Wirksame Atkins-Diät?

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04.04.2004 - 22:00 Uhr

Eine Diät mit viel Eiweiß und wenig Kohlenhydraten bringt beim Abnehmen oft bessere Erfolge als herkömmliche Diäten mit wenig Fett und vielen Kohlenhydraten. Zu diesem Ergebnis sind zwei amerikanische Studien gekommen, die in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht wurden. Allerdings wurden beide Studien von der Robert C. Atkins Foundation finanziell unterstützt.

Der größte Gewichtsverlust konnte bei jenen Teilnehmern erzielt werden, die sich an die Richtlinien der Atkins Diät hielten. Zusätzlich konnten Verbesserungen bei den Cholesterinwerten beobachtet werden.

Für die erste Studie erhielten 120 übergewichtige Freiwillige von Wissenschaftlern des [LINK "http://www.mc.duke.edu" ]Duke University Medical Center entweder eine kohlenhydratarme und proteinreiche Ernährung oder eine fett-, cholesterin- und kalorienarme Ernährung. Nach sechs Monaten hatten die Teilnehmer der Atkins-Gruppe durchschnittlich 13 Kilo abgenommen. Zusätzlich konnte ein positiver Einfluss auf die Fettwerte nachgewiesen werden. Diese Teilnehmer verloren mehr Körperfett, verringerten ihre Triglyceridwerte und erhöhten ihre so genannten guten Cholesterinwerte. In der zweiten Gruppe lag der Gewichtsverlust durchschnittlich bei sieben Kilo.

"Kohlenhydratarme Gruppe" verlor schneller an Gewicht
In der zweiten Studie begleiteten Wissenschaftler des [LINK "http://www.va.gov" ]Veterans Affairs Medical Center 132 übergewichtige Erwachsene, die nach dem Zufallsprinzip entweder einer kohlenhydratarmen oder fettarm ernährten Gruppe zugeteilt wurden. Auch hier hatte nach sechs Monaten die erste Gruppe mehr an Gewicht verloren und eine Verbesserung der Fettwerte erzielt. Nach zwölf Monaten hatten beide Gruppen ungefähr gleich viel an Gewicht abgenommen.

Und die Erklärung?
Laut der Ernährungswissenschaftlerin Marion Flechtner-Mors von der Universität Ulm sättigen eiweißreiche Nahrungsmittel besonders gut und ein großer Teil der aufgenommenen Energie wird zur Bildung von Körperwärme verbraucht. Bei eiweißreichen Diäten werde außerdem weniger Muskelmasse abgebaut.

Interessantes Detail
[LINK "http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=040518031" ]Pressetext.at schreibt, dass laut BBC beide Studien von der Robert C. Atkins Foundation finanziell unterstützt wurden. Das lässt natürlich begründete Zweifel an der unabhängigen Meinung der Mediziner aufkommen. Ernährungsexperten wie Sven-David Müller von der [LINK "http://www.ernaehrungsmed.de/" ]Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik halten die Atkins-Diät entsprechend für gesundheitsgefährdend, da sie extrem kohlenhydratarm ist, wodurch Mangelerscheinungen auftreten können. Die extrem hohe Eiweiß- und Fettzufuhr führt zu hohen Cholesterin- und Purinspiegeln im Organismus, die auf Dauer gesundheitsgefährdend sein können.

Wesentlich gesünder und nicht minder erfolgreich ist dagegen die "Low Carb-Diät" des Kardiologen Arthur Agatston, die derzeit in Amerika für Furore sorgt und sozusagen eine "verbesserte Atkins-Diät" darstellt – neben Eiweiß sind auch "gute" Kohlenhydrate und Fette erlaubt.

Eier mit Speck zum Frühstück, Mittags Steak mit Soße und zum Abendessen einen Burger ohne Brötchen. Was sich anhört wie die Anleitung zum Dickwerden, sind die Bausteine der "Low Carb-Diät", die in Amerika eine Revolution auf dem Nahrungsmittelmarkt ausgelöst hat – viele Bäckereiketten stehen vor dem Aus.

"Low Carb" heißt so viel wie "wenig Kohlenhydrate". Für die Anhänger der Bewegung sind Nudeln, Kartoffeln, Brot aus weißem Mehl und zuckerhaltiger Orangensaft die Wurzeln des Übels – Fett und Eiweiß sind dagegen ausdrücklich erlaubt.

An dieser, auf dem Prinzip des im April 2003 verstorbenen Diätgurus Robert Atkins basierenden Diät, haben sich bereits 50 Millionen Amerikaner versucht. Das heißt jeder Sechste des 300 Millionen-Volkes greift statt zu "low fat" zu "low carb"-Produkten. Unter ihnen auch Bill Clinton, der damit elf Kilo abgenommen haben soll.

