Rückkehr der Syphilis

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von Achim Raschka

Nun ist es offiziell: Die heimtückische und berüchtigte Sexualkrankheit Syphilis nimmt auch hierzulande rapide zu. Nachdem bereits im letzten Jahr für Großbritannien eine Zunahme der Syphilisfälle gemeldet wurde, warnt jetzt auch das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) vor der drohenden Gefahr. Häufig werden die ersten Symptome übersehen, da eine ganze Generation von Ärzten außerhalb der Lehrbücher kaum noch Syphilis-Patienten gesehen hat.

Morbus Gallicus: Die Zeit der Franzosenkrankheit
Die Syphilis oder Lues kam nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus im Oktober des Jahres 1492 mit den Seefahrern nach Europa. In wenigen Jahren breitete sie sich über ganz Europa aus, vor allem durch französische Söldner, was ihr den Namen "Franzosenkrankheit" (Morbus Gallicus) einbrachte. Jahrhunderte waren geprägt durch die Angst vor der Seuche, denn ein wirksames Heilmittel gegen den Krankheitsauslöser – das Bakterium Treponema pallidum – gab es lange Zeit nicht.

Penicillin – der Retter
Eine erste wirksame Behandlung der Krankheit durch das arsenhaltige Medikament Salvarsan konnte erst zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt werden, der Entdecker Paul Ehrlich erhielt unter anderem dafür 1908 den Nobelpreis für Medizin. Mit der industriellen Großproduktion des keimtötenden Penicillins ab 1944 kam die endgültige Wende. Bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts infizierten sich in Deutschland nur noch rund 1000 Menschen pro Jahr.

Unbehandelt zerstört die Geschlechtskrankheit Haut und Knochen, am Ende auch Gehirn und Rückenmark. Keine Bevölkerungsgruppe wurde von der Seuche verschont, obwohl bereits sehr früh bekannt war, dass sie sich vor allem durch Geschlechtsverkehr verbreitete. Doch anders als AIDS wurde sie auch durch Berührung mit offenen Geschwüren der Betroffenen oder das Tragen der Kleidung der Erkrankten übertragen.

Die bekanntesten Opfer der Syphilis sind der Philosoph Friedrich Nietzsche (1844-1900), der Komponist Franz Schubert (1797-1828) und der Dichter Heinrich Heine (1797-1856).

Diese schreckliche Seuche tritt heute vor allem in den Entwicklungsländern auf, in Westeuropa galt sie vor knapp zehn Jahren als fast ausgestorben. Nun hat sich allerdings die Zahl der Betroffenen auch in Deutschland innerhalb der letzten fünf Jahre verdreifacht, so der Forscher Dr. Osamah Hamouda vom Berliner Robert-Koch-Institut.

Infizierten sich in Deutschland bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts nur noch circa 1.000 Menschen jährlich, schätzt man die Infektionsrate jetzt bereits auf etwa 3.000 pro Jahr.

Dafür gibt es zwei Gründe:

  • Zu etwa zwei Dritteln erfolgt die Übertragung der Krankheit durch homosexuelle Kontakte unter Männern. Deren Sorge vor einer Ansteckung mit dem HI-Virus (Aids) hat erheblich nachgelassen, so dass es häufiger zu ungeschütztem Sex kommt.
  • Zum anderen infizieren sich zunehmend Männer an aus dem Ostblock stammenden Prostituierten, nachdem in diesen Ländern nach 1990 die Infektionsrate mit Syphilis stark angestiegen ist.

Der Spiegel zitiert dazu in passender Weise Hans-Joachim Heite, ehemaliger Präsident der Deutschen STD-Gesellschaft: "Zu einer Geschlechtskrankheit gehören immer drei. Sonst gäbe es sie nicht."

Tückisch: Erkrankung bleibt häufig unterkannt
Professor Helmut Schöfer von der Universitäts-Hautklinik Frankfurt führt den Anstieg der Infizierten vor allem auf die Unkenntnis der Krankheit zurück. Die deutlichen Geschwüre werden nicht immer als Syphilisanzeichen erkannt und mit Anzeichen anderer, harmloserer Krankheiten oder mit Fissuren verwechselt, so Schöfer.

Primärstadium
Etwa drei Wochen nach der Infektion entsteht an der Eintrittsstelle des Bakteriums ein schmerzloses, hartes Geschwür, das als harter Schanker oder Ulcus durum bezeichnet wird und oft unbemerkt bleibt. Anschließend schwellen die benachbarten Lymphknoten an, vom Blut wird der Syphilis-Erreger in alle Organe befördert. Auch unbehandelt heilen die Geschwüre nach einigen Wochen ab.

Sekundärstadium
Es folgt die sekundäre Syphilis, in der verschiedenste Haut- und Schleimhautveränderungen wie Ausschlag und Geschwürbildungen auftreten. Der Hautausschlag heilt nach rund vier Monaten ohne Behandlung ab, die Krankheit ist damit jedoch längst nicht überstanden.

Latente Syphilis
Es handelt sich um das über Jahre, manchmal lebenslänglich anhaltende Erkrankungsstadium, nachdem der Patient zuvor eine sekundäre Syphilis durchgemacht hat. In dieser Phase sind alle Krankheitssymptome verschwunden. Das macht die Krankheit auch so tückisch. Jetzt kann nur noch eine genaue Befragung zusammen mit einer serologischen Untersuchung zur richtigen Diagnose führen. Die Erreger bleiben jedoch lebenslang weiter im Körper.

Tertiärstadium, Spätsyphilis
Nach vielen, beschwerdefreien Jahren können die Spätschäden der Syphilis auftauchen, die sich in allen Bereichen des Körpers zeigen. Dieses Tertiärstadium der Krankheit ist geprägt von Hirn- und Rückenmarkserweichungen (Neurosyphilis), Lähmungserscheinungen sowie der Schrumpfung und dem Zerfall verschiedener innerer Organe wie der Leber, der Lunge und der Nieren. Auch die Knochen sind betroffen, sie zerfallen und verkrümmen sich säbelartig.

Therapie
Heute kann die Erkrankung im Frühstadium und auch noch im Sekundärstadium sehr gut mit Penicillin-Derivaten behandelt werden, bei einer Tertiärerkrankung oder der Neurosyphilis ist eine langwierige stationäre Behandlung die Folge. Penicillin kann die Erkrankung zwar stoppen, die bereits eingetretenen Organschäden lassen sich allerdings nicht mehr rückgängig machen.

Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch direkten mikroskopischen Erregernachweis oder durch Bluttests mit Antikörperbestimmung.

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