Krank durch Schimmelpilze

Krank durch Schimmelpilze
Bild 1 von 45

Krank durch Schimmelpilze

© Getty Images
28.05.2009 - 22:00 Uhr

Wenn sich in den eigenen vier Wänden Schimmel zeigt, sollte schnell gehandelt werden, um ernste Gesundheitsschäden zu vermeiden. Denn die in Wohnungen eingeatmeten Schimmelpilz-Sporen sind eine der häufigsten Ursachen von allergischen Erkrankungen. Die wichtigsten im Haus vorkommenden Schimmelpilze sind Alternaria, Aspergillus, Cladosporium und Penicillium-Arten. Besonders gefährlich sind die giftigen Stoffwechselprodukte von Alternaria alternata und Aspergillus flavus.

Trotz vieler Verbesserungen in den Behandlungsmöglichkeiten, verdoppeln sich die Allergieerkrankungen etwa alle 10 bis 15 Jahre. Die Zahl der Schimmelpilz-Allergiker ist in Deutschland bereits auf über 9 Millionen Menschen angestiegen. Schimmelpilze sind zudem die häufigsten Allergieauslöser bei Kleinkindern.

Typische Beschwerden sind Niesanfälle, Augenbrennen, Atemnot, Husten und Schnupfen. Sogar Haustiere sind gefährdet. Die unterschiedlichen häuslichen Schimmelpilzarten sind nicht immer so leicht zu erkennen, wie beim Nahrungsmittelbefall. Viel häufiger existieren sie unsichtbar in Stoffen, Tapeten Teppichen oder an Fenstern und Wänden.

Wissenschaftler der University of Manchester haben herausgefunden, dass sich selbst in Kopfkissen, direkt unter unserer Nase, bis zu 16 verschiedene Schimmelpilzarten tummeln.

In Bezug auf die menschliche Gesundheit gibt es harmlose, störende und schädliche Schimmelpilze. Schädliche Wirkungen gehen besonders von den giftigen Stoffwechselprodukten mancher Schimmelpilzarten aus, zum Beispiel von den Aflatoxinen, die als Krebserreger bekannt sind.

Sie gehören zu den Schimmelpilzgiften, den so genannten Mykotoxinen. Aflatoxin B1 kann hauptsächlich vorkommen in Reis, Nüssen, Leber, Nieren, Erdnüssen, Erdnussschrot, Baumwollsamenmehl und andere Ölsaatrückständen, sowie in Futtermittelzusätzen, gemahlenen Mandeln und Muskatnüssen, Pistazien, Feigen und Getreide. Laut Expertenaussagen der enius AG, Nürnberg, die sich aus Ärzten, Chemikern und anderen Fachleuten zusammensetzt, ist Aflatoxin B1 der am stärksten Krebs erzeugende Pflanzenstoff. Aflatoxin B1 ist sehr giftig beim Einatmen, Verschlucken oder bei Berührung mit der Haut.

Das Robert-Koch-Institut bescheinigt eine besondere Gefährdung von abwehrgeschwächten und lungenkranken Personen. Bei Neugeborenen kann der Kontakt mit dem Schimmelpilz zu Entwicklungsstörungen führen. Bei Erwachsenen kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt werden, es kann zur Bewusstlosigkeit kommen, sogar Todesfälle sind bekannt.

"Fluch der Pharaonen": Schimmelpilz Aspergillus flavus
Bei abwehrgeschwächten Menschen kann der Schimmelpilz Aspergillus flavus Organe wie Lunge, Magen, Darm und das Nervensystem befallen. So verstarben mehrere Menschen bei den Ausgrabungen von Tut-ench-Amuns Grab in Ägypten und man vermutet, dass die hohe Konzentration an Aspergillus flavus-Sporen mit Mykotoxinen die Todesursache war.

Weitaus zahlreicher als in Nahrungsmitteln lauern die gefährlichen Schimmelpilze in den eigenen vier Wänden. Laut einer aktuellen und repräsentativen Untersuchung, die an der Universität Jena im Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin unter Leitung von Dr. Sabine Brasche durchgeführt wurde, ist etwa jede dritte Wohnung in Deutschland von Schimmelpilzen befallen.

Die für den Menschen schädlichen Schimmelpilze in Räumlichkeiten vielfach unterschiedliche Arten der Aspergillus-Gattung &#8211 entwickeln sich oftmals im Verborgenen und werden deshalb als mögliche Ursache von gesundheitlichen Beschwerden meist nicht erkannt. Problematisch wird es dann, wenn die Pilzzahlen im Innenraum zunehmen und krankheitserregende (pathogene) Arten auftreten.

