Lustkiller Antibabypille?

Lustkiller Antibabypille?
Bild 1 von 57

Lustkiller Antibabypille?

von Dr. Nina Mann

Verhütungspillen verhindern zwar unerwünschte Schwangerschaften. Sie können aber auch die sexuelle Lust (Libido) derartig hemmen, dass man nicht nur von einer Antibabypille, sondern auch von einer Anti-Lustpille sprechen kann. Einer Studie des Sexualmediziners Irwin Goldstein der Boston University zufolge kann die Pille die Libido von Frauen sogar für den Rest ihres Lebens zerstören. Wir sagen Ihnen, wie untersucht wurde, ob es Pillen gibt, die "lustverträglich" sind und warum der durch die Pille veränderte Hormonhaushalt lusttötende Wirkung hat.

Da die Pille immer noch das Verhütungsmittel Nr. 1 ist, lässt diese Nachricht besorgt aufhorchen. Schon frühere Studien haben gezeigt, dass die Pille die Lust auf Sex verringern kann. Bisher ging man aber optimistisch davon aus, dass sich die Libido nach dem Absetzen der Pille wieder normalisiert.

Doch laut einer Studie des Sexualmediziners Irwin Goldstein von der Boston University besteht die Möglichkeit, dass die Pille die sexuelle Lust der Frau für den Rest ihres Lebens zerstören könnte – zumindest bei entsprechend veranlagten Frauen.

Die Studie
Goldstein und Mitarbeiter untersuchten 125 Patientinnen, die mit Sexualstörungen in die Sprechstunde gekommen waren. Davon nahmen 62 Frauen die Pille ein, 40 hatten in der Vergangenheit die Pille genommen und 23 Patientinnen hatten keinerlei Erfahrungen mit diesem Verhütungsmittel.

Die über einen Zeitraum von einem Jahr alle drei Monate durchgeführten Blutanalysen ergaben sowohl bei den Frauen, die zum Untersuchungszeitpunkt die Pille einnahmen, als auch bei jenen, die früher die Pille eingenommen hatten, abnorm hohe Blutkonzentrationen des Eiweiß-Körpers SHGB (Sexualhormon-bindendes Globulin). Verantwortlich dafür ist das Hormon Östrogen, das in unterschiedlicher Konzentration mit der Antibabypille aufgenommen wird.

Lust-Hormon Testosteron
Die Konzentration des Testosteron-bindenden SHBG war bei den Pillenkonsumentinnen zwischen 300 und 700 Prozent erhöht. SHGB bindet 30 bis 60 Prozent des frei im Blut zirkulierenden Testosteron, was negativ für die Libido ist. Denn Testosteron ist &#8211 wie bei Männern &#8211 auch bei Frauen für die Lust auf Sex verantwortlich &#8211 es ist also eine Art "Lust-Hormon". Nach derzeitigem Wissensstand haben Frauen nur dann Lust auf Sex, wenn der Testosteronspiegel nicht unterhalb des Normalpegels absinkt. In der Studie war der Testosteronspiegel auf bis zu 40 Prozent reduziert.

Zwar sank die Konzentration von SHBG, nachdem die Frauen die Einnahme der Pille beendet hatten, sie blieb aber immer noch bis zu vier Mal so hoch wie bei Frauen, die die Pille nie genommen hatten. Ursprünglich hatten die Mediziner erwartet, dass sich die SHBG-Konzentration innerhalb von sechs Wochen normalisieren würde.

Das Forscherteam befürchtet nun, dass die erhöhte SHBG-Konzentration ein Hinweis dafür ist, dass das wichtige lustfördernde Hormon Testosteron für immer unwirksam sein könnte. Weitere Untersuchungen müssen dies zeigen. Dabei stellt sich auch die Frage, ob es reicht, die Pille ein Jahr zu nehmen, oder ob erst die exzessive Pilleneinnahme über viele Jahre zu einer permanent erhöhten SHBG-Produktion führt.

Dass eine permanente Einnahme der Antibabypille über einen längeren Zeitraum die Libido verändert, wird von vielen Patientinnen berichtet. Ob sie hingegen für immer verloren geht, auch nach Absetzen der Pille, ist nicht erwiesen.

Die in diesem Artikel beschriebene Studie von Irwin Goldstein und seinen Mitarbeitern aus Boston gibt einem natürlich zu denken: Eindeutig konnten hormonelle Veränderungen im Blut festgestellt werden, die mit dem Einnehmen der Antibabypille in Zusammenhang stehen und auch nach Absetzen der Pille bestehen blieben.

