Stimmung kann verstärkt werden. Umgekehrt kann eine gute Ausgangsstimmung durch Cannabis zu einer Euphorie anwachsen. Bei chronischem Konsum wirkt die Droge meist stimmungsabflachend: Starke Affekte werden gemindert. Auch wirkt Cannabis dämpfend.

Zielgerichtetes Denken wird durch assoziatives Denken abgelöst. Das Zeitgefühl verändert sich während des Rausches: Der lineare Zeitpfeil wird von einem "Meer aus Zeit" abgelöst. Es kann zu Synästhesien kommen, also zum "Hören" und "Sehen" von Tönen. Die Wahrnehmungsveränderung kann sich in unterschiedlichster Weise äußern. Sie kann auch zu Halluzinationen führen. Die veränderte Wahrnehmung kann verunsichern, so dass sekundär Ängste ausgelöst werden, die sich bis zum Wahn steigern können.

Es ist rechtlich nicht erlaubt, einen Patienten mit Cannabis zu versorgen. Mittlerweile gibt es aber eine Reihe von synthetisch oder halbsynthetisch hergestellten Cannabinoiden, die als Medikamente zugelassen sind. In Deutschland ist dies "Dronabinol". Verschiedene Studien belegen folgende Wirkungen:

THC hat sich als wirksames Antiemetikum (Gegenmittel bei Übelkeit und Erbrechen) bei Krebspatienten herausgestellt. Auch wirkt es appetitsteigernd.

Beim "grünen Star" oder "Glaucom" kommt es zu einer starken Erhöhung des Augeninnendruckes. Die kaum psychoaktiven Stoffe CBN (Cannabinol) und CBD (Cannabidiol) können den Augeninnendruck absenken.

Bei Epilepsie zeigte sich, dass die zusätzliche Gabe von CBN und CBD die notwendige Dosis von Antiepileptika herabsetzen kann.

Cannabinoide wirken sich positiv auf die Koordination von Bewegungsabläufen aus. Auch wirken sie antispastisch, also muskelentspannend. Es zeigte sich, dass auch Tic-Störungen wie das Tourette-Syndrom gebessert werden können. Cannabinoide wirken außerdem gegen starke Schmerzen, Migräne und Krämpfe bei der Menstruation.

Hanf in der Diätetik
Das aus Hanfsamen gewonnenen Hanföl enthält Vitamin E und F, sowie essentielle Fettsäuren, wie Linol- und Linolensäure. Diese Nahrungsbestandteile können bei regelmäßigem Konsum die Arteriosklerosebildung herabsetzen und wirken somit vorbeugend gegen Herz-Kreislauferkrankungen, sowie Schlaganfall und Thrombose. Auch die Symptome rheumatischer Erkrankungen und Neurodermitis können gebessert werden. In den Hanfsamen enthaltene Lignane können Allergien hemmen.

Verschiedene Inhaltsstoffe der Cannabis-Pflanze haben eine Wirkung auf Abläufe im Gehirn und damit auf die Psyche. Dadurch birgt der Konsum immer die Gefahr unabsehbarer Folgen für die geistig-seelische Entwicklung des Konsumenten. Umgebung und persönliche Verfassung spielen eine entscheidende Rolle.

Latente psychische Krankheiten können zum Ausbruch kommen. Ängste und Depressionen können verstärkt werden, oder erst zum Ausbruch kommen, Schizophrenien können verfrüht zum Ausbruch kommen oder verstärkt werden. Da Cannabis dämpfend wirkt, greifen einige Patienten als Selbstmedikation dazu, wenn sie unter Ängsten oder Spannungs- und Erregungszuständen leiden.

Eine mögliche Gefahr liegt im Cannabis-Konsum bei Jugendlichen
In diesem Alter, in der Pubertät, ist die Cannabinoid-Rezeptordichte im Gehirn am größten. Damit ist das Gehirn Jugendlicher am empfänglichsten für die Wirkungen der Droge, die zu nachhaltigen Veränderungen führen kann. In Tierversuchen zeigte sich, dass Aufmerksamkeit, Motivation und Kurzzeitgedächtnis durch Cannabis signifikant beeinträchtigt werden. Die Folgen für die Entwicklung der Persönlichkeit in der Pubertät sind unabsehbar. Bei einer gleichzeitig vorliegenden Prädisposition kann der regelmäßige Konsum der Droge dazu führen, dass bestimmte psychische Erkrankungen zum Ausbruch kommen.

Nach einer Studie vom Zentralinstitut für Gesundheit in Mannheim aus dem Jahr 2002 kann Schizophrenie bei regelmäßigem starken Cannabiskonsum früher zum Ausbruch kommen. Auch kann bei bestehender Schizophrenie die Symptomatik verschlimmert werden. Ungefähr 1 Prozent der Bevölkerung hat eine Prädisposition für Schizophrenie, die zwischen der Pubertät und dem 30. Lebensjahr ausbricht. Eine, rein auf Cannabis zurückzuführende Schizophrenie, konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Weitere körperliche Folgen:
Bei regelmäßigem Konsum kann es durch den hohen Anteil an Teer (höher, als im Zigarettentabak) zu einer Lungenschädigung kommen.

Während der Schwangerschaft ist ausdrücklich vom Konsum abzuraten, da es zu verfrühter Wehentätigkeit kommen kann. Andererseits kann durch Cannabis die Rückbildung der Gebärmutter erleichtert werden kann.

Schlappe Spermien
Auch Spermien tragen Anandamid-Rezeptoren, die durch Cannabis besetzt werden können. Bei Cannabiskonsum wird die Beweglichkeit der Spermien und die Fähigkeit, in die Eizelle einzudringen, daher eingeschränkt.

Im Rahmen eines gelegentlichen Konsums - Richtwert circa 3 bis 4 Joints in der Woche, ist aber individuell unterschiedlich - entsteht keine Abhängigkeit im medizinischen Sinne oder ein gesundheitlicher Schaden. Wenn Cannabis als Selbstmedikation eingesetzt wird, um "störende Symptome" abzumildern, kann sekundär eine Abhängigkeit entstehen.

Bei exzessivem Konsum gibt es eine Toleranzentwicklung, so dass die Menge gesteigert wird, um die gleiche Wirkung zu erfahren. Beim Absetzen entstehen leichte Entzugserscheinungen. Die "Entzugssymptome" haben ihren Ursprung dann meist in den wieder auftretenden Symptomen, die mit dem Joint unterdrückt wurden, wie Ängste oder Anspannung.

Gibt es einen "gesunden" Konsum?
Gesund ist der Konsum in Maßen. Auch ist die Motivation, warum gekifft wird, entscheidend. Es sollte aus Lust geschehen und nicht aus Frust. Die Gefahr als Erwachsener Schaden zu nehmen ist geringer, als bei Jugendlichen, da deren Persönlichkeit noch formbarer ist. Aber auch hier ist ein maßvoller Konsum nicht nachweislich gesundheitsschädlich, wenn nicht latent zusätzlich psychische Krankheiten vorliegen.

Quellen:
IACM Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabis als Medizin www.acmed.org
www.thema-drogen.net
www.cannabislegal.de
Deutsches Ärzteblatt

Quelle: freenet.de
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