Spirulina: Wunderalge oder Gesundheits-Killer?

Spirulina ist in Deutschland in Form von Pulver oder Tabletten erhältlich.
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Spirulina ist in Deutschland in Form von Pulver oder Tabletten erhältlich.

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Der Markt der Nahrungsergänzungsmittel (NEM) boom. Jeder dritte Deutsche gibt dafür durchschnittlich 300 Euro pro Jahr aus. So soll das schlechte Gewissen beruhigt werden: Hier eine Currywurst, dort eine Chipstüte und zwischendurch dann ein paar Vitaminpillen oder andere exotische Substanzen. Man will seinem Körper ja auch mal was Gutes tun. In letzter Zeit hat die Blaualge Spirulina als NEM von sich reden gemacht. Ist die Alge wirklich so gesund und welche Inhaltsstoffe macht Spirulina so besonders?

Spirulina (Spirulina platensis, Spirulina maxima, Spirulina fusiformis und andere) gehören zu den proteinreichsten Organismen. Genau genommen zählen die Spirulina zu den Cyanobakterien, die man auch Blaualgen nennt. Diese gehören zu den ältesten Organismen der Welt und existierten schon, bevor sich Pflanzen und Tiere auseinander entwickelten. Der hohe Chlorophyll-Gehalt befähigen sie zur Photosynthese und damit zur Produktion von organischer Substanz und Sauerstoff. Sie pflanzen sich über einfache Zellteilung fort. Vor etwa 50 Jahren wurden sie wiederentdeckt.

In der Natur kommt Spirulina in salzigem, stark alkalischem Wasser vor allem in Zentral- und Ostafrika vor. Die Flamingos, die sich von Spirulina ernähren, verdanken ihr die schöne Färbung des Gefieders. In Afrika und Mexiko wird die Spirulina traditionell zum Verzehr genutzt. Neben dem hohen Nährwert zeichnet Spirulina sich durch hohen Vitamin- und Mineralgehalt aus. Als Nahrungsergänzungsmittel ist Spirulina auch unter der Bezeichnung Mikroalgen im Handel.

  • 60 Prozent Proteine (kein anderes Nahrungsmittel hat so einen hohen Eiweißgehalt wie Spirulina)
  • ß-Carotin (Provitamin A)
  • Thiamin (B1)
  • Riboflavin (B2)
  • Niacin (B3)
  • Panthotensäure (B5)
  • Pyridoxin (B6)
  • Cobalamin (B12, bioaktiv)
  • Vitamin E (alpha-Tocopherol)
  • Xanthophylle (Carotinoidfarbstoffe)
  • Phycolibiproteine (Phycocyanin und Allophycocyanin)
  • Chlorophyll (grünes photoynthetisches Pflanzenpigment)
  • Sulfolipide
  • Polysaccharide: Calciumspirulan, Natriumspirulan (Kohlenhydrate)
  • Gamma-Linolensäure (eine ungesättigte Fettsäure)
  • Kalium, Eisen, Selen, Jod, Zink, Natrium (Mineralstoffe)

Da die Blaualgenzellen nicht durch eine starre Zellwand begrenzt sind, sondern nur eine dünne Zellmembran aus Mucopolysacchariden besitzen, sind alle Inhaltstoffe sehr leicht zugänglich.

Verabreichungsform/Dosierung
Spirulina ist in Deutschland nur in Form von Nahrungsergänzungsmitteln (als Pulver oder Tabletten) im Handel erhältlich. Bei einer Einnahme von 10 Gramm Spirulina kann bei fastenden Personen der Tagesbedarf an einigen Mineralstoffen zu einem erheblichen Anteil gedeckt werden. In Asien und Afrika beträgt der durchschnittliche Verzehr von Algen täglich 3 bis 13 Gramm.

Phycocyanin und ß-Carotin wirken antioxidativ. Sie können freie Radikale abfangen und die Lipidoxidation hemmen. Phycocyanin hemmt selektiv das Enzym Cyclooxygenase-2 (COX-2), ein Enzym, das bei Entzündungsprozessen eine entscheidende Rolle spielt. Darauf können wahrscheinlich die hepaprotektiven, entzündungshemmenden und antiarthritischen Eigenschaften von Phycocyanin zurückzuführen sein.

Anti-Aging-Effekt
Wie bei älteren männlichen Ratten festgestellt wurde, wird bei Fütterung mit Spirulina das Auftreten von altersbedingten entzündungsfördernden Cytokinen verringert.

