Die häufigsten Fehler beim Corona-Test

Hände und Arbeitsfläche sollten bei der Durchführung des
Selbsttests sauber sein.
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Hände und Arbeitsfläche sollten bei der Durchführung des Selbsttests sauber sein.

© Zacharie Scheurer

Sie sollen für zusätzliche Sicherheit sorgen - zum Beispiel vor Besuchen bei der Oma. Doch trotz klar formulierter Anleitungen bleibt bei den Selbsttests viel Raum für Fehler. Ein Experte klärt auf.

Starnberg (dpa/tmn) - Mit frei erhältlichen Selbsttests kann sich jeder und jede daheim auf das Coronavirus testen. Doch auch wenn die beigelegte Beschreibung eigentlich keine Fragen offen lässt, gibt es bei der Anwendung der Antigen-Schnelltests aus Supermarkt, Drogerie oder Apotheke immer wieder Unsicherheiten. Ein HNO-Arzt erläutert typische Anwendungsfehler - und wie man sie vermeidet:

Die Lagerung: Nicht zu kalt und nicht zu warm sollte der Karton in der Wohnung liegen. Also weder im Gefrierschrank noch in der prallen Sonne - Studien deuten darauf hin, dass solch eine Lagerung die Ergebnisse des Tests verfälschen könnte.

"Sie können ganz normal bei Raumtemperatur aufbewahrt werden", empfiehlt HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing aus Starnberg. Bei welchen Temperaturen der Karton mit dem Test gelagert werden darf, steht in der Regel auf der Verpackung oder zumindest im Beipackzettel.

Das muss man zu den Selbsttests wissen:

  1. Wie fühlt sich ein Nasenabstrich an?

    Selbst wenn man ihn - je nach Test - nur im vorderen Nasenbereich durchführen und den Tupfer nur wenige Zentimeter ins Loch einführen soll, fühlt sich der Abstrich unangenehm an. Es kann brennen und kribbeln. Niesreize sind möglich, die Augen tränen.

  2. Was ist beim Umgang mit dem Tupfer zu beachten?

    Er sollte ganz langsam und gerade in die Nase eingeführt werden, rät der HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing aus Starnberg - und zwar flach in Richtung des Gehörgangbodens. "Keinesfalls am Nasenrücken in Richtung Stirn schieben", warnt der Mediziner.

  3. Und wenn der Tupfer nicht weit genug hineingeht?

    Je nach Test und dessen Anleitung soll der Tupfer unterschiedlich tief in die Nase hinein. Doch wenn man einen Widerstand spürt oder es schmerzt, sollte man nicht weiter drücken und stattdessen lieber das andere Nasenloch ausprobieren, rät Junge-Hülsing.

    Viele Menschen hätten eine Biegung in der Nasenscheidewand. "Wenn es auf der einen Seite verschoben ist, geht es auf der anderen Seite in der Regel besser", sagt der Experte.

  4. Gibt es noch weitere Tricks, die helfen?

    Wenn es gar nicht geht, könne man Nasenspray ausprobieren, so der HNO-Arzt. Darin enthaltene Wirkstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin sorgen dafür, dass sich die Gefäße in der Nase zusammenziehen. So entsteht mehr Platz für den Tupfer.

    Wichtig sei aber, sagt Junge-Hülsing, dass man nach dem Sprühen einige Zeit abwartet, ehe man sich testet - ruhig eine Stunde. "Man will ja kein Nasenspray abstreichen, sondern Nasenschleim", begründet der Experte. Wer sich kurz nach dem Nasenspray-Einsatz testet, erhält womöglich ein verfälschtes Ergebnis.

  5. Wie geht ein Corona-Selbsttest bei Kindern?

    Gerade für die Kleinen kann der Nasenabstrich unangenehm sein. "Selbst wir in der Praxis haben dabei manchmal Probleme und für Eltern wird das in vielen Fällen sehr schwierig und manchmal gar nicht möglich sein, weil die Gegenwehr zu groß ist", erklärt der Berliner Kinderarzt Jakob Maske. Das erhöhe auch die mögliche Fehlerquote beim Abstrich und damit auch beim Testergebnis.

    Wichtig ist aus seiner Sicht: Wenn das Kind sich sehr wehrt, sollte man von dem Abstrich absehen. "Wir machen den Abstrich manchmal im Liegen, weil es für die Kinder so angenehmer ist", sagt Maske.

    Neben der richtigen Technik ist bei Kindernasen besondere Vorsicht beim Einführen des Tupfers geboten. "Man kann, gerade bei Infekten, wo die Schleimhaut sowieso so empfindlich ist, schnell Nasenbluten auslösen. Das ist nicht schlimm in der Regel, versetzt Eltern aber oft in Panik", sagt der Kinderarzt, der das Testen von Kindern zu Hause generell kritisch sieht.

    Man sollte einfühlsam und geduldig sein, empfiehlt HNO-Arzt Junge-Hülsing. Vielleicht hilft es, dem Nachwuchs den Tupfer zu überlassen. "Kinder machen den Abstrich durchaus auch selber", sagt der Experte. Da müsse man aber schauen, ob sie es korrekt machen.

  6. Was ist außer dem Abstrich noch heikel?

    Eigentlich gibt es bei den Selbsttests sonst keine großen Stolperfallen. Folgt man der Anleitung Schritt für Schritt, sollte es keine Probleme geben. Saubere Hände und eine saubere Oberfläche für das Testmaterial sind wichtig, um die Proben nicht zu kontaminieren.

