Gefährliche Zimtsterne

Gefährliche Zimtsterne
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Gefährliche Zimtsterne

von Jutta Pöschl

Wenn es draußen kälter wird, steigt die Vorfreude auf Weihnachten: denn Adventszeit ist Backzeit für die heißgeliebten, duftenden Plätzchen. Leckereien in unterschiedlichsten Varianten, die man am liebsten, noch warm, direkt vom Blech weg schnabuliert verführen zum heißhungrigen Naschen. Warum Liebhaber von Zimtsternen & Co sich jedoch vorsehen sollten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) verkündete in einer aktuellen Stellungnahme seine Schlussfolgerung, dass Zimt - je nach Herkunft - bei manchen Menschen Leberschäden verursachen kann. Das liegt am darin enthaltenen Cumarin, einem Aromastoff, der in höheren Konzentrationen in Zimtsorten vorkommt, die unter dem Begriff "Cassia-Zimt" zusammengefasst werden. Cumarin, das auch in Waldmeister vorkommt, ist im Tierversuch krebserregend. Die leberschädigende Wirkung ist auch aus der Anwendung cumarinhaltiger Arzneimittel bekannt. Bereits Anfang des Jahres wurden in vielen Proben stark überhöhte Werte des Aromastoffes gemessen, das natürlicherweise in Zimt vorkommt, und nicht künstlich zugesetzt wird.

Werte um das 40-fache überschritten

Zimtgebäck wird derzeit auf seinen Cumarin-Gehalt überprüft und muss nach einem Bericht des BfR vom Markt genommen werden, wenn es die Grenzwerte überschreitet. Grund für den hohen Gehalt des mit Vorsicht zu genießenden Aromastoffes im Zimtgebäck ist laut dem Bericht die Verwendung des weit preiswerteren Cassia-Zimtes. Im Gegensatz zum teureren Ceylon-Zimt finden sich im Cassia-Zimt deutlich höhere Cumarin-Werte. Der festgelegte Grenzwert von zwei Milligramm Cumarin pro Kilo Lebensmittel wurde bei manchen der untersuchten zimthaltigen Leckereien um das 40-fache überschritten und enthielt bis zu 76,4 Milligramm Cumarin.

Auf Grund ihres geringeren Körpergewichts sind durch die erhöhten Cumarin-Gehalte im Zimtgebäck insbesondere Kinder gefährdet. Beim Spitzenreiter mit 76,4 Milligramm Cumarin pro Kilo, hätte ein Kleinkind den festgelegten täglichen Risikogrenzwert bei einem Verzehr von drei und ein Erwachsener von 15 Zimtsternen die tolerable tägliche Aufnahme bereits erreicht. Besonders Kleinkinder sollten deshalb kein gekauftes Zimtgebäck essen. Der zu allen Zeiten sehr wertvolle Zimt muss nicht vollends in Verruf geraten: Wer Plätzchen gerne selber bäckt, greift sicherheitshalber zum Ceylon-Zimt und geht etwas sparsamer damit um.

Zimtsterne und Tee besonders hoch belastet

Auch in anderen Lebensmitteln wurden überhöhte Werte gefunden, bei Frühstücksflocken beispielsweise. Vier der fünf, von foodwatch getesteten, Sorten überschreiten den gesetzlichen Grenzwert. Milchprodukte hingegen sind kaum belastet, die getestete Kindernahrung lag unter der Nachweisgrenze. Wer gerne zimthaltige Tees trinkt sollte auf jeden Fall genauer hinsehen, denn in den Teepulvern wurden die absoluten Höchstbelastungen gemessen. Es wird vermutet, dass sich der hohe Cumaringehalt im aufgebrühten Tee durch das Wasser wieder etwas relativiert. Eine Überschreitung gilt jedoch als wahrscheinlich. Bund und Länder haben sich deshalb auf Verzehrempfehlungen verständigt. Bei Einhalten dieser Empfehlungen bestehen angeblich keine gesundheitlichen Bedenken. Die Kriterien wurden in einer Pressemitteilung vom BfR bestätigt.

Laut Verzehrempfehlung können Kinder pro Tag eines der folgenden zimthaltigen Lebensmittel genießen: 4 Zimtsterne à 5,6 Gramm - 1 Lebkuchen à 30 Gramm - Milchreis mit Zimt und Zucker 200 Gramm - 2 Müsliriegel à 35 Gramm oder 75 Gramm Fertig-Müsli

Erwachsene dürfen pro Tag eines der folgenden zimthaltigen Lebensmittel verzehren: 8 Zimtsterne à 5,6 Gramm - 2 Lebkuchen à 30 Gramm - Milchreis mit Zimt und Zucker 200 Gramm - 2 Müsliriegel à 35 Gramm - oder 100 Gramm Fertig-Müsli

Alles hat zwei Seiten, das mussten auch die Forscher erfahren, die sich unlängst über die Entdeckung der blutzuckersenkenden Wirkung von Zimt freuten. Fest stand bis vor kurzem: Das im Zimt enthaltene Catechin kann auf rein biologische Weise den Blutzucker senken und durch seine antioxidativen Wirkstoffe das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermindern. Das BfR warnt in diesem Zusammenhang auch vor der Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln auf der Basis von Zimt, die für Diabetiker zur Senkung des Blutzuckerspiegels angeboten werden. Hieraus kann sich - bei Einnahme entsprechend der Dosisempfehlung - eine zusätzliche tägliche Aufnahme von 18 mg Cumarin ergeben, so dass der TDI-Wert allein hierdurch bereits um das Dreifache überschritten wird. Vorsicht ist auch für Schwangere geboten: Da diese Kapseln auch größere Mengen an Zimtaldehyd enthalten, das teratogene Wirkungen haben kann, sollten sie diese auf keinen Fall einnehmen.

Die gesundheitliche Bewertung von Cumarin des Bundesinstituts für Risikobewertung ist unter: www.bfr.bund.de zu finden. Die Testergebnisse können unter www.foodwatch.de kostenlos abgerufen werden.

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