Selbst abgetötete Schimmelpilze können zu toxischen und allergischen Wirkungen führen. Erhöhte Infektanfälligkeit, Niesattacken und Schnupfen mit Naselaufen oder verstopfte Nase, Bindehautentzündung mit juckenden, geröteten und tränenden Augen und erhöhter Lichtempfindlichkeit sowie Husten und Atemnot bis hin zu Asthma-Anfällen können die Reaktion sein. Durchfall, Blähungen, Erbrechen, Koliken Arthritis, Fieber, allergische Entzündungen der Blutgefäße, Nahrungsmittelunverträglichkeiten Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten, Muskelschmerzen und Allergien wurden ebenfalls im Zusammenhang mit Schimmelpilzen schon häufiger nachgewiesen. In schweren Fällen kann es sogar zu Nierenfunktionsstörungen, zu Schädigungen des zentralen Nervensystems und zu Entzündungen der Herzinnenhäute kommen. Schimmelpilz an Gebäuden oder in der Wohnung sollte daher unbedingt von Anfang an rigoros bekämpft werden, um gesundheitlichen Risiken aus dem Wege zu gehen.

Schimmelpilz im Wohnbereich kann auch zu wirtschaftlichem Schaden führen, wenn er Gegenstände und Baumaterialien zerstört. Dann kommt es neben der Minderung des Wohnwerts auch zu einer Bauwertminderung und es fallen unter Umständen hohe Sanierungskosten an.

Die Luft in Wohnräumen ist wärmer und nimmt deshalb mehr Wasser als die kalte Außenluft auf. Wird diese Luft nicht ausreichend abgeführt, kann sie an verschiedenen Stellen im Haus kondensieren. Im Frühjahr und Herbst, wenn noch nicht so viel gelüftet und geheizt wird, ist Hochsaison für schimmelbelastete Wohnungen. Zusammen mit häufig vorhandenen Wärmebrücken führt dies zu einem erhöhten Feuchtigkeitsgehalt in Innenräumen. Feuchte, schlecht belüftete Badezimmer, feuchte Keller, Tapeten auf kalten Wänden, feuchte Textilien und Fensterrahmen mit Kondenswasserbelastung bieten Schimmelpilzen äußerst gute Lebensbedingungen.

Beim Einsatz von Luftbefeuchtern und vor allem bei dem von Klimaanlagen gedeihen die Pilze besonders gut. Schimmelpilze können Millionen Sporen pro Minute (!) produzieren und an die Luft abgeben. Die empfindlichen Pilze können zwar relativ einfach beseitigt werden, die Sporen aber überleben extreme Bedingungen und können Jahre und Jahrzehnte überdauern. Finden sie dann erneut entsprechende Keimbedingungen vor, wachsen nach der Mycelbildung wieder Fruchtkörper heran und im Anschluss beginnt erneut die Sporenproduktion. Diese Sporen sind die eigentlichen Allergene. Sie werden von den Pilzen zur Fortpflanzung in die Luft abgegeben, vom Wind weiterverbreitet und vom Menschen eingeatmet. Selbst Bruchstücke dieser Schimmelpilzorganismen können, einmal in den Atemwegen, allergische Reaktionen auslösen.

Die durch Schimmelpilzsporen ausgelösten Krankheitssymptome können sowohl ganzjährig als auch saisonal auftreten. Die häufigsten im Wohnbereich vorkommenden Pilze sind die Gattungen Alternaria, Aspergillus, Cladosporium und Penicillium.

Dann wird vielleicht falsch gelüftet. Denn anders als in normalen Wohnräumen ist kontinuierliche Lüftung im Sommer für Kellerräume genau das Falsche. Weshalb? Da der Keller den ganzen Tag im Sommer über kälter als die Umgebung ist, schlägt sich dort anhaltend immer mehr Feuchtigkeit an den Wänden nieder. Das Ergebnis ist vorprogrammiert - der Keller wird immer feuchter und schimmelt!