Revolution auf amerikanischen Tellern
So stark verändertes Kaufverhalten blieb in der Nahrungsmittelindustrie natürlich nicht ohne Folgen. Zu den großen Gewinnern gehören Eierproduzenten und Rinderfarmer. Die Eierpreise in den USA sind auf ihrem höchsten Stand seit über 20 Jahren, der Preis für Rindfleisch ist in den letzten Monaten um rund 50 Prozent gestiegen.

Verlierer sind Bauern, die Weizen anbauen und Bäcker. Der Brotverbrauch hat sich deutlich verringert.

Wie das Hamburger Abendblatt schreibt, gibt es kaum eine Lebensmittelsparte, die nicht ins "Low Carb"-Geschäft eingestiegen ist. Das erste "Low Carb"-Bier "Michelob Ultra" hat bereits 2,1 Prozent des gesamten Bierumsatzes der USA ergattert. Von "Low Carb"-Nudeln und -Pizza über "Low Carb"-Süßigkeiten und -Eiskrem bis hin zu "Low Carb"-Pommes gibt es nichts, was es nicht gibt.

Auch fast alle Fast-Food-Ketten wie McDonald's oder Burger King haben ihr Angebot längst auf die "Low Carb"-Lust der Amerikaner eingestellt. Statt Hamburger mit Pommes gibt es Salate mit gegrillter Hühnerbrust. Wer dennoch nicht auf seinen Big Mac verzichten will, bekommt ihn auf Wunsch auch ohne Brötchen.

Diät-Fibel ein Zufallsprodukt
Für die derzeitige Euphorie unter Amerikas Abnehmwilligen sorgt der in Miami-South Beach ansässige Kardiologe Arthur Agatston. Für seine Patienten, die an Herzerkrankungen leiden, modifizierte er die Atkins-Diät und unterscheidet im Gegensatz zu Atkins zwischen guten und schlechten Fetten. Auch verdammt er nicht alle Kohlenhydrate, es gibt für ihn auch "gute carbs". Das sind Früchte, Gemüse und Vollkornprodukte.

Eigentlich wollte Agatston nur die Blutfettwerte seiner Patienten verbessern – der Gewichtsverlust ergab sich eher nebenbei. Doch der Diät-Plan entwickelte sich zum Geheimtipp und so entschied sich der Arzt, ein Buch darüber zu schreiben.

"Die South Beach Diät" wurde zum Kassenschlager und hat sich seit April letzten Jahres mehr als fünf Millionen mal verkauft. Bei uns ist die Diät-Fibel seit Februar 2004 im Handel – die Startauflage von 20.000 war sofort vergriffen. Jetzt wird fieberhaft nachgedruckt.

Agatston Ernährungslehre besteht aus drei Phasen. Die erste dauert zwei Wochen und ist am strengsten.

Verzichtet werden muss auf Backwaren, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Obst, Süßigkeiten, Eiskrem, Fruchtsäfte und Alkohol. Erlaubt sind Fleisch, Geflügel, Fisch, Meeresfrüchte, Salate (mit Olivenöl angemacht), Gemüse, Eier, Käse, Nüsse, Wasser, Kaffee und Tee. Neben den drei Hauptmahlzeiten sind Snacks zwischendurch erlaubt.

Die zweite Etappe erlaubt bereits wieder in Maßen, was man nicht entbehren zu können glaubt. Auf dem Speiseplan dürfen auch wieder Kohlenhydrate stehen. Bei Nudeln und Brot sollte es sich um Vollkornprodukte handeln, bei Reis sollte man sich für Naturreis entscheiden. Früchte sind wieder in beliebiger Menge erlaubt. Diese Phase dauert so lange, bis man sein Wunschgewicht erreicht hat.

Die dritte Phase dauert ein Leben lang. Die anfängliche Diät hat inzwischen zu einem Ernährungswechsel geführt, der für ein gesünderes Leben und mehr Energie sorgt.

Wird die "South Beach Diät" auch bei uns Erfolg haben?
Der Ernährungswissenschaftler Sven David Müller von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in Aachen ist da sehr skeptisch. "Deutschland ist ein Brot- und Kartoffelland. Die Leute würden nie dauerhaft auf diese Lebensmittel verzichten wollen. Aber nur eine dauerhafte Ernährungsumstellung führt zu Gewichtsverlust."

Für ihn sind nicht Kohlenhydrate Schuld am Übergewicht, sondern eine überkalorische Ernährung verknüpft mit Bewegungsmangel. Es spielt daher auch keine Rolle, ob die Kalorie aus Kohlenhydraten, Fetten oder Eiweißen besteht.

Was der Ernährungswissenschaftler rät
"Wir brauchen Kohlenhydrate und damit auch Zucker, um uns gut zu fühlen. Deshalb rate ich zur Glyx-Diät. Diese berücksichtigt Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index, die den Blutzuckerspiegel nur langsam steigern. Eine weitere Diät, die auf diesen Nahrungsmitteln aufbaut, ist die sehr erfolgreiche freenet-Diät, die von uns extra für freenet.de entwickelt wurde."

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