Warum wir so gerne lästern

Meine besten Freunde – schön wär’s! Wenn Menschen aufeinander treffen, geht es danach oft zur Sache. Dann wird kritisiert und mies gemacht. Natürlich nur unter vier Augen...
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Meine besten Freunde – schön wär’s! Wenn Menschen aufeinander treffen, geht es danach oft zur Sache. Dann wird kritisiert und mies gemacht. Natürlich nur unter vier Augen...

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82 Prozent geben zu, dass sie gerne über andere Leute lästern und tratschen. Aber warum nur? Unsere Kollegen der "Fit For Fun" haben versucht, der Sache auf den Grund zu gehen.

Eigentlich war es ein schöner Abend zu viert. Leckeres Essen, angenehme Gespräche – Elke, Max, Eva und Philip kultivieren ihren Pärchenabend seit Jahren. Und trotzdem wird auf der Rückfahrt morgens um zwei im Auto erst mal abgelästert. Sie: "Hast Du Evas Kleid gesehen? Das kann sie doch nicht mehr tragen! Die hat doch bestimmt drei Kilo zugelegt." Er: "Wie Philip mit seinem neuen Job angibt, nicht auszuhalten ..." Kein guter Stil ohne Frage – aber seltsam bekannt.

Lästern über Bekanntes

Kaum jemand ist frei von Klatsch und Tratsch. Am liebsten lästern wir Umfragen zufolge über Bekanntes. So müssen halt die besten Freunde dran glauben. Sie sind uns näher als Queen Elisabeth oder George Clooney, ihre Fehler können wir genüsslich sezieren und uns an ihren Schwächen freuen. Wenn die Jeans der Freundin spannt, macht das eigene Bauchfett nicht mehr so viel aus. Wenn der Kumpel gern einen über den Durst trinkt, lenkt das vom eigenen Alkoholkonsum ab.

Beruhigend dabei: Wir sind jetzt nicht einfach nur fies. Zahlreiche Wissenschaftler haben sich mit dem Lästerphänomen und der Psychologie dahinter beschäftigt. Sie fanden heraus, dass Lästern nicht nur die Neugier und Sensationslust stillt, sondern überspitzt gesagt sogar die Gesellschaft zusammen hält. Schon in den Sechzigern beschrieb der Soziologe Max Gluckman Klatsch als eine Form der sozialen Kontrolle. Denn: Menschliche Gemeinschaft orientiert sich an Normen und Werten. Wer diese ignoriert, fliegt raus – über ihn wird gelästert. Ausgrenzen verbindet dabei dann den Rest der Gruppe, schafft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Indem Klatsch dazu führt, dass sich asoziales Verhalten nicht lohnt, dient er als sozialer Kitt. Denn wer will schon ausgegrenzt werden?

Tratschen fördert Wir-Gefühl

Paare bilden die kleinste Gruppe einer Gemeinschaft. Sie nutzen ihr Geläster besonders clever als besondere Form der Beziehungspflege. Gerade, wenn es in der eigenen Beziehung knirscht, brauchen Pärchen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Gelästert wird im Verborgenen. Es macht aus den Lästermäulern Verbündete, die ein Geheimnis teilen, sich blind vertrauen. Wem sonst als dem Partner würde man Einblick in die schwarzen Seiten der eigenen Seele geben?

Ablenkung von eigenen Unzulänglichkeiten

Und: Tratschen ist eine Meinungsäußerung. Wer sich über den spießigen Geschmack des befreundeten Pärchens mokiert, der lenkt von den Unzulänglichkeiten in der eigenen Partnerschaft ab. Nach dem Motto: Bei uns ist zwar auch nicht alles paletti, aber wenigstens ist unser Couchtisch nicht so scheußlich! Auch wenn sich Paare so selbst belügen, fühlen sich im Endeffekt besser – und stärken ihr Wir-Gefühl. Über Streitpunkte in der eigenen Beziehung würden sie bei anderen nämlich nie lästern, da könnten ja Sprengladungen lauern...

Übrigens: Das schlechte Gewissen können Sie vergessen. Beim Lästern gilt: "Wie Du mir, so ich Dir!" In einer Umfrage gaben immerhin 82 Prozent  zu: "Ich tratsche gern!"

 

Quelle: freenet.de
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