Allergie
Wie bei Experimenten mit Ratten und Mäusen festgestellt wurde, verhindert die orale Gabe von Phycocyanin, einem Inhaltsstoff von Spirulina, zumindest teilweise die Freisetzung von Histamin bei allergischen entzündlichen Reaktionen. Histamin ist ein Gewebshormon und wird beim gesunden Menschen im Körper abgebaut. Nicht abgebautes Histamin führt zu akuten Beschwerden wie Atemnot, Blutdruckabfall, Rötung der Haut, Nesselausschlag, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Durchfall.

Entzündung
Bei Mäusen, denen eine Arthritis induziert wurde, wirkte die orale Gabe von Spirulina enzündungshemmend. Der Gehalt eines Entzündungsparameters wurde reduziert; Knorpel- und Knorpelzellen blieben unversehrt. Die Autoren führten die antiarthritische Wirkung von Spirulina, zumindest teilweise auf den Inhaltstoff Phycocyanin zurück.

Immunsystem
Nach oraler Verabreichung eines Wasserextrakts aus Spirulina zeigte sich bei Probanden nach Blutuntersuchungen eine Stimulierung wichtiger Faktoren des Immunsystems.

Antivirale Aktivität
Calciumspirulan hemmt in vitro die Replikation einiger Viren, wie das Herpes-simplex-Virus und HIV-1 (AIDS-Virus).
Epidemiologische Studien in einigen Gebieten von Afrika legen nahe, dass der regelmäßige Verzehr von Spirulina das Auftreten von HIV-Infektionen vermeiden könnte und die virale Belastung unter den infizierten Menschen verringern könnte.

Ein weiteres Virus ist Enterovirus 71, das 1998 mehr als 120.000 Kinder in Taiwan infizierte, von denen 80 starben. Wie in vitro mit zwei unterschiedlichen Zellkulturen festgestellt wurde, hemmt Allophycocyanin, ein rotes Fluoreszenzprotein aus Spirulina platensis, den krankhaften Vorgang in den Zellen, die von Enterovirus 71 infiziert wurden.

Arteriosklerose
In einem in vitro-Experiment mit glatten Gefäßmuskelzellen wurde festgestellt, dass Natriumspirulan die Wucherung von glatten Gefäßmuskelzellen verhindert. Die Wucherung von glatten Gefäßmuskelzellen spielt beim Fortschreiten von Arteriosklerose eine kritische Rolle.

Senkung der Blutfette
Wie eine Studie mit Patienten, die an Diabetes mellitus Typ 2 leiden, ergab, verbesserte die tägliche Einnahme von 2 g Spirulina für 2 Monate die Blutwerte. Die Konzentrationen von Blutzucker und Gesamt-Cholesterin, darunter LDL-Cholesterin, wurden erniedrigt; HDL-Cholesterin erhöht.
Eine klinische Studie wurde auch an Patienten durchgeführt, die am nephrotischen Syndrom mit Hyperlipidämie litten. Die zur Medikation zusätzliche Einnahme von 1 g Spirulina-Kapseln pro Tag verringerte den Fettgehalt im Blut. Die Kontrollgruppe erzielte keine so guten Ergebnisse.

Niere
Wie in einem Experiment mit Ratten nachgewiesen wurde, hemmt aus Spirulina platensis isoliertes Phycocyanin die Bilung von Nierensteinen.

Schwangerschaft
Wie bei Ratten festgestellt wurde, bewirkt die Fütterung mit Spirulina eine bessere Speicherung von Eisen und einen höheren Gehalt an Hämoglobin während der ersten Hälfte der Schwangerschaft und beim Stillen.

Da bisher nur wenige klinische Studien mit Spirulina durchgeführt wurden, sind die im Folgenden aufgelisteten Indikationen nicht als gesichert anzusehen.

  • Übergewicht
  • Stärkung des Abwehrsystems
  • Schutz vor Infektionen
  • Senkung der Blutfettwerte
  • Schutz vor Krebs

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
In manchen Kulturen (Kanembu in Nigeria und Azteken in Mexiko) hat die Ernährung mit Spirulina Jahrhunderte und Jahrtausende Tradition. Somit kann man annehmen, dass bei der Einnahme von Spirulina praktisch kein Risiko besteht.

Da Spirulina jedoch Schwermetalle aus kontaminiertem Wasser adsorbiert, kann bei der Einnahme von Spirulina aus solchen Gebieten die körperliche Belastung durch Blei, Quecksilber und Cadmium zunehmen. In einigen Fällen traten allergische Reaktionen auf. Beim Auftreten einer unerwünschten Reaktion sollte man die Einnahme abbrechen und einen Arzt aufsuchen.

Quelle: nutriguide.de
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