Keimschleuder Sodagerät

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von Jutta Pöschl

Stiftung Warentest entlarvt: Grenzwerte bei mehr als der Hälfte der Sodageräte erheblich überschritten. Verunreinigungen offenbar auch bei Wasserspendern. Wie Sie einer Pilz- oder Keimvergiftug vorbeugen können.

Trinkwassersprudler, auch Sodageräte genannt, sind praktisch und schonen die Haushaltskasse. Unser Leitungswasser ist gut und kann deshalb selbst aufgesprudelt werden, statt es mühsam nach Hause zu schleppen. Man spart sich Zeit und braucht keine schweren Getränkekästen mehr die Treppen hochzutragen. Auch der Mineraliengehalt des Flaschensprudels ist oft kaum höher, seitdem die unteren Grenzwerte für Calcium, Magnesium & Co von Mineralwasser gestrichen wurden. Daher gibt es inzwischen eine Vielzahl so genannter Trinkwassersprudler auf dem Markt.

Jeder dritte deutsche Haushalt hat inzwischen ein solches Utensil - insgesamt um die elf Millionen. Doch die Freude wird jetzt durch eine neue Untersuchung getrübt. Laut einer Studie der Universität Freiburg gehen von Wasserspendern und Geräten zur Herstellung von Sodawasser erhebliche Gesundheitsgefahren aus. 60 Geräte zur Herstellung von Sodawasser, so genannte Trinkwassersprudler und 20 Wasserspender wurden auf Verunreinigungen untersucht.

Bei den Sodageräten überschritten 39 Proben bei weitem den Grenzwert der Mineral- und Tafelwasserverordnung. Pro Liter wurden teilweise rund 7 Millionen Keime gemessen, darunter Schimmelpilze, Bakterien und gefährliche Darmkeime. Problematisch zeigten sich vor allem die Kunststoffflaschen, die sich meist nicht im Geschirrspüler reinigen lassen, da die Hersteller empfehlen, sie nur mit lauwarmem Wasser auszuspülen. Manche Geräte lassen sich erst gar nicht reinigen, wodurch der gefährliche Biofilm entsteht. Im Rahmen der Studie wurden besonders oft auch verschimmelte Gummidichtungen entdeckt.

Ähnliche Probleme gibt es bei den so genannten Watercoolern. Das sind Wasserspender die häufig in öffentlichen Gebäuden stehen. Proben, die in Krankenhäusern genommen wurden, überschritten zu 88 Prozent den Grenzwert für Trinkwasser. Wie die Untersuchungsergebnisse zeigen, verunreinigt hier auch die Umgebungsluft das Wasser in den Tanks. Die Experten raten den Durstigen dazu, sich nur aus Spendern zu bedienen, die in kühler und sauberer Umgebung aufgestellt und gut gepflegt sind.

Auf einigen Geräten kleben Schilder, die Auskunft über Datum und Art der hygienischen Wartung der Anlage geben. Hinweise auf mangelnde Pflege sind unter anderem herumliegende Becher und Schmutzspuren. Auch die Erreichbarkeit von Zapfhahnöffnung und Trinkbecher für spielende Kinder, Standorte in direktem Sonnenlicht, der Nähe von Toiletten oder in schlecht belüfteten Räumen können auf minderwertige Wasserqualität hindeuten, so die Experten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Gerätebetreiber aufgefordert, die Wasserbehälter spätestens alle zwei Wochen auszutauschen.

Die Verbraucherzentrale Bayern rät allen Verwendern von Trinkwassersprudlern möglichst spülmaschinentaugliche Glasflaschen zu verwenden und diese nach Gebrauch zu reinigen. Bei Flaschen, die nicht heiß gereinigt werden dürfen, sollte in der Gebrauchsanleitung stehen, ob der Hersteller zumindest eine Reinigung mit Hand-Geschirrspülmittel und einer weichen Bürste zulässt. Die verbraucherzentrale bittet ausdrücklich darum, den Hersteller anzuschreiben und ihn um Stellungnahme zu den Untersuchungsergebnissen sowie um effektive Reinigungsanweisungen und Abhilfemaßnahmen zu bitten. Zerkratzte Flaschen sollten gegen neue ausgetauscht werden, da Keime an den Kratzern leichter Halt finden. Gerät und Flasche, sollten, während sie nicht benutzt werden, so trocken wie möglich gehalten werden. Denn Keime wachsen nur, wo es feucht ist.

Besondere Vorsicht ist bei Babys, Kleinkindern, Schwangeren sowie Kranken geboten. Sie sollten Leitungswasser, aber kein selbst zubereitetes Sprudelwasser trinken. Auch selbst sollte man es nicht auf nüchternen Magen trinken, da dann die Salzsäureproduktion und Verweildauer im Magen möglicherweise nicht für die Abtötung der Keime ausreicht. Außerdem sollte das Wasser nicht an warmen Orten stehen und keines vom Vortag getrunken werden. Lieber sollte man es zum gießen der Blumen verwenden und sich neues zubereiten.

Tipp der Stiftung Warentest: Flaschen der Sprudler regelmäßig reinigen - mindestens ein- bis zweimal pro Woche - gründlich mit Flaschenbürste und Spülmittel. Gewinde und Deckel nicht vergessen. Falls Sie Geschmackskonzentrate verwenden, Flaschen nach jedem Benutzen säubern: Der enthaltene Zucker gibt Keimen Nahrung. Trinken Sie deshalb auch nicht direkt aus den Flaschen. Auch die Geräte entsprechend den Gebrauchsanleitungen regelmäßig reinigen.

Vor der Anschaffung eines Trinkwassersprudlers sollte folgendes beachtet werden: Die Qualität des Trinkwassers kann auch durch Leitungsrohre bzw. die hauseigene Wasserinstallation negativ beeinflusst werden. Wer noch Bleirohre im Haus hat, sollte diese bald möglichst auswechseln lassen. Bei Verdacht oder Unsicherheit kann man sein Trinkwasser von qualitätsgeprüften, privaten Laboren, Chemischen Untersuchungsämtern und von der Stiftung Warentest untersuchen lassen.

Quellen: Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene an der Universität Freiburg - www.aok.de - www.stiftung-warentest.de - www.verbraucherzentrale-bayern.de

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