Die Feuchtigkeit kondensiert an den Wänden ähnlich wie an einer Flasche, die man aus dem Kühlschrank holt und auf dem Tisch stehen lässt. Falls der Keller bereits feucht ist, sollten alle Kellerfenster geschlossen und der Raum richtig aufgeheizt werden. Sobald er deutlich wärmer als die Außentemperatur ist, die Fenster öffnen und die mit Feuchtigkeit gesättigte Luft herauslassen. Diese Prozedur sollte so lange wiederholt werden, bis der Keller wieder trocken ist. Anschließend sollte lieber abends oder nachts gelüftet werden. Dann ist es draußen kühler als im Keller und es kann sich kein neues Kondenswasser bilden.

Der Vorteil der kalten Jahreszeit: Die aufgeheizte Winterluft zieht die Nässe geradezu aus den feuchten Wänden - der Keller wird durch Dauerlüften also immer trockener.

Bleichmittel töten effektiv allergene Pilzsporen ab. Durch Natriumhypochlorit in Haushaltsreinigern können nicht nur Schimmelpilze, sondern auch Allergieauslösende Schimmelpilzsporen schnell abgetötet werden. In wenigen Sekunden werden die Sporen zerstört. Das ist zwar hochwirksam, aber wegen möglicher Gesundheitsgefährdung nicht zu empfehlen.

Weitgehend ungefährlich sind dagegen alkoholhaltige Reinigungsmittel, eine fünfprozentige Essigessenz oder eine fünfprozentige Sodalösung ? erhältlich in der Apotheke. Im fortgeschrittenen Stadium können hochprozentiger Alkohol oder eine Salmiakverdünnung dem Schimmel zu Leibe rücken.

Eine Dauerwirkung ist jedoch von keinem Präparat zu erwarten: Die wirksamen Substanzen diffundieren mit der Zeit aus und ihre Wirkung gegen Schimmelpilz lässt nach. Die eigentliche Ursache, die Feuchtigkeit, kann durch Chemikalien nicht beseitigt werden. Richtiges Lüften ist angesagt! Schwerer, beharrlicher Schimmelbefall machen geeignete Sanierungsmaßnahmen und die Hilfe eines fachmännischen Beraters unumgänglich.

Moderne Fenster und vollgestellte Fensterbretter verleiten zur Lüftung in Kippstellung. Die Wirkung ist jedoch nicht ausreichend. Die beste Art zu lüften ist, die Fenster möglichst weit zu öffnen, am besten mit Durchzug von einem Fenster zum anderen quer durch die ganze Wohnung. Um dabei möglichst viel Feuchtigkeit aus der Wohnung zu befördern, muss die Luft ausreichend warm sein. Denn warme Luft kann viel mehr Wasser aufnehmen als kalte.

Empfehlenswert sind Temperaturen um 20 Grad Celsius - im Bad und Wohnzimmer etwas mehr und im Schlafzimmer etwas weniger. In der kalten Jahreszeit reichen mehrmals täglich je fünf Minuten für den Luftaustausch, im Hochsommer sollten es eher 25 Minuten sein. Nach dem Duschen oder Kochen sollten die Fenster auch zwischendurch mal geöffnet werden, um möglichst viel Wasserdampf sofort zu entfernen, bevor er sich irgendwo niederschlägt.

Wenn Zeit oder Selbstdisziplin fehlen kann Technik helfen: Automatische Lüftungsanlagen (möglichst mit Wärmerückgewinnung) sorgen auch bei geschlossenen Fenstern für ausreichende Luftzufuhr. Bereits mit einem kostengünstigen Hygrometer lässt sich die relative Luftfeuchtigkeit leicht selbst kontrollieren. In der Wohnung sind 40 bis 60 Prozent erstrebenswert.

Wenn Sie vermuten, dass Schimmelpilze Ihren Wohnraum belasten, können Sie sich auch an die "Stiftung Warentest" wenden. Deren Umweltanalyse spürt bedenkliche Pilzarten auf, bestimmt die Pilzkonzentration in Ihrer Wohnung und gibt Hinweise zur Bekämpfung. Kosten: 47 Euro

Autor: Jutta Pöschl

Quelle: freenet.de
Kommentare
Top-Themen
Panetonne (Italien) Panetonne ist ein traditioneller Weihnachtskuchen aus Mailand, der inzwischen in ganz Italien zur ...mehr
Jeder vierte Europäer klagt über Sodbrennen. Das Brennen in der Speiseröhre ist unangenehm und kann viele Ursachen haben.mehr
In Deutschland sind circa vier bis sechs Millionen Männer von Impotenz betroffen. Während es früher nur Vakuumpumpen ...mehr
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Auch interessant
Arztsuche
BMI-Rechner
  • Neues Dokument
Anzeige
Anzeige