Tipps zum virtuellen Flirt

Tipps zum virtuellen Flirt
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Tipps zum virtuellen Flirt

 
18.01.2004 - 23:00 Uhr

Von Achim Raschka

Besonders Jugendliche sind angetan von den Möglichkeiten des Chattens und entsprechend boomen die Angebote im Internet und für das Handy. Bei den meisten Gesprächen geht es einzig und allein um Sex und Liebe. Schnell kommt man sich – jedenfalls verbal – näher. Bleibt es nicht nur bei "geflüsterten" Liebesbezeugungen, sondern stellen sich auch echte Gefühle ein, so entsteht häufig der Wunsch, die Cyberliebe auch in der Realität zu treffen. Doch nicht immer verlaufen diese Treffen harmlos. Im schlimmsten Fall versteckt sich hinter "Schmusebär" ein Mörder.

So im Frühjahr 2001 geschehen. "Lolli", die 19-jährige Bademeisterin Loreen Leistner wurde von Andreas W. (27 Jahre alt, Klempner-Lehrling) bestialisch ermordet. Natürlich passieren solche Gewaltverbrechen – eingefädelt durch das Internet – äußerst selten. Aber sie passieren. Dennoch: Panikmache ist nicht angebracht, aber Sorglosigkeit auch nicht. Mit unseren Tipps zum gefahrlosen Chat möchten wir weiterhelfen.

Versteckspiel hinter der Anonymität
Prinzipiell ist jeder im Chat anonym. Jeder Teilnehmer kann sich hinter einem selbst gewählten Spitznamen (in der Szene nur "Nick" genannt) verstecken und in dieser Anonymität alles preisgeben, was er auf der Seele hat. Diese Namen verraten häufig schon eine ganze Menge über den Benutzer, Namen wie "Ich will Sex" oder "Küss mich" sind eindeutig und die Personen treten meist ebenso direkt auf. Im Gegensatz zu Namen wie "Andy15", "Superzzz" oder "Schmusebär" sind sie allerdings durchschaubar und stellen sich meist als pubertierende und harmlose Jugendliche heraus.

Der Vorteil der Anonymität stellt sich bei näherer Betrachtung manchmal schnell als Nachteil heraus. Niemand kann kontrollieren, ob sein Gesprächspartner die Wahrheit sagt oder erfundene Geschichten zum besten gibt. Eine Studie mit dem Titel "Internetsucht – neue Suchtformen und Gefahren" auf der Basis einer Befragung von 1200 Chattern belegte, dass beinah 80 Prozent aller Aussagen von Männern im Chat gelogen sind, bei Frauen waren es immerhin noch 35 Prozent. Natürlich geht es dabei meist um Kleinigkeiten wie falsche Beschreibung des Aussehens, des Musikgeschmacks oder ein falsches Foto. Und solange der Flirt virtuell bleibt, besteht dabei auch kaum ein Problem. Wenn jedoch ältere Männer ihr Alter verschweigen und dies nutzen, um Kinder sexuell zu belästigen, wird die Sache mehr als unangenehm.

von Achim Raschka

Meistens bleibt es beim Flirten im Netz. Doch einige Flirter wollen ihre virtuelle Eroberung auch im wirklichen Leben treffen und sind entsprechend freigiebig mit persönlichen Daten wie ihrer Telefonnummer oder der Adresse.

Im günstigsten Fall kommt der Chatpartner dem Bild nahe, dass man sich von ihm gemacht hat, doch auch Enttäuschungen sind kein Weltuntergang. Der Chatflirt kann sich jedoch auch als realer Albtraum entpuppen.

Relativ häufig reagieren abgewiesene Chatpartner beleidigt und sind sauer. Bei einigen steigert sich dies zu einer wahren Rachsucht und sie versuchen, mit preisgegebenen Daten wie der E-Mail-Adresse und der Telefonnummer ihren ehemaligen virtuellen Schwarm zu terrorisieren. Diese "Stalker" bombardieren ihre Opfer mit E-Mails und Anrufen, bedrohen sie und versuchen sie manchmal sogar mit erhaltenen Informationen über das Intimleben zu erpressen.

Der Fall "Schmusebär"
Es lauert allerdings noch eine seltenere, aber weitaus größere Bedrohung im Chat. Diese geht aus von Menschen, die ihre Befriedigung daran finden, ihre Chatpartner sexuell zu belästigen und im Extremfall das Vertrauen, dass sie sich im Chat erschlichen haben, in der Realität für ihre Zwecke zu nutzen. Wie es so weit kommen kann? Der Flirt beginnt meist harmlos und der virtuelle Freund gibt sich in der Regel ausgesprochen einfühlsam. Einem solchen "Freund" gibt man gerne seine Daten und ein Treffen ist recht schnell arrangiert. Auch im Fall vom "Schmusebär" verlief die Geschichte im Frühjahr 2001 so, die vertrauensselige Chat-Partnerin Loreen Leistner ist jetzt tot.

Dazu Raimund Pousset auf seiner Website : "Die BILD-Zeitung titelte im Fall von Loreen 'Todesfalle Internet', der SPIEGEL erklärte das Internet für unschuldig. So ist es wohl. Das Netz ist so unschuldig , wie das Telefon oder die Zeitung. Aber es verlangt uns ganze Medienkompetenz, um nicht Opfer der eigenen Sehnsucht, Vertrauen oder Naivität zu werden."

von Achim Raschka

Die dargestellten Beispiele stellen natürlich nicht den Regelfall im Chatroom dar, sie sollen nur die Gefahren aufzeigen. Einige Chatbekanntschaften enden auch glücklich vor dem Traualtar.

Wenn Sie diese Regeln beachten, werden Sie sich gefahrlos beim virtuellen und realen Flirten vergnügen können.

  • Ehrlich währt am längsten. Nur wenn man selbst ehrlich ist, kann man dies auch von den anderen erwarten.
  • Bei intimen Fragen oder sexuellen Belästigungen im Chat sollte man andere Benutzer auf den Frager aufmerksam machen und im Extremfall den Chatroom verlassen. Bei wiederholten Belästigungen sollte außerdem die Polizei darauf aufmerksam gemacht werden.
  • Vorsicht bei der Herausgabe von persönlichen Daten. Die Preisgabe der E-Mailadresse stellt ein geringes Risiko dar, aber auf keinen Fall sollte man die eigene Adresse weitergeben.
  • Vorsicht beim Treffen im wirklichen Leben. Ein Treffen sollte immer in einer belebten Gegend oder einem Lokal stattfinden, niemals in der eigenen Wohnung oder der des Chatpartners. Außerdem sollte man es vermeiden, beim ersten Treffen allein zu sein.
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