SHBG, das Protein, das Testosteron in seiner Wirkung einschränkt, blieb auch nach Absetzen der Pille deutlich erhöht. Aus der Studie geht für den Leser allerdings nicht hervor, wie lange die Patientinnen die Pille nahmen, bevor sie sie absetzten, um welche Art von Pille es sich handelte und ob die SHBG-Konzentration im weiteren Verlauf erhöht bleiben wird.

Auch ist nicht bekannt, mit welcher Art sexueller Störungen die Frauen in die Sprechstunde kamen. Frauen haben zudem unterschiedliche Testosteronkonzentrationen von Natur aus und reagieren daher auch unterschiedlich auf eine Östrogenzufuhr durch die Pilleneinnahme.

Die Libido wird von vielen Faktoren beeinflusst
Testosteron ist die wichtigste hormonelle Komponente. Daneben gibt es aber viele andere Faktoren, die die sexuelle Lust beeinflussen: Genetische Einflüsse, Erziehung, gesellschaftliche Normen und psychische Faktoren beeinflussen das sexuelle Verhalten entscheidend.

Ein niedriger Testosterongehalt ist nicht der einzige lustlimitierende Faktor. Dies sollte auch in den Studien bei der Wahl der getesteten Patientinnen berücksichtigt werden. Wenn sich in Zukunft zeigt, dass SHBG nach Absetzen der Pille erhöht, und Testosteron folglich erniedrigt bleibt, sollte man sich allerdings gut überlegen, ob man auf dieses wichtige, die Libido fördernde Hormon für immer verzichten möchte.

Es sollte Frau auch immer klar sein, dass die Pille ein Eingriff in den natürlichen Ablauf der hormonellen Regelkreise darstellt und der Verlust der Libido eine der vielen, möglichen Nebenwirkungen sein kann.

Nicht alle Pillen senken die Libido gleich stark. Allerdings gibt es bisher keine Vergleichsstudien, aus denen eindeutig hervorgeht, welche Pillen nachhaltig am wenigsten Einfluss auf die Libido haben.

Es ist bekannt, dass vor allem Östrogen die SHBG-Konzentration erhöht und damit die Testosteron-Konzentration senkt. So kann davon ausgegangen werden, dass Pillen mit einer gleichbleibend hohen Östrogenkonzentration über den gesamten Zyklus hinweg, am stärksten die Libido hemmen. Die im Handel erhältlichen Anti-Baby-Pillen haben unterschiedliche Hormonkonzentrationen.

So gibt es die Ein-Phasen-Pillen, die eine gleichbleibend hohe Östrogen- und Gestagen-Konzentration über den gesamten Monat hinweg beinhalten. Die Menge an Hormonen ist dabei von Präparat zu Präparat unterschiedlich, am geringsten in der Mikropille.

Bei den 2- und 3-Phasen-Pillen wird durch unterschiedlich dosierte Hormone in den Pillen, die wechselnde Östrogen- und Gestagen-Konzentration während des Zyklus nachgeahmt.Einzig die Mini-Pille enthält gar kein Östrogen, sondern nur Gestagen.

Unter der Annahme, dass vor allem Östrogen über den Vermittler SHBG die Libido senkt, könnte die Mini-Pille hier am wenigsten Unheil anrichten. Die Pillen, die den Zyklus am ehesten imitieren, wie die 3-Phasen-Präparate, oder die sehr niedrig dosierten Mikropillen, wirken sich im Vergleich zu höher dosierten Pillen weniger auf die Libido aus. Insgesamt erhöhen aber auch sie die Östrogenkonzentration und tragen zu einer Erhöhung der SHBG-Menge bei. Hier könnte durch eine 3-monatige Pillenpause ab und zu die konstante Östrogenzufuhr unterbrochen werden. Damit käme es dann auch zu einer Verminderung der SHBG-Produktion.

Wenn Sie feststellen, dass Ihr Verlangen nach Sex stark abgenommen hat, sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen und gegebenenfalls auf eine andere Pille umsteigen oder ein alternatives Verhütungsmittel ausprobieren.

Auch eine hingebungsvolle, erotische Partnermassage kann die Libido vielleicht wieder entfachen. Probieren Sie es aus!

Kommentare
Top-Themen
Sie möchten sich einen Vierbeiner zulegen? Wir verraten, welcher Hund am besten zu Ihrem Sternzeichen passt.mehr
Unser Sternzeichen kann eine Menge über unsere Intelligenz verraten.mehr
Welcher Hund Sie wären, wenn Sie kein Mensch wären? Ihr Sternzeichen verrät es.mehr
Anzeige
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.