Benzol in Fruchtsäften

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von Jutta Pöschl

Chemie in Säften gefunden: In 33 Proben von 64 Getränken sei Benzol entdeckt worden, berichteten unlängst einige Tageszeitungen. In Lebensmitteln darf aber Benzol nicht auftauchen.



Benzol schädigt Keimzellen

Die Ursache für den Stoff in den Säften sei, laut dem Bericht des Verbraucherministeriums, vermutlich eine chemische Reaktion im Getränk. Lebensmittelchemiker gingen davon aus, dass das Gift erst entstehe, wenn der Konservierungsstoff Benzoesäure mit Vitamin C (Ascorbinsäure) reagiere. Das wurde nach Angaben des Ministeriums im vergangenen Jahr in Großbritannien herausgefunden.

Benzol wird als Krebs erregend angesehen

Hauptsächlich würde der Stoff über Autoabgase abgegeben, kann aber auch in Trinkwasser und Lebensmitteln vorkommen. "Benzol ist einer der gefährlichsten Stoffe, die wir kennen," sagte der Vizedirektor des Instituts für Toxikologie an der Universität Kiel, Hermann Kruse. Wegen Benzol in der Luft von Innenräumen erkranken jedes Jahr rund 70 Menschen pro einer Million Bürger an Krebs. Ein Mensch atmet jeden Tag aber eine viel größere Menge Benzol ein, als mit Fruchtsaft aufgenommen wird.

Nicht nur Benzol, auch Pflanzenschutzmittel werden immer wieder in Lebensmitteln gefunden. Eine aktuelle Auswertung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zeigt: Vor allem bei Rucola, Paprika und Trauben wird die gesetzliche Höchstmenge an giftigen Rückständen immer wieder überschritten.

Benzoesäure kommt natürlicherweise etwa auch in Preiselbeeren vor, Vitamin C in vielen Früchten.

Für einen solchen Stoff gäbe es für Fruchtsäfte bisher keine Grenzwerte, hieß es im Verbraucherministerium. Die Industrie ist dennoch gefordert, den Stoff draußen zu halten. Es bestünde allerdings keine Gesundheitsgefahr, da die Konzentration des Stoffes in den Erfrischungs- und Fruchtmischgetränken unterhalb des Benzol-Grenzwertes, von einem Mikrogramm pro Liter, für Trinkwasser liege.

In den Ergebnissen aus einigen Bundesländern sah das Bundesinstitut für Risikobewertung trotz Spuren von Benzol ebenfalls keine Gesundheitsgefahr. Die Länder waren vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit um Tests gebeten worden.

Benzol reagiert mit Vitamin C

Lebensmittelchemiker vermuten, dass das Gift erst entsteht, wenn der Konservierungsstoff Benzoesäure mit Vitamin C reagiert. Benzoesäure verwenden die Hersteller, um ihre Produkte länger haltbar zu machen. Vitamin C hingegen sei in vielen Früchten enthalten? Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. (VdF) relativiert die Diskussion: Fruchtsäfte und Fruchtnektare dürfen und werden nicht chemisch konserviert. Es wurde mit Nachdruck auf die Unbedenklichkeit der Produkte hingewiesen. Der Verbraucher könne sich darauf verlassen, dass Fruchtsäfte oder Fruchtnektare nicht mit Benzoesäure konserviert werden. Der Fund des Krebs erregenden Stoffes beziehe sich auf alkoholfreie Erfrischungsgetränke.

Rückstände in Lebensmitteln

Während die Verunreinigung mit Benzol bislang wenig Aufmerksamkeit fand, sind die Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln schon lange ein Ärgernis. Das zeigen die Daten des BVL von knapp 16.000 Lebensmitteln, bei denen bereits in der Vergangenheit häufig Rückstände festgestellt wurden. 60 Prozent der ausgewerteten Lebensmittel enthielten demnach weiterhin Pestizide. Bei 7,4 Prozent der Proben wurden die gesetzlichen Höchstmengen überschritten. Die meisten Rückstände fanden sich in Rucola, Paprika, Johannisbeeren, Tafeltrauben und Gurken. Grundnahrungsmittel wie Getreide und Kartoffeln waren nur geringfügig belastet. Die Höchstmengen bei Kiwis, Orangen, Zitronen, Karotten und Tomaten wurden ebenfalls selten überschritten.

Quellen: wdr.de, sueddeutsche.de, Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie, Bundesinstitut für Risikobewertung (bmelv.de)

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