  7. Was bedeutet ein negatives Ergebnis?

    Ein negatives Testergebnis ist kein Freibrief. Es ist eine Momentaufnahme und darüber hinaus keine hundertprozentige Garantie dafür, dass man wirklich keine Sars-CoV-2-Viren in sich trägt.

    Das heißt: Ein negatives Testergebnis kann etwa vor einem Besuch der Großeltern zusätzliche Sicherheit geben. Dennoch sollte man die geltenden Hygieneregeln wie Abstand, Händewaschen, Lüften und Maske-Tragen weiterhin einhalten.

  8. Was passiert bei einem positiven Ergebnis?

    Ist der Selbsttest positiv, gilt ohnehin: Sofort isolieren und Gesundheitsamt oder Hausarzt anrufen. Dann wird ein PCR-Test gemacht, um das Selbsttest-Ergebnis im Labor zu bestätigen.

Wichtig ist: Es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen Lagertemperatur und Anwendungstemperatur. Zum Zeitpunkt der Anwendung sollten die Tests stets Raumtemperatur haben - wer sie also an einem kühleren Ort gelagert hat, sollte sie für ein gewisse Zeit auf der Arbeitsfläche liegen lassen und nicht sofort benutzen.

Die Durchführung: Hygiene ist elementar, um das Testergebnis nicht zu verfälschen. Darum sollte die Arbeitsfläche sauber sein und bevor man loslegt, wäscht man sich gründlich die Hände - unter anderem, weil man nach dem Rühren der Tupferspitze in der Pufferlösung einen Verschluss mit Ausguss auf das Röhrchen stecken muss.

Tipps für den Umgang mit dem Test-Röhrchen

Wer mehrere Personen, zum Beispiel sich und seine Kinder, testet, kann die Teströhrchen nicht alle in der Hand halten. Junge-Hülsings Tipp: Wäscheklammern verhindern das Umfallen. Die klemmt man unten an die Röhrchen. Dort sind sie quasi eine Stütze und sorgen dafür, dass die Röhrchen aufrechtstehen und man problemlos arbeiten kann.

Der Abstrich: In aller Regel ist für den Selbsttest ein Nasenabstrich gefordert. Und zwar in beiden Löchern. Es reicht doch, den Tupfer in eines zu stecken, könnte man meinen - ein Trugschluss. "Dadurch bekommt man womöglich zu wenig Sekret an den Tupfer", sagt Junge-Hülsing. Der Tupfer gehört also in beide Löcher.

Es ist nach Angaben des Mediziners auch keine gute Idee, sich vorher gründlich die Nase zu putzen. Dies hat womöglich den gleichen Effekt wie das Aussparen eines Lochs: zu wenig Sekret am Tupfer.

Einen Anhaltspunkt dafür, dass vergleichsweise wenig Sekret am Tupfer gelandet ist, liefert nach Angaben von Junge-Hülsing die Farbe des Kontrollstriches auf der Testkassette.

"Ist dessen Farbe nur sehr blass, spricht das für wenig Sekret." Dann steige das Risiko eines falsch-negatives Ergebnisses, so der Arzt. Also, dass der Test negativ ausfällt, obwohl man positiv ist.

Ansonsten gilt beim Umgang mit dem Tupfer: Vorsicht und Gefühl. Bei den Selbsttests muss der Tupfer nicht bis in den Übergang von Nase zu Rachen geschoben werden. Zwei bis vier Zentimeter tief ins Nasenloch, das genügt. Und zwar flach in Richtung Gehörgangsboden und nicht schräg nach oben - dabei drohen Verletzungen.

Das bedeutet das "C" im Corona-Selbsttest

Das Ergebnis: Hier lauert nach Einschätzung des HNO-Mediziners die wohl größte Fehlerquelle. Viele halten nämlich einen Strich bei C für ein positives Ergebnis. Dabei steht C nicht für Corona, sondern für Control, also Kontrolle. "Wenn bei C kein Strich ist, ist der Test nicht verwertbar." Das T steht für Test - das ist die relevante Stelle für die Frage, ob man positiv oder negativ ist.

Konkret bedeutet das: Sind bei C und T Striche zu sehen, ist der Test positiv ausgefallen. Ist nur bei C ein Strich zu sehen, ist der Test negativ. Ist nur bei T ein Strich zu sehen, ist er ungültig - das gilt auch, wenn gar kein Strich erscheint.

Und was fängt man mit dem Ergebnis an? "In dem Moment, wo der Test positiv ist, ist Sense", so formuliert es Junge-Hülsing. Was er damit meint: Ab dann sollte man Kontakte meiden und sich umgehend bei einem Arzt oder einer Ärztin oder in einem Testzentrum um einen genaueren PCR-Test bemühen, um das Ergebnis des Selbsttests zu bestätigen.

Ein negativer Selbsttest wiederum ist kein Freibrief. Nicht nur aufgrund möglicher Anwendungsfehler bietet er keine Garantie, dass man nicht doch positiv und ansteckend ist. Experten wie der Virologe Christian Drosten weisen darauf hin, dass die Tests gerade am Anfang der Infektion oft noch negativ ausfallen - obwohl man womöglich bereits genug Viren in sich trägt, um andere anzustecken.

Man tut also gut daran, die Hygieneregeln auch bei negativem Selbsttest-Ergebnis weiterhin einzuhalten.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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